Liberale US-Muslime: "Gay ist okay"

Von und (Video), Washington

Frauen leiten Gebete, Homosexuelle sind akzeptiert und gleichgeschlechtliche Ehen erlaubt: In den USA findet eine Gruppe liberaler Muslime mehr und mehr Anhänger. Einer ihrer führenden Köpfe ist ein offen schwul lebender Imam.

Sandra Sperber

Er ist geduldig. Es braucht eben alles seine Zeit. Daayiee Abdullah sitzt draußen vorm noch verschlossenen Haus auf einer kleinen Steinbank und wartet. Hinter der Bank lehnt eine Leiter an der Wand, sie führt zu einem Fensterrahmen ein paar Meter weiter oben. Dort hantiert ein Maler mit weißer Farbe, direkt über ihm. Abdullah sorgt sich nicht. Am Körper ein langes schwarzes Gewand, auf dem Kopf die Gebetskappe, bleibt er einfach sitzen. Eine Stunde dauert es, bis endlich jemand mit dem Schlüssel kommt. Jetzt kann es losgehen.

Daayiee Abdullah ist Imam. Und er ist schwul. Abdullah gehört zu den "Muslims for Progressive Values" (MPV), einer Gruppe liberaler, gläubiger Muslime, die sich vor sechs Jahren zusammengefunden hat. Ihre Überzeugung: Männer und Frauen haben im Islam die gleichen Rechte, sie beten gemeinsam, auch Frauen dürfen das Gebet leiten; Schwule und Lesben sind willkommen, bei Imamen wie Daayiee Abdullah können sie heiraten.

Stetig ist die Anhängerschaft gewachsen, gut tausend Mitglieder hat die Gemeinschaft unter den insgesamt 2,6 Millionen Muslimen in Amerika. Das ist noch nicht viel. Aber in einigen Städten haben sich Gruppen gebildet, die sich in kleinen, meist improvisierten Moscheen zum Gebet treffen.

Fotostrecke

6  Bilder
Liberale US-Muslime: "Gay ist okay"
In der Hauptstadt Washington ist dies das Haus, vor dem Imam Daayiee Abdullah eben noch auf der Steinbank gesessen hat. Es gehört den Quäkern, freitags überlassen sie den fortschrittlichen Muslimen ein paar Räume. Früher haben die sich noch in einer öffentlichen Bibliothek getroffen. "Es ist eine wachsende Bewegung", sagt der 59-jährige Abdullah. Wenn es gut läuft, kommen rund 20 Gläubige zum Gebet.

Wie lassen sich Islam und Homosexualität vereinbaren?

An diesem Freitag sind sie allerdings nur zu viert. Sie entrollen die Gebetsteppiche im Quäker-Haus, beten und lesen aus dem Koran. "Es ist etwas in Bewegung in Washington und in der Welt", sagt Zwei-Meter-Mann Abdullah während seiner Predigt. Er kichert, wenn er sich über eine gelungene Pointe freut. Ein kichernder Riese.

Abdullah stammt aus Detroit, aufgewachsen ist er als Baptist. Bald entfremdete er sich seiner Religion - und ausgerechnet bei einem Studienaufenthalt in Peking fand er über chinesische Muslime zum neuen Glauben. Sein Coming-out hatte er da schon lange hinter sich. Wie aber waren nun der Islam und seine Homosexualität zu vereinbaren? "Die Frage war: Wie kann ich meinem Glauben folgen und dabei mit mir im Reinen sein? Über die Jahre habe ich dann gelernt, den Islam als Einheit und nicht als Uniformität zu verstehen. Verschiedene Teile kommen zusammen und ergeben eine Einheit - wie bei einer Maschine." Abdullah kichert wieder. Im Koran heiße es, dass Allah die Menschen in unterschiedlichen Farben geschaffen habe. "Das darf man nicht nur auf das Äußere eines Menschen beziehen."

Und die Kritiker? Der Unmut traditionell lebender Muslime? "Da gibt es gewöhnlich Opposition", sagt Abdullah trocken. "Ich lese die gleichen Texte wie sie, interpretiere sie aber anders." Religion sei lebendig, sie verändere und entwickele sich ständig. "Wir können nicht die Denkweise des 7. Jahrhunderts anwenden, um das Leben im 21. Jahrhundert zu bewältigen."

Der Wandel werde kommen, man müsse nur Geduld haben, sagt er. Er erinnert sich an früheren Ärger. "Als einst eine Frau das Gebet leiten wollte, protestierten einige Männer. Ich habe gesagt: 'Kein Problem, geht beiseite, lasst uns beten.' Wir beteten, und sie stellten fest, dass sich kein Spalt in der Erde auftat, um uns zu verschlucken. Beim nächsten Gebet waren sie dann dabei."

Obama? "Ein Hochgefühl"

Es sind solch kleine Erfolgsgeschichten, an denen sich Daayiee Abdullah festhält. Und manchmal ist es auch eine große.

Wie jene von Anfang Mai. Da tritt Barack Obama im Fernsehen auf, er sitzt vor einer US-Flagge und dem Siegel des US-Präsidenten. Die Sache ist hochoffiziell. "Für mich persönlich ist es wichtig, voranzugehen und zu bekräftigen, dass gleichgeschlechtliche Paare heiraten können sollten", sagt der mächtigste Mann der Welt. Der Imam erinnert sich an den Moment: "Ich als Schwarzer habe den ersten schwarzen Präsidenten gesehen, wie er diesen Satz als erster Amtsinhaber gesagt hat." Das sei "ein Hochgefühl" gewesen.

Einen Tag später sitzen die progressiven Muslime wieder im Haus der Quäker zusammen. Justin und Mohammed sind gekommen, vor zwei Jahren hat Abdullah ihre Ehe geschlossen, draußen im Garten. "Ich bin nicht wirklich religiös", sagt der 32-jährige Mohammed, der aus Syrien stammt: "Aber was die Kultur betrifft, bin ich ein Muslim - und ich denke, es ist okay, gay zu sein." Dann ist da Maliha. Die 24-Jährige ist als Kleinkind mit ihren pakistanischen Eltern in die USA gekommen. Den Kontakt zu MPV hat sie übers Internet gefunden, seit einem Jahr ist sie jetzt dabei.

Warum? "Weil ich festgestellt habe, dass meine Mentalität nicht mit jener der Leute in der Moschee zusammenpasste." So treffe sie sich jetzt mit Abdullah und Co. "Ich habe als Muslima eine Verantwortung, etwas gegen die Diskriminierung von Frauen und Homosexuellen zu unternehmen." Demnächst beginne ihr Jurastudium.

Danach will sie zurück nach Pakistan. Um etwas zu verändern.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 37 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Wozu?
meinmein 03.06.2012
Zitat von sysopFrauen leiten Gebete, Homosexuelle sind akzeptiert und gleichgeschlechtliche Ehen erlaubt: In den USA findet eine Gruppe liberaler Muslime mehr und mehr Anhänger. Einer ihrer führenden Köpfe ist ein offen schwul lebender Imam. Schwuler Imam in den USA leitet Gruppe liberaler Muslime - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,835117,00.html)
Das ist ja alles ganz nett, aber warum überhaupt irgendeiner ausgedachten Gottheit huldigen. Die Menschheit könnte viel friedlicher zusammenleben, wenn sie nur ein paar Regeln nach der Art des kategorischen Imperativs beherzigte. Religion schadet nur.
2. So könnte ich diese Kultur schätzen lernen!
unangepasst 03.06.2012
Nicht weil der Iman schwul ist, sondern weil Weltoffenheit und Akzeptanz angesagt ist und nicht nur von uns Anders- oder gar Nichtgläubigen abverlangt wird!
3. So sollte es sein,
ronald1952 03.06.2012
Zitat von sysopFrauen leiten Gebete, Homosexuelle sind akzeptiert und gleichgeschlechtliche Ehen erlaubt: In den USA findet eine Gruppe liberaler Muslime mehr und mehr Anhänger. Einer ihrer führenden Köpfe ist ein offen schwul lebender Imam. Schwuler Imam in den USA leitet Gruppe liberaler Muslime - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,835117,00.html)
Akzeptanz für die anderen ist gelebter Glaube.Aber mit sicherheit wird sich jemand finden der Todesdrohungen aussprechen und das ganze als Irrglaube verdammen wird.Denn eines darf natürlich in den großen Glaubenrichtungen nicht Herrschen, nähmlich die persöhnliche Freiheit des einzelnen Menschen.Gläubige haben sich nämlich unterzuordnen und auf dem Bauch zu kriechen, vor denen die da angeben den waren Glauben zu verkünden die einen direkten Draht zu Gott haben, wie sie sagen.Das sind die, die immer behaupten,Gott hat es so gewollt.oder so steht es Geschrieben.Wären die großen Glaubenrichtungen die letzten 2000 Jahre tolerant zu ihren Schäflein gewesen, wo könnten wir da heute sein.Vielleicht in der nähe zu einem Paradies.So aber stehen wir nach wie vor, vor den Abgründen unseres tun`s auf unserer doch für uns so einzigartigen Welt.Das einzige das die großen Religionen allseits gefördert haben ist das böse in uns.Wir sagen zwar,liebe deinen nächsten und weiter solcher schönen Sprüche,aber in der realität sieht das ganz anders aus.Wir haben es in 2000 Jahren nicht gelernt miteinander klarzukommen auf unserer Welt.Und je mehr Menschen es geben wird um so klarer wird eines werden.Wenn wir nicht ganz schnell umdenken und tolerant und friedlich zu anderen werden,dann werden wir,die Menschen die großen Loser dieser Welt sein denn wir werden uns gegenseitig Umbringen.Für was auch immer. schönen Tag noch,
4. optional
ohitika33 03.06.2012
Ein schöner Bericht der zeigt, dass es auch anders geht.Sollte Pflichtlektüre für die rückwärtsgewandten Religionsgemeinschaften in Europa sein, die hier ihren Steinzeitislam installieren wollen!
5.
Atheist_Crusader 03.06.2012
Ich find's vor allem interessant, dass dies in den USA passiert. Üblicherweise sind Auswanderergemeinschaften außerhalb ihres Heimatlandes noch traditioneller und konservativer, als dort, wo sie herkommen. In Islamabad kann man freier auf die Straße, als in pakistanischen Vierteln Londons.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema USA
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 37 Kommentare
  • Zur Startseite
DER SPIEGEL: Islam

Islam
Geschichte
Der arabische Begriff "Islam" bedeutet "Unterwerfung", gemeint ist "unter den Willen Gottes". Er bezeichnet die jüngste der drei monotheistischen Weltreligionen. Der Islam entstand im 7. Jahrhundert auf der arabischen Halbinsel im heutigen Saudi-Arabien. Schon bald nach dem Tod des Propheten Mohammed stieg das islamische Reich zur Weltmacht auf.
Islam , Christentum und Judentum eint vieles, zum Beispiel die zentrale Bedeutung der Beziehung zwischen Gott, dem Schöpfer, und dem Menschen, seinem Geschöpf. Auch spielen viele aus dem Alten und Neuen Testament bekannte Propheten eine Rolle im Islam.
Die fünf Säulen des Islam sind das Glaubensbekenntnis, das fünfmalige tägliche Gebet, die Spende an die Armen, das Fasten im Monat Ramadan und die Pilgerfahrt nach Mekka ( Hadsch ). Über eine Milliarde Menschen bekennen sich zum Islam, in über 50 Staaten stellen Muslime die Mehrheit die Bevölkerung. Rund zehn Prozent der Muslime sind Schiiten , fast alle übrigen Sunniten .
Mohammed
Mohammed war der Empfänger des Koran : Ihm erschien der Erzengel Gabriel, er gab Gottes Offenbarung an die Mekkaner weiter. Die freilich wollten von der aufrührerischen neuen Lehre zunächst nichts wissen und ihren Polytheismus nicht aufgeben. Mohammed verließ seine Heimatstadt daraufhin und zog mit seinen ersten Unterstützern ins rund 300 Kilometer entfernte Yatrib, das spätere Medina. Dort stieg Mohammed bald zum Führer seiner stetig wachsenden Gemeinde auf. Schließlich schlossen sich auch die Mekanner dem Islam an.
Mohammed war Prophet, Richter, Heerführer und Herrscher in einer Person. Aber anders als etwa Jesus für die Christen ist er nach islamischer Ansicht weder sündenfrei noch göttlichen Ursprungs gewesen. Gleichwohl gilt er den Muslimen als das beste Vorbild. Außer dem Koran sind die Sammlungen von Mohammeds Taten und Aussprüchen deshalb wichtige Texte für die islamische Glaubenspraxis und Rechtsfindung.
Mohammed entstammte einem verarmten Zweig eines wichtigen mekkanischen Stammes, den Koreischiten. Schon bevor ihm der Engel Gabriel erschien, soll er sich regelmäßig als Eremit zum Kontemplieren und Meditieren zurückgezogen haben - eine damals nicht völlig unübliche Praxis. Mit welchen anderen religiösen Vorstellungen Mohammed vertraut war, ob er Umgang mit christlichen oder jüdischen Religionsgelehrten hatte, ist ungewiss. Aber Mohammed war auch Kaufmann, er begleitete Karawanen, zum Beispiel in den syrischen Raum. Es ist wahrscheinlich, dass er dabei mit einer Vielzahl von Glaubensvorstellungen in Berührung kam.
Koran
"Koran" bedeutet in etwa "Das Vorzutragende" und beschreibt die Summe der Offenbarungen, die der Prophet Mohammed von Gott empfing - übermittelt durch den Erzengel Gabriel.
Bald nach dem Tod des Propheten (632 n. Chr.) begannen die Versuche, aus den bis dahin vor allem mündlichen Überlieferungen einen gemeinsamen, authentischen und schriftlich kodifizierten Koran zu kompilieren - ein Unternehmen, das erfolgreich war, denn heute gibt es zwar noch einige abweichende Lesarten des Koran, aber im Wesentlichen beziehen sich alle Muslime, egal ob Sunniten oder Schiiten , auf denselben Text.
Der Koran ist in Suren gegliedert, die wiederum aus Versen bestehen. Der Koran ist nach Länge der Suren geordnet - aber auch eine zeitliche Ordnung lässt sich einigermaßen sicher rekonstruieren. So unterschieden sich die sehr früh geoffenbarten Suren stilistisch und inhaltlich deutlich von den späteren, die weniger poetisch sind und zahlreiche klare Anweisungen enthalten.
Nach orthodox-islamischer Vorstellung ist der Koran (anders als die Bibel ) die wörtliche Rede Gottes - er ist deswegen unveränderlich und überall und zu jeder Zeit gültig. Das heißt aber nicht, dass er nicht der Interpretation zugänglich wäre: Zahllose islamische Gelehrte haben dem Koran in 14 Jahrhunderten immer wieder neue Facetten abgerungen und ihn für das tägliche Leben anwendbar gemacht.
Mekka
Mekka ist als Geburtsort des Propheten Mohammed die heiligste Stadt und der wichtigste Wallfahrtsort des Islam . Mittelpunkt Mekkas ist die Kaaba im Hof der Hauptmoschee. Jeder Moslem muss einmal im Leben dieses Heiligtum im Westen von Saudi-Arabien besuchen - vorausgesetzt, seine Gesundheit und finanziellen Mittel lassen die Reise zu. Nicht-Moslems dürfen die nähere Umgebung der Stadt nicht betreten.
In der ganzen Welt richten sich die Gebetsnischen der Moscheen nach Mekka und zeigen damit den Betenden die Richtung an, in die sie sich niederzuwerfen haben.
Mekka ist ein reines Kult- und Kulturzentrum ohne Industrie oder Landwirtschaft.
Kaaba
Die Kaaba ist ein würfelförmiges Gebäude in Mekka , das heute von einer riesigen Moschee umbaut ist. Sie ist das Zentrum der islamischen Religion, zu ihr wenden sich alle Muslime beim Ritualgebet, zu ihr pilgern alljährlich Millionen Gläubige. Sie umkreisen den Bau und versuchen, den in die Ostecke eingelassenen schwarzen Stein (möglicherweise ein Meteorit) zu küssen.
Schon in vorislamischer Zeit war die Kaaba ein bedeutendes Heiligtum. Nach islamischer Vorstellung ist sie "das erste Haus Gottes auf Erden" (Sure 3, Vers 96), erbaut vom Propheten Abraham. Jedes Jahr zum Ende des Hadsch wird die Kaaba mit einem Überzug aus schwarzem Brokat neu eingekleidet.
Hadsch
Hadsch , die Pilgerfahrt nach Mekka im heutigen Saudi-Arabien ist eine der fünf Säulen des Islam . Sie findet im letzten Monat des islamischen Mondjahres statt. Fast drei Millionen Gläubige nehmen an den Riten teil, zu denen außer dem Umkreisen der Kaaba auch der Aufenthalt am Berg Arafat und eine symbolische Steinigung des Satans gehören. Nach dem Opferfest und der Rückkehr nach Mekka mit erneuter Umrundung der Kaaba endet der Weihezustand (arab. "Ihram"), in dem sich die Pilger befinden, und sie legen das Pilgergewand ab. Fortan dürfen die Männer den Ehrentitel Hadsch bzw. Hadschi führen, Frauen werden Hadscha genannt.
Bilderfeindlichkeit
Der Koran kennt kein Verbot der bildlichen Darstellung. Allerdings bezeichnet eine Vielzahl von Prophetenworten (Hadith) die Nachbildung von Mensch und Tier als blasphemisch und daher als verboten: Gott allein dürfe Lebewesen erschaffen. Daher vertraten sunnitische wie schiitische Rechtsgelehrte seit dem 8. Jahrhundert eine bilderfeindliche Haltung.
Trotzdem entwickelte sich in der islamischen Welt eine reiche Maltradition, die im 12. Jahrhundert in der Buchkunst ihren Ausgang nahm. Im 14. Jahrhundert entstanden sogar Illustrationen, die Szenen aus dem Leben des Propheten Mohammed zeigen. Nur der Koran wurde nie bildlich verziert.