Russische Presse über Seehofer bei Putin "Sieg des gesunden Menschenverstands"

Horst Seehofers Besuch bei Putin sorgt für Wirbel - auch in den russischen Medien. Sie werten ihn als "Sieg" gegen "antirussische Sanktionen", willkommenen Affront gegen Merkel - oder Indiz für "Aufruhr in Deutschland".

Besucher Seehofer (l.), Gastgeber Putin: "Sieg des gesunden Menschenverstands"
DPA

Besucher Seehofer (l.), Gastgeber Putin: "Sieg des gesunden Menschenverstands"


Moskau-Besuche von CSU-Größen sind immer etwas Besonderes: 1987 steuerte Franz-Josef Strauß selbst eine Cessna durch Schnee und Sturm bis nach Moskau. Um die Reise werden in der CSU bis heute Legenden gestrickt. Es sei ein "Flug in das Herz des roten Imperiums" gewesen, so Wilfried Scharnagl, langjähriger Chef der Parteizeitung "Bayernkurier" und als Strauß-Intimus damals mit an Bord. "Wenn der bayerische Löwe und der russische Bär friedlich auf einer Wiese äsen können - das war die Vision damals", hat Scharnagl einmal gesagt.

Dahin - so wird die aktuelle Reise von CSU-Boss Horst Seehofer jedenfalls in Moskau verstanden - wollen die Bayern gern zurück.

Die Nachrichten des staatlichen Kanals Rossija melden:

"Bayern baut Beziehungen zu Russland unter Umgehung Berlins auf"

und

"Aufruhr in Deutschland".

Andere Moskauer Medien spekulieren in die entgegengesetzte Richtung: Dass nämlich Präsident Wladimir Putin vielmehr der deutschen Kanzlerin Angela Merkel einen Schlag versetzt habe, durch das Treffen mit Seehofer. Die englischsprachige Webseite "Russia Insider" wollte gar den "Bruch" zwischen Berlin und München erkennen.

Russia Today, der Auslandssender des Kreml, hält das Ende der vom Westen verhängten Sanktionen praktisch schon für ausgemacht. Seehofers Besuch sei

"der Sieg des gesunden Menschenverstands über die antirussischen Sanktionen".

Der Bayer wird gelobt für "Selbstständigkeit" und den "Mut zu einer eigenen Position", die seien ja selten geworden im "politkorrekten und toleranten Deutschland".

Der Politologe Pawel Salin wiederum hält es für eine gute Idee, Merkel in Zukunft öfter zu umgehen. Moskau habe, so kommentierte der Experte beim Radiosender Business FM

"in allen Bereichen zu oft den Fehler gemacht, nur auf die aktuelle Regierung eines Staats zu setzen".

Dann doch lieber Seehofer.

beb



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