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Schwulendemo in Moskau: Neonazis verprügeln Grünen-Abgeordneten Beck

Mutmaßliche Neonazis haben heute in Moskau den Grünen-Politiker Volker Beck zusammengeschlagen. Beck, der an einer verbotenen Schwulendemonstration teilnahm, machte der russischen Polizei schwere Vorwürfe. Die Grünen fordern die Bundesregierung zum Protest auf.

Moskau - Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth zeigte sich empört über den Übergriff auf Beck. Die Grünen teilten seine Kritik an den Sicherheitskräften und an dem Verbot des Christopher-Street-Days in Moskau, das durch nichts zu rechtfertigen sei. "Wir fordern die Bundesregierung auf, offiziell gegen dieses Vorgehen zu protestieren", sagte Roth in Berlin.

Beck, parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen, hatte in Russland an einer internationalen Konferenz für sexuelle Minderheiten teilgenommen, zu dessen Abschluss eine Schwulenparade geplant war. Die Stadtverwaltung verbot die Veranstaltung jedoch unter Verweis auf drohende Unruhen. Eine Homosexuellen-Kundgebung könne "negative Reaktionen gegen die Teilnehmer" und Proteste hervorrufen, die zu Störungen der öffentliche Ordnung und Massenunruhen führen könnten. Moskaus Bürgermeister Juri Luschkow erklärte gestern, Schwulenparaden seien in Russland "absolut inakzeptabel".

Festnahme in Moskau: Russische Polizisten verhaften Grünen-Politiker Volker Beck
AFP

Festnahme in Moskau: Russische Polizisten verhaften Grünen-Politiker Volker Beck

Die Demonstration fand heute dennoch statt, woraufhin mehrere Aktivisten, darunter auch der Veranstalter, verhaftet wurden. Laut russischen Polizeiangaben wurden auch Gegner der Demonstration verhaftet.

Nach Angaben Becks bildete die Polizei hinter den Demonstranten eine Kette. Als sich den Protestierenden gewalttätige Gegendemonstranten entgegenstellten, ließ die Polizei eine Flucht nicht zu. "Die Moskauer Polizei hat in ihrer Strategie komplett versagt", sagte Beck im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Der Grünen-Politiker wurde "quasi direkt den Neonazis zugeschoben, die mit Steinen auf uns warfen".

Beck wurde von einem Stein getroffen und erlitt eine Platzwunde am Kopf. "Außerdem erhielt ich einen Schlag ins Gesicht." Er und weitere Demonstranten hätten vergeblich versucht, hinter die Polizeikette zu gelangen. "Die Sicherheitskräfte haben uns nicht nur nicht geschützt, sondern sogar unseren Rückzug verhindert, so dass wir schutzlos ausgeliefert waren."

"Moskau ist nicht Sodom"

Beck sagte, die Polizei habe ihn anschließend festgenommen und eine Stunde lang ohne Begründung festgehalten. Auch sein Diplomatenausweis, den er als Bundestagsabgeordneter besitzt, habe ihm nichts genützt. "Erst die Botschaft in Moskau hat dafür gesorgt, dass ich frei komme."

Die Platzwunde des Grünen-Politikers wurde anschließend genäht. "Mir geht es jetzt wieder gut", erklärte Beck.

Auch weitere Teilnehmer der geplanten ersten Schwulenparade in Russland wurden von mutmaßlichen Nationalisten angegriffen, wie Homosexuellen-Organisationen mitteilten.

Die Organisatoren der Homosexuellen-Kundgebung hatten zu einer Kranzniederlegung am Grab des unbekannten Soldaten und einer anschließenden Kundgebung in der Innenstadt aufgerufen. Die Polizei riegelte das Gebiet nahe dem Kreml jedoch ab. Mehr als 100 Gegner der Parade versammelten sich im Stadtzentrum und skandierten "Moskau ist nicht Sodom" und "Ehre für Russland".

kaz/AP/Reuters

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