Selbstmordanschlag: Taliban greifen Uno-Gebäude in Kabul an

Ein afghanischer Polizist sucht Deckung: Bei Kämpfen sind mehrere Taliban getötet worden Zur Großansicht
AP/dpa

Ein afghanischer Polizist sucht Deckung: Bei Kämpfen sind mehrere Taliban getötet worden

Die Uno ist ins Visier der Taliban in Afghanistans Hauptstadt Kabul geraten: Vier Islamisten sind in ein Gebäude einer Uno-Organisation eingedrungen und lieferten sich ein Feuergefecht mit Polizisten und norwegischen Soldaten.

Kabul - Die radikalislamischen Taliban haben am Freitag ein Gelände der Vereinten Nationen im Zentrum Kabuls angegriffen. Der Polizeichef der Stadt erklärte am Abend, vier Islamisten seien in ein Gebäude eingedrungen. "Unsere Sicherheitskräfte haben bereits zwei von ihnen getötet."

Zwei weitere seien noch im zweiten Stock und lieferten sich Gefechte mit afghanischen Sicherheitskräften. Zu etwaigen weiteren Toten lagen zunächst keine Angaben vor. Augenzeugen zufolge waren norwegische Eliteeinheiten an den Kämpfen beteiligt. Der Chefermittler der Kabuler Polizei, Mohammad Zahir, sagte: "Ich bin sicher, dass wir die Gegend bald unter Kontrolle haben werden."

Insgesamt waren in der afghanischen Hauptstadt vier schwere Explosionen zu hören. Über der Stadt hingen Rauchwolken. Zunächst habe sich ein Attentäter in einem Auto vor einer Behörde des Innenministeriums in die Luft gesprengt, sagte ein Polizeisprecher. Anschließend hätten mindestens vier weitere Angreifer ein angrenzendes Gebäude der Internationalen Organisation für Migration (IOM) gestürmt und das Feuer auf Sicherheitskräfte eröffnet. Zwei Attentäter hätten sich dort in die Luft gesprengt.

Aus Sicherheitskreisen hieß es, vier nepalesische IOM-Wachmänner, zwei westliche Ausländer, zwei einheimische Polizisten und zwei afghanische Zivilisten seien verwundet worden. Nach Krankenhausangaben handelte es sich bei einem der verletzten westlichen Ausländer um einen Italiener. Mindestens zwei weitere Angreifer lieferten sich in der Nacht zu Samstag aus dem IOM-Gebäude heraus noch Schusswechsel mit afghanischen Sicherheitskräften.

Anschlag galt der CIA

Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid sagte, der Angriff mehrerer "Mudschaheddin" habe einer Behörde des Innenministeriums sowie einer Unterkunft von Mitarbeitern des US-Geheimdienstes CIA gegolten. Zunächst sei eine Autobombe gezündet worden. Danach hätten sich Taliban-Kämpfer in einem Gebäude verschanzt und das Feuer eröffnet. Die Gewalt in Afghanistan hat in den vergangenen Wochen deutlich zugenommen. Ende April hatten die Aufständischen den Beginn ihrer Frühjahrsoffensive verkündet. Anfang Mai war zum ersten Mal ein Soldat der Bundeswehr-Eliteeinheit KSK in Afghanistan getötet worden.

In den vergangenen Jahren haben Taliban-Selbstmordkommandos häufiger spektakuläre Angriffe auf Ziele in der afghanischen Hauptstadt verübt. Zuletzt war es im Januar zu einem solchen Angriff in Kabul gekommen. Am Donnerstag vergangener Woche waren beim bislang schwersten Selbstmordanschlag in Kabul seit Jahresbeginn mindestens 16 Menschen getötet worden. Unter den Toten waren sechs Angehörige der Internationalen Schutztruppe Isaf. Die IOM arbeitet eng mit den Vereinten Nationen zusammen.

ade/dpa/Reuters

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Fläche: 652.225 km²

Bevölkerung: 31,412 Mio.

Hauptstadt: Kabul

Staats- und Regierungschef: Hamid Karzai

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