Protest gegen China Tibeter verbrennen sich vor KP-Parteitag

Mehrere Selbstverbrennungen von Tibetern überschatten den Auftakt des Parteitags der KP in China: Sechs Menschen zündeten sich binnen zwei Tagen aus Protest über Pekings Umgang mit der Minderheit an, zwei von ihnen starben. Experten rechnen mit weiteren Aktionen während der Großtagung.

Selbstverbrennung eines Tibeters (Archivaufnahme): Protestaktionen zum Parteitag
AP / International Campaign for Tibet

Selbstverbrennung eines Tibeters (Archivaufnahme): Protestaktionen zum Parteitag


Peking - Der Umgang mit den ethnischen Minderheiten ist ein besonders dunkles Kapitel für Chinas KP. Unmittelbar vor Beginn des pompösen Parteitags in Peking lenkten Tibeter die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf die Lage in ihrer Heimat: Drei Mönche im Alter von 15 und 16 Jahren überschütteten sich am Mittwoch vor einer Polizeistation in Gomang im Kreis Aba (Provinz Sichuan) mit Benzin und zündeten sich an. Zuvor hätten sie nach Freiheit für Tibet und der Rückkehr des religiösen Oberhaupts der Tibeter, Dalai Lama, gerufen, berichtete die Organisation Free Tibet aus London. Der jüngste von ihnen sei ums Leben gekommen.

Damit zündeten sich innerhalb von zwei Tagen insgesamt sechs Tibeter aus Protest gegen Chinas Herrschaft an - soviel wie nie zuvor in solch kurzer Zeit.

Auch eine Mutter und ein Jugendlicher hätten sich in Brand gesetzt, berichteten exiltibetische Kreise und Aktionsgruppen. Eine weitere Selbstverbrennung gab es am Mittwoch im Kreis Tongren in der Provinz Qinghai, wo sich eine 23-jährige Tibeterin nahe des Rongwo Klosters selbst anzündete und starb. Mehrere tausend Tibeter hätten daraufhin gegen die chinesische Herrschaft protestiert, berichtete der US-Sender Radio Free Asia (RFA) unter Berufung auf exiltibetische Quellen.

Peking bestreitet alle Vorwürfe

Mehr als zwei Drittel der mehr als 60 Tibeter, die sich bislang selbst verbrannt hätten, seien jünger als 25 Jahre gewesen. "Wir rechnen damit, dass die tibetischen Proteste während des Parteitags weiter eskalieren werden", sagte die Direktorin der Aktionsgruppe, Stephanie Brigden. "Chinas neue Führung muss ihre Tibet- und Nationalitäten-Politik grundlegend überdenken", forderte der Asienreferent der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), Ulrich Delius, in Göttingen in einer Mitteilung. "Chinas Tibet-Politik ist gescheitert", sagte Delius. "Ohne ein deutliches Zeichen echter Dialogbereitschaft der chinesischen Machthaber wird die Welle der entsetzlichen Selbstverbrennungen nicht abebben."

Eine Sprecherin der tibetischen Exilregierung nannte die Selbstverbrennungen einen "Appell an die internationale Gemeinschaft, an die chinesische Regierung und an das chinesische Volk, ihren Hilferuf zu hören".

Die Tibeter werfen der Führung in Peking vor, sie sozial und wirtschaftlich zu benachteiligen und ihre Kultur und Traditionen in ihrer Heimat zu zerstören. China hält Tibet seit 1951 besetzt. Das geistliche Oberhaupt der Tibeter, der Dalai Lama, floh 1959 während eines Aufstands nach Indien, wo er seitdem wie zahlreiche andere tibetische Flüchtlinge im Exil lebt.

Die Regierung in Peking bestreitet die Vorwürfe zwar und verweist auf ihre Bemühungen zur wirtschaftlichen Entwicklung der dünnbesiedelten Bergregion. Doch angesichts der Unruhen in Tibet und auch in der muslimischen Region Xinjiang hat die Zentralregierung in Peking große Truppenkontingente in diese Gebiete verlagert. Ganze Landstriche wurden zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten. Tibeter oder Uiguren, die sich gegen soziale Ungerechtigkeiten wehren, werden oft ganz automatisch des "Extremismus" und "Spaltertums" beschuldigt und müssen mit harten Strafen rechnen.

Die KP Chinas hatte am Donnerstag ihren 18. Parteitag eröffnet, bei dem ein Führungswechsel eingeleitet werden soll. Der bisherige Vize-Präsident Xi Jinping soll die Nachfolge von Präsident Hu Jintao an der Parteispitze übernehmen und ihm im März auch als Präsident nachfolgen.

als/AFP/dpa/dapd

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 38 Beiträge
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Seite 1
APPEASEMENT 08.11.2012
1. Mitgefühl
Zitat von sysopAP / International Campaign for TibetMehrere Selbstverbrennungen von Tibetern überschatten den Auftakt des Parteitags der KP in China: Sechs Menschen zündeten sich binnen zwei Tagen aus Protest über Pekings Umgang mit der Minderheit an, zwei von ihnen starben. Experten rechnen mit weiteren Aktionen während der Großtagung. Sechs Tibeter verbrennen sich vor dem KP-Parteitag in China - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/sechs-tibeter-verbrennen-sich-vor-dem-kp-parteitag-in-china-a-866092.html)
Leider werden auch diese Selbstverbrennungen keine Konsequenzen haben:-( Die Chinesen haben Tibet annektiert und demnächst werden die Tibeter wohl alle in ein Reservat verlegt. Der Große frisst den Kleinen. Und die linken Gutmenschen schweigen dazu, Pfui!
mborevi 08.11.2012
2. China ...
... ist ein imperialistisches Land, seit mehr als einem Jahrhundert. Aber es wird nicht Bestand haben, so wie bisher in der Geschichte kein solches Land Bestand hatte.
Nonvaio01 08.11.2012
3. stimmt
Zitat von APPEASEMENTLeider werden auch diese Selbstverbrennungen keine Konsequenzen haben:-( Die Chinesen haben Tibet annektiert und demnächst werden die Tibeter wohl alle in ein Reservat verlegt. Der Große frisst den Kleinen. Und die linken Gutmenschen schweigen dazu, Pfui!
so wie die Ureinwohner Australiens, die leben auch in Reservaten, die Indianer in den USA auch in Reservaten. ich finds schade das eine alte Kultur der neuen einfach weichen muss, ein land einfach einverleibt wird, leider kann man da nichts machen, wie schon gesagt der Grosse frisst den kleinen. Irgendwann werden die Tibeter nur noch eine Touristen Attraction sein.
bertholdalfredrosswag 08.11.2012
4. Tibeter verbrennen sich vor KP-Parteitag
Das ist wohl nicht leicht zu beurteilen. Dieses Bettelmönchsystem des Dalai Lama und der Verarmung der Nation. Dem gegenüber steht das chinesische Entwicklungsstreben. Wozu taugt das Mönchstum, wenn es junge Menschen bis zum Tode vom ehrlichen Broterwerb abhält? Gottergebene Armut zu predigen und sich den Bedarf für das leibliche Auskommen spenden zu lassen, ist sicher Unzeitgemäß. Doch was mich beeindruckt ist die Glaubenshirnwäsche welche an diesen Jungen schon so wirkt, dass sie sich ihrer unsinnigen Glaubens-Vorstellungen wegen anzünden. Oder sind es doch Patrioten die für ihre politische Selbstbestimmung kämpfen? Dann müßten sie sich der Kutte entledigen. Ist Tibet nicht auf Grund seiner unsinnigen Geistesführung in tragischer Armut verblieben? Den Dalai Lama möchte ich auffordern, seinen Gläubigen zu sagen, dass es sich nicht lohnt um des Glaubens willen Feindschaft zu erzeugen. Gründet sich doch auch diese Religion auf reinen Fabeln und Unwahrheiten. Die Schätzung von Ethos und Ethik müsste ihm das zwingend nötig machen.
dalethewhale 08.11.2012
5. Blabla
Zitat von Nonvaio01so wie die Ureinwohner Australiens, die leben auch in Reservaten, die Indianer in den USA auch in Reservaten. ich finds schade das eine alte Kultur der neuen einfach weichen muss, ein land einfach einverleibt wird, leider kann man da nichts machen, wie schon gesagt der Grosse frisst den kleinen. Irgendwann werden die Tibeter nur noch eine Touristen Attraction sein.
Und die Germanen haben die Kelten verjagt,und die Römer alle,und die Cromagnon Menschen den Neandertaler... Bitte Bittte Bitte,Das ist doch völlig normal. sollen alle angeklagt werden??? alte kulturen verschwinden wie alte autos. seit menschen gedenken.
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