Festgesetzte OSZE-Beobachter Milizenchef betrachtet Deutsche als "Kriegsgefangene"

Mehrere Militärbeobachter der OSZE in der Ostukraine sind in der Gewalt prorussischer Separatisten, auch vier Deutsche. Separatistenführer Ponomarew bezeichnet sie als "Kriegsgefangene" - sie hätten Munition und verdächtiges Kartenmaterial mitgeführt.

REUTERS

Kiew - Eine prorussische Miliz in Slowjansk hält eine Gruppe von Militärbeobachtern der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) fest. Der Anführer der Separatisten und selbsternannte Bürgermeister der Stadt, Wjatscheslaw Ponomarew, bezeichnete die festgesetzten Mitarbeiter als "Kriegsgefangene", wie die Bild-Zeitung online unter Berufung auf ihren Korrespondenten vor Ort berichtet.

"Sie werden jetzt von unseren Sicherheitsdiensten untersucht, denn sie haben keine Genehmigung für ihre angebliche Beobachtermission", sagte Ponomarew demnach weiter. "Sie hatten Karten dabei, in denen unsere Checkpoints markiert sind, und andere Dinge, die sie verdächtig machen, Spione zu sein." Den Männern gehe es gut, aber er könne nicht sagen, wann sie wieder freikämen, sagte Ponomarew.

Nach seinen Angaben halten die Separatisten insgesamt zwölf Menschen in ihrer Gewalt. Laut Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen sind unter den Festgesetzten auch vier Deutsche. Dabei handle es sich um drei Angehörige der Bundeswehr und einen Dolmetscher, sagte von der Leyen in einer am Freitagabend von ihrem Ministerium übermittelten Audiobotschaft. Derzeit würden noch Informationen gesammelt, zudem sollten "alle diplomatischen Kanäle" genutzt werden, damit das OSZE-Team "unverzüglich und unversehrt" frei komme. Das Auswärtige Amt hat einen Krisenstab gebildet.

Die prorussische Miliz hatte den Bus der OSZE-Militärbeobachter am Freitagvormittag in ihre Gewalt gebracht. Der Gruppe gehören neben den Deutschen jeweils ein Militärbeobachter aus Tschechien, Polen, Schweden und Dänemark an. Ihre Tätigkeit hat nichts mit dem Einsatz der diplomatischen OSZE-Beobachter zu tun, der parallel dazu stattfindet, sondern beruht auf dem Wiener Abkommen von 2011 über militärische Transparenz. Begleitet wird das Team von mehreren ukrainischen Militärs.

Der Vizechef des OSZE-Krisenpräventionszentrums, Claus Neukirch, erläuterte am Freitagabend im ORF, die OSZE sei nicht der Verhandlungspartner für die prorussischen Kräfte, da es sich bei den Festgehaltenen nicht um Mitglieder der eigentlichen OSZE-Beobachtermission handle. Es sei eine bilaterale Mission unter Leitung des Verifikationszentrums der Bundeswehr auf Einladung der ukrainischen Regierung. Daher würden Verhandlungen durch die Bundesrepublik geführt, meinte Neukirch.

"Sie müssen verstehen, hier herrscht Kriegszustand"

Die Aufständischen in der Stadt hatten zunächst erklärt, unter die Gruppe habe sich ein "militärischer Spion" aus Kiew gemischt, der "für den ukrainischen Generalstab" arbeite. Eine Sprecherin fügte laut der Nachrichtenagentur AP später hinzu, die Männer hätten "verdächtige Materialien" bei sich, Separatistenführer Ponomarew sprach zudem von "verbotenen Patronenhülsen und Munition".

Zudem habe die Zusammensetzung der Delegation Misstrauen geweckt, sagte Ponomarew dem russischen Nachrichtensender Russia Today: "Ich habe vorher Vertreter der OSZE getroffen, wir hatten normale, geschäftsmäßige Gespräche." Die andere Gruppe sei jedoch militärischer ausgestattet gewesen, "wie Spezialagenten", fügte der Milizen-Anführer hinzu. "Sie müssen verstehen, hier herrscht Kriegszustand. Wir mussten sie festnehmen und überprüfen."

Slowjansk ist eine Hochburg der Separatisten im Osten des Landes. In den vergangenen Tagen gab es dort immer wieder Zusammenstöße zwischen ukrainischen Sicherheitskräften und prorussischen Aufständischen. Kiew kündigte am Freitag an, die Stadt abzuriegeln, um weitere prorussische Gruppen daran zu hindern, in den Ort zu gelangen.

USA und EU-Staaten kündigen neue Sanktionen an

Die USA und große EU-Staaten beschuldigen Moskau, den Konflikt in der Ukraine anzuheizen. Entgegen der getroffenen Vereinbarungen würde der Kreml nicht deeskalieren. Bei einer Telefonkonferenz berieten US-Präsident Barack Obama, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident François Hollande, der britische Premier David Cameron und Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi daher über weitere Strafmaßnahmen gegen Russland. Gefragt seien jetzt "gezielte Sanktionen".

In Genf hatten sich die Ukraine und Russland mit der EU und den USA darauf geeinigt, alle illegalen Gruppen in der Ukraine zu entwaffnenund besetzte Gebäude zu räumen. Das Abkommen gilt sowohl für die nationalistischen Paramilitärs als auch für die prorussischen Milizen im Osten des Landes. Beide Seiten weigern sich jedoch, dem Abkommen Folge zu leisten.

Krise in der Ukraine: Brennpunkte im Osten des Landes
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Krise in der Ukraine: Brennpunkte im Osten des Landes

usp/kgp/Reuters/dpa/AFP/AP

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LDaniel 25.04.2014
1. Krieg
Aha. Wenn Deutsche dort Kriegsgefangene sind, hat uns dieser Mann wohl den Krieg erklärt - damit steht einer robusten Befreiung durch Deutsche Kräfte ja nichts mehr im Weg
barth1808 26.04.2014
2. Meine erste Reaktion ...
... zu was haben wir das KSK? Werden deutsche Bürger von Terroristen entführt sollte eigentlich entsprechend reagiert werden. Hier - wie auch bei der Entführung eines amerikanischen Journalisten - wurden klare Grenzen überschritten. Nun, vielleicht nicht sehr diplomatisch - scheint aber die einzige Sprache zu sein, die auf russisch-nationalistischer Seite ankommt. Mal eine ganz andere Frage - kann dies ohne Zustimmung des großen Bruders im Kremel passieren?
Profet 26.04.2014
3. Wie weit
soll das noch gehen? Ist da Putin in die Napoleon-Größenwahnfalle getappt? Aber trotz der Eskalation, die nicht nur die Unverletzlichkeit der Grenzen ignoriert, sondern deren Akteure sogar internationale Beobachter als Geisel nehmen, gibt es immer noch eine Reihe von Foristen, die beim Thema „Krise in der Ukraine“ Putin wie einen Messias feiern, wie voran gegangene Foren zeigen. Sie werden isch wohl auch hier wieder melden. Geht´s noch? Ich habe den Verdacht, dass da eine geschickte Propaganda-Maschinerie mit etlichen russlandgesteuerten `Freunden´ am Werk ist – die fleißig Pro-Putin-Kommentare in alle erreichbare Foren abdrückt. Mir kommt es jedenfalls nicht geheuer vor, dass so viele Foristen trotz eindeutiger und gravierender Verletzung internationaler Grundregeln so rückhaltlos Putin feiern. Nun sind Deutsche auf internationaler Mission in Gefangenschaft geraten, `mal sehen, ob die Glorifizierung Putins anhält… Spannend gewiss auch, was Bundesmutti nun unternimmt; ihre Strategie, sowenig wirksame Maßnahmen wie möglich gegen Putins Aggressionen zu ergreifen, um das Großkapital nicht zu stören, dürfte langsam dahin schmelzen. Obwohl man ihre Erfindungsgabe, die Interessen von Wirtschaft und Industrie zu schützen, auch im Falle der milliardenschweren Russlandgeschäfte nicht unterschätzen darf! Oder hat jemand geglaubt, ihre bisherigen Nadelstich-Sanktionen seien der Beweis für ihre Unterstützung der Menschenrechte und des Völkerrechts?...
wolla2 26.04.2014
4. Gsg9
Wie wär's denn, wenn wir auch unsere Leute mal "schützen" würden, wie Russland angeblich seine Staatsbürger und die Jungs da mal rausholen würden. Das ist doch Ukrainisches Staatsgebiet und von den Ukrainern werden wir ja wohl die Einwilligung bekommen ? Aber Mutti 1 und Mutti zwei, die derzeit den Oberbefehl über unsere Streitkräfte haben, sind wahrscheinlich noch damit beschäftigt, die Familienfreundlichkeit herzustellen statt einer gewissen Wehrbereitschaft.
msvanessacheng 26.04.2014
5. Workshop zum Thema Barrikadenbau
Zitat von sysopREUTERSMehrere Militärbeobachter der OSZE in der Ostukraine sind in der Gewalt prorussischer Separatisten, auch vier Deutsche. Separatistenführer Ponomarew bezeichnet sie als "Kriegsgefangene" - sie hätten Munition und verdächtiges Kartenmaterial mitgeführt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/separatisten-in-der-ukraine-halten-osze-militaerbeobachter-fest-a-966266.html
Womit denn genau hat dann ihre Tätigkeit zu tun? Ziele Markieren für den geplanten Raketenangriff? Natürlich nicht! Sie sind nur zum Know-How-Austausch hingereist - Workshop zum Thema "Effizienter Barrikadenbau aus billigen Autoreifen". Könnte doch gut sein für NATO-Pleitestaaten wie Griechenland, Spanien oder Rumänien ...
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