Machtwechsel Senegals Präsident entlässt gesamtes Kabinett

Das senegalesische Staatsoberhaupt Macky Sall hat den Regierungschef und sein ganzes Kabinett abgesetzt - Gründe nannte er nicht. Neue Ministerpräsidentin wird die bisherige Justizministerin Aminata Touré.

Ex-Premierminister des Senegal, Abdoul Mbaye : Entlassen ohne Angabe von Gründen
AFP

Ex-Premierminister des Senegal, Abdoul Mbaye : Entlassen ohne Angabe von Gründen


Dakar - Nur 17 Monate war der Ministerpräsident des Senegal, Abdoul Mbaye, im Amt. Nun musste er seinen Posten räumen. Präsident Macky Sall hat ihn am Sonntag ohne Angabe von Gründen abgesetzt, seine Minister mussten ebenfalls gehen.

Ein Kabinettsmitglied aber wurde befördert. Künftig soll die bisherige Justizministerin Aminata Touré die drängenden sozialen und wirtschaftlichen Probleme des westafrikanischen Landes angehen. Die 50-Jährige, die als zweite Frau in der Geschichte des Senegal die Regierungsspitze übernimmt, führte am Montag Gespräche mit möglichen Kabinettsmitgliedern.

Nach ihrem Wirtschaftsstudium in Frankreich und den USA arbeitete Touré in mehreren Ländern für die Vereinten Nationen. Als Justizministerin ließ sie die Veruntreuung staatlicher Gelder durch Mitglieder der früheren Staatsführung untersuchen. Auch gegen ihren Ex-Mann Oumar Sarr wurde ermittelt.

Zu der bisherigen Regierungsmannschaft hatten auch prominente Senegalesen wie der Sänger Youssou Ndour als Tourismusminister und der Umweltaktivist Haidar El Ali gezählt. Auch Politiker aus Salls Umfeld und einflussreiche Mitglieder seiner Partei waren von der Absetzung betroffen.

Sall hatte im März 2012 die Präsidentschaftswahl gewonnen und damit Staatschef Abdoulaye Wade nach zwölf Jahren im Amt abgelöst. Angesichts der Unzufriedenheit im Land sei Sall gezwungen gewesen, etwas zu ändern, sagte der Politologe Abdoulaye Bamba Diallo der Nachrichtenagentur AFP zu der Absetzung der Regierung. Die regierungsnahe Zeitung "Le Soleil" nannte in einem Leitartikel "Zugang zu Gesundheitsversorgung, gute Bildung, eine anhaltende Kaufkraft" sowie einen guten Lebensstandard und eine gerechte Justiz als dringlichste Wünsche der Senegalesen.

kgp/AFP

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