Schwerer Anschlag in Pakistan Taliban rächen sich für Bin Ladens Tod

Es ist der bislang verheerendste Anschlag in Pakistan in diesem Jahr: Ein Attentäter hat sich vor einem Gebäude der Grenzpolizei in die Luft gesprengt. Mindestens 80 Menschen starben, die meisten von ihnen junge Rekruten - offenbar ist die Tat ein Racheakt der Taliban für Bin Ladens Tod.


Schabkadar - Die meisten Rekruten waren gerade dabei, einen kurzen Heimaturlaub anzutreten, als die Bomben explodierten, hieß es übereinstimmend in Agenturberichten: Nach Polizeiangaben ist ein Ausbildungszentrum paramilitärischer Truppen im Nordwesten Pakistans von zwei Explosionen erschüttert worden - mindestens 70 Menschen sind dabei ums Leben gekommen. Andere Berichte gingen von 80 Toten aus. Es ist der bislang tödlichste Anschlag in Pakistan in diesem Jahr.

Ein Gemüsehändler sagte, viele der Rekruten hätten bereits in weißen Minivans gesessen, um nach Hause zu fahren, andere hätten noch ihr Gepäck eingeladen. "Dann gab es eine große Explosion", sagte er. "Ich sah Rauch, Blut und überall Körperteile." Sicherheitskräfte riegelten den Tatort ab.

Der Doppelanschlag wurde im Nordwesten des Landes in der Region Schabkadar verübt, rund 30 Kilometer nördlich von Peschawar. Einem Polizeisprecher zufolge wurden mindestens 66 auszubildende Sicherheitskräfte der paramilitärischen Grenzpolizei und fünf Zivilisten getötet.

Ein Selbstmordattentäter habe sich zunächst auf einem Motorrad genähert, sprengte sich dann vor dem Haupteingang des Ausbildungszentrums in die Luft. Der Mann sei etwa Anfang 20 gewesen. Wie die zweite Bombe gezündet wurde, war zunächst unklar.

"Rache für Osamas Märtyrertod"

Die radikalislamischen Taliban bekannten sich zu dem Attentat: "Das war die erste Rache für Osamas Märtyrertod", sagte ein Taliban-Sprecher. Er kündigte weitere "größere Attacken" in Pakistan und Afghanistan an. Nach der Tötung von Qaida-Chef Osama Bin Laden im pakistanischen Abbottabad durch US-Spezialkräfte vor elf Tagen hatten die Taliban mit Rache für den Tod des Terroristenführers gedroht.

In Pakistan wurden in den vergangenen vier Jahren mehr als 4300 Menschen bei Bombenanschlägen getötet. Die meisten der Anschläge ereignen sich im Nordwesten des Landes, der als Hochburg islamistischer Kämpfer und als Rückzugsgebiet der Taliban und von al-Qaida gilt.

Die Polizei an der Grenze zu Afghanistan steht im direkten Kampf mit militanten Gruppen, die al-Qaida und den Taliban angehören oder nahestehen.

amz/AFP/AP/dpa/Reuters



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