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21. Juni 2012, 13:24 Uhr

Schuldenkrise

Schweizer Minister pöbelt gegen Europa

Europa hat es nicht leicht zur Zeit, doch selten ist die Kritik so heftig. Der Schweizer Verteidigungsminister Ueli Maurer sieht die EU in miserablem Zustand: Nur Verrückte wollten noch in die Gemeinschaft. Doch immerhin kennt Maurer ein Zukunftsmodell für den Kontinent: sein eigenes Land.

Hamburg - Die Europäische Union steckt in der Krise, da ist die Schuldenmisere, da sind die ständigen Gipfel und die Streitereien zwischen den wichtigsten Staaten. Aber ist die Lage wirklich so dramatisch?

Aus der Schweiz wird Europa nun ein verheerendes Zeugnis ausgestellt. Der Schweizer Verteidigungsminister Ueli Maurer sieht die Europäische Union in einem miserablem Zustand. Sie habe "ihren Höhepunkt überschritten" und "stark an Glaubwürdigkeit verloren", sagte Maurer jetzt der Wochenzeitung "Die Zeit". Um dann nachzulegen: In der Schweiz wolle "niemand mehr, der noch alle Tassen im Schrank hat, in die EU", so Maurer.

Maurer, Bundesrat der rechtskonservativen Schweizerischen Volkspartei, ist zwar bislang nicht als Europa-Anhänger aufgefallen - doch der scharfe Ton überrascht.

Die EU sei in einem "schlechten Zustand, weil man meinte, die Verantwortung nach oben abgeben zu können", sagt Maurer weiter. "Dann aber ist am Schluss niemand mehr verantwortlich."

Immerhin, es gibt noch Hoffnung für Europa - wenn man sich an einem Zukunftsmodell orientieren würde: dem der Schweiz. Für sein eigenes Land findet Maurer warme Worte. "Wir sind die beste Volkswirtschaft der Welt, die Leute bewundern unsere Demokratie, wir sind ein Land mit vielen Tugenden", empfahl der rechtskonservative Politiker seine alpenländische Heimat. "Wir sind eigentlich das Zukunftsmodell", fügte er hinzu.

Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass Maurer irritiert. Als Vertreter des "Züricher Flügels" in der rechtspopulistischen Partei war er mit verantwortlich für die ausländerfeindlichen Wahlplakate der SVP - etwa jenem, in dem ein schwarzes Schaf von der Schweizer Landesflagge getreten wird. Auch im Streit mit deutschen Behörden über Steuersünder-Dateien meldete sich Maurer immer wieder zu Wort.

Das Interview mit dem 61-Jährigen ist nur in der Schweizer Ausgabe der "Zeit" erschienen, der deutschen Ausgabe schien Maurers Europa-Urteil vielleicht doch eine Spur zu polemisch.

fab/AFP

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