Treffen mit Premier Samaras: Seehofer zollt griechischen Sparanstrengungen Respekt

Keine Spur von Kritik: Bei einem Treffen mit Griechenlands Premier Samaras zeigt sich CSU-Parteichef Seehofer von seiner versöhnlichen Seite. Dabei hatte seine Partei noch im Sommer gefordert, Athen aus der Währungsunion zu werfen.

Neu entdeckte Einigkeit: CSU-Parteichef Seehofer und Griechenlands Premier Samaras Zur Großansicht
REUTERS

Neu entdeckte Einigkeit: CSU-Parteichef Seehofer und Griechenlands Premier Samaras

München - Vor wenigen Monaten hatte Horst Seehofers CSU die griechische Regierung heftig attackiert - nun lud der Parteichef Premier Antonis Samaras zu einem "freundschaftliches Gespräch über aktuelle Themen" ins Münchener Prinz Carl Palais. Er habe größten Respekt vor den griechischen Sparanstrengungen, sagte Seehofer am Abend - und stellte dem griechischen Gast Gespräche über wirtschaftliche Kooperationen in Aussicht.

Im Sommer hatte das noch ganz anders geklungen: "An Athen muss ein Exempel statuiert werden", wetterte Anfang August der bayerische Finanzminister Markus Söder. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt forderte ebenfalls offen den Austritt Athens aus der Währungsunion: "Ich sehe Griechenland 2013 außerhalb der Euro-Zone", sagte er der "Bild am Sonntag".

Seehofer distanzierte sich zwar von Dobrindts Äußerungen, sprach jedoch selbst mehrfach von "roten Linien", die nicht überschritten werden dürften - und spielte damit auf die Auflagen für ein weiteres Griechenland-Rettungspaket an. Inzwischen steht fest, dass Griechenland nicht alle Auflagen der Troika erfüllen wird - und trotzdem knapp 44 Milliarden Euro zusätzlich bekommt. Darauf einigten sich Eurostaaten und Internationaler Währungsfonds Ende November.

Doch Seehofer zeigte sich davon unberührt: "Es gibt keine Überschreitung, auch nicht ein Touchieren unserer roten Linien", sagte er am Sonntagabend in München. Die ätzende Kritik der Parteikollegen scheint vergessen: "Wir haben beide nur in die Zukunft geblickt", sagte Seehofer nach dem Gespräch mit Samaras.

Schon vor einigen Monaten hatte sich abgezeichnet, dass die Griechenland-Schelte der CSU nicht gut ankam. Selbst aus der eigenen Partei gab es harsche Kritik an Dobrindt und Söder. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich ohnehin klar auf die Seite der Griechen gestellt - schon nach damaliger Einschätzung schien deutlich, dass ein Austritt Griechenlands aus dem Euro weit schlimmere Folgen für Deutschland und die gemeinsame Währung hätte, als das Land über Wasser zu halten.

Nun also Versöhnung für die größere Sache: Vor seinem Treffen habe er noch mit Merkel telefoniert, sagte Seehofer - der Besuch finde in "voller inhaltlicher Übereinstimmung" statt. Seine Partei sage Ja zur Solidarität, "wenn auf der anderen Seite Solidität steht".

Staatschef Samaras wiederholte sein Versprechen, dass Griechenland die geplanten Reformen umsetzen werde und dankte Seehofer mehrfach für dessen "Verständnis" und für das Angebot, künftig enger Zusammenzuarbeiten. Zudem verkündete der griechische Staatschef, der geplante Anleihenrückkauf von 30 Milliarden Euro sei sehr gut gelaufen. Zu den verbalen Attacken der vergangenen Monate äußerte er sich nicht. Stattdessen lud er Seehofer zu einem Gegenbesuch nach Athen ein.

usp/dpa/dapd

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Die reine Heuchelei!
orbiter1 10.12.2012
Man darf gespannt sein wann die auf extremen Populismus gepolte CSU eine erneute 180 Grad Wende vollziehen wird und wieder auf Griechenland eindrischt. Kann nicht mehr lange dauern. Der Wahlkampf geht langsam los und eine Mehrheit der Deutschen fragt sich wieso es sinnvoller ist ihre Steuergelder hochgradig korrupten Ländern zu schenken (darauf läuft der Schuldenschnitt in 1 oder 2 Jahren hinaus) anstatt es in diesem Land in den Ausbau von Kitas oder sonst was zu stecken.
2. Geh’, seids so liab...
diathermie 10.12.2012
Zitat von sysopAFPKeine Spur von Kritik: Bei einem Treffen mit Griechenlands Premier Samaras zeigt sich CSU-Parteichef Seehofer von seiner versöhnlichen Seite. Dabei hatte seine Partei noch im Sommer gefordert, Athen aus der Währungsunion zu werfen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/seehofer-mit-respekt-bei-treffen-mit-griechenland-premier-samaras-a-871865.html
...und behaltets eam glei do. Die beiden passen scho so guat zammn'! Gruss aus Athen
3. heute so, morgen anders
joreiba 10.12.2012
Herr Seehofer ist ein Phänomen, eben eine 100%iger Politiker! Was treibt den "Sauhund"?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Finanzkrise in Griechenland
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 3 Kommentare