Notlage auf Rettungsschiffen Nach wochenlanger Irrfahrt - Malta lässt 49 Migranten an Land

Seit Tagen irren zwei Rettungsschiffe deutscher Hilfsorganisationen mit 49 Migranten an Bord über das Mittelmeer. Nun dürfen sie in Malta an Land gehen. Die Geretteten sollen auf acht EU-Mitgliedstaaten verteilt werden.

AP


Die 49 Flüchtlinge an Bord der beiden deutschen Hilfsschiffe vor der Küste von Malta dürfen nach Angaben der dortigen Regierung an Land gehen. "Es wurde eine Ad-hoc-Vereinbarung erzielt", sagte Maltas Regierungschef Joseph Muscat. Die Migranten sollen auf Deutschland und sieben weitere europäische Länder verteilt werden. Die Rettungsschiffe müssten die maltesischen Gewässer allerdings "sofort" nach dem Transfer der Migranten verlassen.

Das Schiff "Sea-Watch 3" der Berliner Organisation Sea-Watch hatte am 22. Dezember 32 Migranten gerettet. Auf dem Schiff "Professor Albrecht Penck" der Regensburger NGO Sea-Eye harren 17 Gerettete seit dem 29. Dezember aus. Malta und Italien hatten den Rettungsschiffen wie schon in früheren Fällen das Anlegen in ihren Häfen verweigert.

298 Migranten werden auf EU verteilt

Als Gegenleistung für die Öffnung des Hafens in Valletta hatte die maltesische Regierung die Verteilung von 249 bereits in Malta befindlichen Migranten gefordert, die die dortige Küstenwache Ende Dezember gerettet hatte. Von den nun insgesamt 298 Migranten werden laut Muscat 176 von Deutschland, Frankreich, Portugal, Irland, Rumänien, Luxemburg, den Niederlanden und Italien aufgenommen. 78 können demnach in Malta bleiben. 44 Menschen aus Bangladesch sollen in ihr Heimatland zurückgeschickt werden.

Katastrophale Situation an Bord

Zuletzt hatten die Boote aufgrund hohen Seegangs in der Nähe von Maltas Küste Schutz suchen dürfen. Anlegen durften sie aber nicht. Die Zustände an Bord waren alarmierend: Die Nahrungsmittel- und Treibstoffrationen auf der "Professor Albert Penck" waren knapp. Der Arzt an Bord der "Sea Watch 3", Frank Dörner, sprach in einem Video auf Twitter von einer "katastrophalen Situation". Die Menschen seien traumatisiert. Dazu kämen Seekrankheit und Unsicherheit.

EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos begrüßte die Vereinbarung. Er sei froh, dass die Migranten von den Schiffen nun an Land könnten, schrieb er im Kurzbotschaftendienst Twitter. Er dankte der maltesischen Regierung, dass sie den Schiffen das Anlegen erlaubte. Die zur Aufnahme der Flüchtlinge bereiten EU-Mitgliedstaaten hätten ihrerseits "aktive Solidarität" gezeigt.

REUTERS

mfh/dpa/AFP



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