Anti-Homosexuellen-Gesetz in Russland: Schwulenhasser greifen Demonstranten an

Anti-Homosexuellen-Gesetz in Russland: Gewalteskalation in St. Petersburg Fotos
REUTERS

Das umstrittene Verbot von "Homosexuellenpropaganda" schürt in Russland weiter die Gewalt. Bei einer Demonstration in St. Petersburg kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Gegnern und Befürwortern des Gesetzes. Steine flogen, eine Sondereinheit der Polizei nahm mehrere Personen fest.

St. Petersburg - Bei Protesten gegen das international kritisierte Verbot von "Homosexuellenpropaganda" in Russland hat die Polizei zahlreiche Demonstranten und auch Störer festgenommen. Etwa hundert Aktivisten, die für die Rechte von Schwulen und Lesben demonstrierten, wurden in St. Petersburg von etwa der gleichen Zahl von Gegnern angegriffen. Sie bewarfen die Demonstranten mit Steinen, Eiern und Rauchbomben. Als es zu Handgreiflichkeiten kam, trennte eine Sondereinheit der Polizei die Lager und eskortierte die Aktivisten zu einem Bus.

Der Protestmarsch gegen das Verbot von "Homosexuellenpropaganda" war von der Aktivistengruppe Rawnoprawije ("Gleiche Rechte") organisiert worden. "Wir wollten mit der Demostration unsere Ablehnung des homophoben Gesetzes zum Ausdruck bringen", sagte die Aktivistin Natalia Zimbalowa der Nachrichtenagentur Reuters bei einem Anruf aus der Polizeibehörde.

Unterhaltungen über Homosexualität stehen unter Strafe

Das umstrittene Gesetz war vor kurzem vom Parlament angenommen worden und muss noch von Kremlchef Wladimir Putin unterschrieben werden. Demnach riskiert künftig zum Beispiel hohe Geldstrafen, wer im Beisein von Kindern über Homosexualität spricht. Bürgerrechtler kritisieren, das Gesetz schüre Hass gegen Schwule und Lesben. Hingegen behaupten Befürworter, das Verbot diene dem Kinderschutz.

Mehrere Teilnehmer der Kundgebung müssten mit einer Anzeige wegen "Homosexuellenpropaganda" rechnen, sagte ein Polizeisprecher. In St. Petersburg gilt das Verbot bereits. Viele Demonstranten hatten eine Regenbogenfahne als Symbol der Homosexuellenbewegung getragen. Gegen zahlreiche Störer sollen Verfahren wegen Rowdytums eröffnet werden.

cst/dpa/Reuters

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1.
BlogBlab 29.06.2013
Zitat von sysopDas Gesetz diene dem Kinderschutz
Das Verbot gilt ja auch, wenn Jugendliche unter 18 Jahren anwesend sind, obwohl es einen Teil von ihnen selbst betrifft. Mit diesem Gesetz kann man jede öffentliche Diskussion über Homosexualität verbieten, man braucht nur einen Jugendlichen dorthin zu schicken, dann ist sie schon illegal.
2. optional
dnicklass 29.06.2013
Ich sehe nirgends primitive, vulgäre Umzüge und Festivals. Vielmehr sehe ich farbige, fröhliche Veranstaltungen, die von primitiven Menschen als störend empfunden werden.
3. Wenn man keine Ahnung hat, ...
geforce666 29.06.2013
Zitat von sysop... Auch zu zeiten des §175 hat es die meisten Menschen nicht gestört, wenn ihr Nachbar homo war. Angeblich müssen die Homos nun in alle Zeitungen täglich ihre Bilderchen tragen und auf den Strassen in Europa und Amerika täglich irgendwo aufmarschieren, als würden sie einen Kreuzzug veranstalten gegen wen eigentlich ?
Was ist das denn für ein seltsamer Beitrag? Natürlich gab es auch in Zeiten des §175 tolerante Mitmenschen, jedoch auch solche, die Schwule ungeniert der Staatsgewalt gemeldet haben, worauf diese dann zumeist auch verurteilt wurden. Teile der Gesellschaft denken heute noch in solchen Schemata und trichtern auch ihren Kindern diese nicht-akzeptable Meinung ein. Und dagegen sollte bzw. muss man angehen. Und gerade bei verunsicherten homosexuellen Jugendlichen ist es wichtig zu zeigen, dass sie vollig normal sein. Aber zur Zeit zeigen Teile der Gesellschaft ihnen dies nicht, daher ist auch die Selbstmordgefahr unter Homsexuellen Jugendlciehn mind. 4 mal höher als bei anderen Jugendlichen. Und dafür mache ich jeden verantwortlich, der sich hinstellt und raustönt, dass Homos doch seltsam und eklig seien. Aber wie immer, jede Minderheit muss sich mühsam ihre Rechte erkämpfen, natürlich gegen Widerstand aus Teilen der Bevölkerung.
4. Erschreckend
Karikaturblogger 29.06.2013
Gleich Rechte (verbunden mit gleichen Pflichten) sind in Europa immer noch nicht in den Köpfen angekommen. Wenn manchen die schrillen CSD`s zu viel sind...okay. Man muss da nicht hingehen und applaudieren. Manchen Leuten gehen auch die Fußballspiele auf die Nerven (von den massiven von Steuergeldern finanzierten Polizeieinsätzen mal abgesehen) und dennoch finden sie statt. Für die Leute die es gut finden. Es gibt nun mal bei Gleichberechtigungsfragen keine Unterdifferenzierung. Entweder man erkennt an, dass JEDER MENSCH auf diesem Planeten die gleichen Rechte hat - oder nicht. Wenn ja, sind Heteros, Bisexuelle, Homosexuelle usw. grundsätzlich gleich zu behandeln - ohne Bevorzugung oder Sonderstellung, wenn nein eben nicht. Wer sich für ein NEIN entscheidet, sollte aber besser seinen Stammbaum prüfen. Denn wer sagt, dass so ein NEIN nur für Homosexualität gilt? Vielleicht darf man in Russland bald auch andere Sachen nicht mehr? Nicht mehr frei wählen, Frauen nicht mehr Auto fahren, nicht mehr kritisch über die Regierung reden, in der Öffentlichkeit nicht mehr küssen, nicht mehr die Evolution lehren, nicht mehr schwarz sein, keine kurzen Röcke mehr tragen.... Es fängt immer mit einer Minderheit an...denn da merkt die Mehrheit nicht was für ein Programm läuft.
5. Schwulenhasser
Vicky P. Dia 29.06.2013
Diese "Paraden" sind Versammlungen im Sinne des Artikels 8 iVm. Art. 5 Grundgesetz, ganz im Gegensatz zum Rosenmontagszug, Carnival der Kulturen, Loveparade oder Schützenumzug. Diese "Paraden" werden mit Fug und Recht solange als Demonstrationen durchgeführt, wie es in unserer Gesellschaft Leute inkl. Politiker gibt, die *verfassungswidrig* homosexuellen Menschen die Würde, die freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit, die Gleichberechtigung und die Gleichheit vor dem Gesetz absprechen und beschneiden wollen. Traurig, dass das auch in Deutschland noch lange so bleiben wird....
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