Krieg in Syrien Seehofer will auf Putin zugehen

"Bayern wird den Kontakt mit Moskau intensivieren": Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer will laut einem Zeitungsbericht mit Wladimir Putin ins Gespräch kommen - unter anderem mit Blick auf den Syrienkrieg.

Horst Seehofer und Wladimir Putin im Jahr 2011 in Moskau: Kontakt intensivieren?
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Horst Seehofer und Wladimir Putin im Jahr 2011 in Moskau: Kontakt intensivieren?


Zur Wirtschaftsförderung war er schon in Russland, nun will Horst Seehofer offenbar auch in der Weltpolitik intensiver mit Wladimir Putin kooperieren: "Bayern wird den Kontakt mit Moskau bald wieder intensivieren", sagte der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef in einem Interview der "Welt am Sonntag".

Eine Lösung des Syrienkrieges ohne Russland "wird es nicht geben", sagte Seehofer. "Wenn die Luftangriffe auf den IS nun vielleicht zwischen den Mächten abgestimmt werden, dann ist das für mich ein erstes Zeichen der Hoffnung."

Russland bombardiert seit Ende September Ziele im Bürgerkriegsland Syrien, offiziell, um die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zu bekämpfen. Bisher schlugen ein Großteil der russischen Bomben aber im Westen des Landes ein - in Gebieten, in denen sich der IS gar nicht befindet. Kritiker vermuten, Russland wolle vielmehr die Armee von Baschar al-Assad gegen die syrischen Rebellen unterstützen.

Einen Einsatz Deutschlands in Syrien schloss Horst Seehofer in dem Zeitungsinterview aber aus. "Eine militärische Option für uns sehe ich jedenfalls nicht", sagte er.

Seehofer plädierte auch dafür, die Türkei stärker in der Flüchtlingskrise zu unterstützen. Die bisher von der EU zugesagten eine Milliarde Euro für Flüchtlingslager in der Türkei, dem Libanon und in Jordanien seien "viel zu wenig". Die Europäische Union müsse wesentlich mehr Geld aufbringen und den Menschen vor Ort helfen. "Das hat sie viel zu lange versäumt." Man müsse sich genau ansehen, was der türkische Staatspräsident Erdogan als Gegenleistung fordere. "Aber ich bin dafür, in dieser Situation realpolitisch zu agieren."

apr

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Josef B 11.10.2015
1. Eine fortdauernde Ausgrenzung...
...Russlands aus der Politik, wie sie von Merkel und Obama betrieben wird, führt nur zu einer immer weiteren Zuspitze der Lage. Deshalb ist Seehofers Initiative nicht nur für einen großen bayerischen Autokonzern wichtig, sondern auch für dir Lösung der geopolitischen Krisen. Aber ums auf den Punkt zu bringen: Ein neuer politischer Affront gegen die Kanzlerin. Die, so sagen es CSU Insider, inzwischen von großen Teilen der CSU Führung für verrückt gehalten wird.
jozu2 11.10.2015
2. Recht hat er!
Putin betreibt Politik im Interresse seines Landes - etwas, das bei uns nicht en voge ist. Aber Putin ist (noch nicht?) soweit, dass man ihm den Krieg erklären müsste. Also ist Kommunikation das Wichtigste und das geht nicht mit einem beleidigten "Putin hält sich nicht an unsere Regeln".
kroganer 11.10.2015
3. Die CSU ist
doch als Koalitionspartner gar nicht mehr tragbar. Offene Anfeindung gegenüber der Kanzlerin, allein Gänge ohne Ende, extra Würstchen wo es nur geht. Was meinen, die denn was mit Bayern passiert, wenn die CDU die Union mal aufkündigt. Das wird aber leider nie passieren,
AllesnureinWitz 11.10.2015
4. Was heißt das jetzt?
"Bayern wird den Kontakt mit Moskau bald wieder intensivieren (...)", "Eine militärische Option für uns sehe ich jedenfalls nicht". Was will Seehofer jetzt eigentlich? Bei Putin antanzen, ihm vorsäuseln wie super die russische Intervention in Syrien ist und dann wieder gehn? Als ob das für den Syrienkonflikt eine Rolle spielt, ob Seehofer mal im Kreml allen in den Allerwertesten kriecht. Wahrscheinlich kommt Seehofer bald mit folgender Milchmädchenrechnung auf uns zu: Wir müssen die Sanktionen gegen Russland wegen seines ausgelebten Imperialismus in der Ukraine fallen lassen, damit aus Syrien nicht mehr so viele Flüchtlinge zu uns kommen. Vielleicht hofft er auch, dass etwas von Russlands neuem religiösen Erzkonservatismus und dem nationalen Chauvinismus auf Bayern abstrahlt.
Francuzzo 11.10.2015
5. Seehofer und Grundgesetz
Horst Seehofer sollte mal gelegentlich im Grundgesetz blättern. Neben anderen interessanten Dingen (Grundrecht auf Asyl..) findet sich dort unter anderem sinngemäß der Satz "Auswärtige Beziehungen sind Sache des Bundes"..
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