Inselstreit mit Japan China richtet Flugüberwachungszone über Senkaku ein

Peking setzt auf Konfrontation: Im Ostchinesischen Meer hat das Land eine Flugüberwachungsszone eingerichtet. Betroffen sind auch die Senkaku-Inseln, die von China, Japan und Taiwan beansprucht werden. Jeder Überflug muss nun in Peking angemeldet werden.

Senkaku-Inselgruppe: Streit um Macht und Rohstoffe
REUTERS

Senkaku-Inselgruppe: Streit um Macht und Rohstoffe


Der Streit um die Senkaku-Inseln im Ostchinesischen Meer spitzt sich zu. China hat nun einseitig die Einrichtung einer Flugüberwachungszone in der Region beschlossen. Japan kontrolliert die unbewohnte Inselgruppe, die unter dem Namen Diaoyu auch China für sich beansprucht. Taiwan und Südkorea reklamieren sie ebenfalls für sich.

Der Sprecher des chinesischen Verteidigungsministeriums, Yang Yujun, erklärte: "Das ist eine notwendige Maßnahme Chinas, um sein Recht auf Selbstverteidigung durchzusetzen." Alle Flugzeuge, die die Flugüberwachungszone passieren wollten, müssten die chinesischen Behörden darüber informieren. Wer sich nicht identifiziere, könne Ziel militärischer Maßnahmen werden, hieß es.

China begründete die Einrichtung der Zone auch mit den kurzen Distanzen zur eigenen Küste im bisher überwachten Luftraum. Ein Kampfflugzeug könne Chinas Festland bislang binnen kurzer Zeit erreichen. Deshalb sei es nötig, jedes Flugzeug schon in größerer Entfernung zu identifizieren, um gegebenenfalls Abwehrmaßnahmen einleiten zu können. Die Überwachungszone beschneide die Freiheit der Luftfahrt in der Region nicht, sie könne weiterhin überflogen werden.

Neue Eskalationsstufe in langem Streit

"China spielt ein gefährliches Spiel, sagte Narushige Michishita, Sicherheitsexperte am National Graduate Institute for Policy Studies in Tokio. Die neue Überwachungszone verschärfe den Konflikt, der schon seit Jahren besteht. Es geht dabei nicht allein um die militärische Macht im Ostchinesischen Meer, auch Rohstoffe dürften eine wichtige Rolle spielen. Etwa 16 Billionen Liter Erdöl werden im Ostchinesischen Meer vermutet - das wäre immerhin knapp ein Zehntel der weltweit vermuteten Reserven.

Zuletzt hatte Japan seinen Nachbarn China mit einem neuen Super-Kriegsschiff provoziert. Der Helikopterträger "Izumo" ist 248 Meter lang und 1,2 Milliarden Dollar teuer. Peking reagierte verärgert. "Wir sind besorgt über den ständigen Ausbau der militärischen Ausrüstung Japans", teilte das chinesische Verteidigungsministerium mit. Die Nachbarländer sollten dies "mit hoher Wachsamkeit" beobachten. "Ein alarmierendes Signal der Wiederbewaffnung Japans", nannte ein Kommentar der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua die Vorstellung der "Izumo" im August 2013.

Artikel neun der japanischen Verfassung verbietet den Krieg "als souveränes Recht der Nation". Die konservative Regierung in Tokio strebt jedoch eine Änderung der Verfassung an - und versteigt sich dabei zu Nazi-Vergleichen. Premier Shinzo Abe will die Verteidigungskräfte zur normalen Streitmacht aufwerten. Er ist seit Ende Dezember 2012 im Amt. Seither rüstet er mit Worten und Waffen gegen China auf.

hda

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ambulans 23.11.2013
1. mal abgesehen
vom mehr oder weniger pubertären säbelrasseln, in das sich japan nach seiner rechts-wende gerettet hat (süd-korea ist hier einen eigenes thema - der leidige übermächtige großvater als staatsgründer, wie übrigens auch im norden). das argument der militärischen sicherheit (zu schnell erreichbar) steht sowieso nur zweien der vier zu: der VR china und taiwan. da diese beiden einen bizarren streit ums label - wahres china - führen, ist spannung wohl garantiert. dass sich allerdings die USA (welche interessen?) bereits auf seiten japans und süd-koreas eingemischt haben, lässt nicht allzu viel hoffnung auf frieden und vernunft aufkommen ...
Taixinomee 23.11.2013
2. Pandoras Büchse
Ich habe es schon immer gesagt. Japan hat mit den Kauf der Inseln eine Problematik erzeugt, die nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Man kann jetzt nur noch hoffen, dass die Lage nicht noch mehr eskaliert.
kumi-ori 23.11.2013
3. China macht nur dicke Backen
Ich denke, dass die "Flugüberwachungszone" rechtlich keine Bindung hat. Niemand muss sich irgendwo anmelden, wenn er sich im Luftraum oder in den Gewässern eines anderen Landes aufhält.
MichaelundNilma 23.11.2013
4. Das China nicht den Weg
über den dafür zuständigen Internationalen Gerichtshof geht, spricht nicht gerade für China. Man könnte auch vom wiederholten Machtmißbrauch sprechen. So wie China den Philippinen Inseln wegnimmt oder in nationalen Gewässern der Philippinen gewaltsam Fischerei betreibt, so geht China auch hier mit offensichtlicher Gewalt vor, um Tatsachen zu schaffen. Japan ist aber nicht die Philippinen. Hier droht ein vermeidbarer Konflikt zur internationalen Belastung zu werden. Es ist dringend erforderlich, China daran zu erinnern, das es hier nur Vertrauen verlieren kann und dies sicher nicht zum Vorteil Chinas ausfällt.
bluejuly 23.11.2013
5. Na doll
Japan, China und Taiwan sollten sich endlich mal dazu durchringen die Rohstoffe unter den Inseln gemeinsam auszubeuten (um was anderes geht es eh nicht). Keiner der drei kann die Inseln wirklich für sich beanspruchen, keiner ist an einem Krieg interessiert und keiner profitiert von diesem Wettrüsten. Aber China und Japan sind nun mal alte Feinde und wollen nicht nachgeben. Das wird sich noch eine Weile hinziehen.
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