Serbien Mutmaßlicher Kriegsverbrecher Zupljanin gefasst

Er ist einer der vier meist gesuchten mutmaßlichen serbischen Kriegsverbrecher - und jetzt in Haft: Die Polizei hat Stojan Zupljanin gefasst. Er soll an der Vertreibung und Ausrottung muslimischer und kroatischer Gemeinden im Nordwesten Bosniens beteiligt gewesen sein.


Belgrad - Die Polizei und der Geheimdienst griffen in der Nähe von Belgrad zu: Die Sondereinheiten haben einen der vier noch vom Uno-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag gesuchten Serben festgenommen. Nach Justizangaben handelt es sich um Stojan Zupljanin, der früher Polizeichef Nordbosniens war. Er soll an der Vertreibung und Ausrottung muslimischer und kroatischer Gemeinden im Nordwesten Bosniens beteiligt gewesen sein.

Von Polizei und Geheimdienst verhaftet: Der mutmaßliche serbische Kriegsverbrecher Zupljanin
AP

Von Polizei und Geheimdienst verhaftet: Der mutmaßliche serbische Kriegsverbrecher Zupljanin

Zupljanin wurde zunächst zum Kriegsverbrechertribunal in Belgrad gebracht. Nach Angaben einer Sprecherin des Haager Kriegsverbrechertribunals soll er in den nächsten Tagen nach Den Haag überstellt werden. Wann genau das sein werde, sei indes noch unklar und hänge von "zahlreichen Formalitäten" ab. Der Mittfünfziger sei den Angaben zufolge bei seiner Festnahme bewaffnet gewesen, es sei jedoch zu keinerlei Zwischenfällen gekommen.

Zupljanin werden Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnien-Kriegs zwischen 1992 und 1995 vorgeworfen. Das Haager Kriegsverbrechertribunal beschuldigt den ehemaligen Polizeichef in zwölf Fällen unter anderem des Mordes, der Ausrottung und der Verfolgung aus politischen, rassistischen und religiösen Gründen. "Die Kampagne der Verfolgung ging bis hin zum Völkermord" in mehreren bosnischen Gemeinden, heißt es in der Anklageschrift.

Die Bundesregierung zeigte sich "erfreut" und bezeichnete die Festnahme eines der meistgesuchten Kriegsverbrecher zudem als einen "wichtigen und positiven Schritt". Auch EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn begrüßte die Festnahme. "Dies ist ein wichtiger Schritt in Richtung einer vollen Zusammenarbeit mit dem internationalen Kriegsverbrechertribunal", erklärte Rehn in Brüssel vor dem Hintergrund der von Serbien angestrebten EU-Mitgliedschaft. Die EU hatte Ende April ein Stabilisierungs- und Assoziationsabkommen (SAA) mit Serbien unterzeichnet. In Kraft treten soll es aber erst, wenn Belgrad voll mit dem Tribunal in Den Haag zusammenarbeitet.

Die Sprecherin des Uno-Chefanklägers Brammertz, Olga Kavran, erklärte, die Verhaftung Zupljanins zeige, dass auch die restlichen gesuchten Kriegsverbrecher nun "greifbar" seien. "Es besteht die Hoffnung, dass er bald hier in Den Haag sein wird und die anderen drei ihm folgen", sagte sie in Den Haag.

Zupljanin wurde seit seiner Anklage im Jahre 1999 gesucht. Er war Mitarbeiter des ebenfalls als Kriegsverbrecher gesuchten ehemaligen politischen Führers der bosnischen Serben, Radovan Karadzic. Neben Karadzic werden nach Zupljanins Festnahme vom Tribunal in Den Haag noch sein Armeechef Ratko Mladic und Goran Hadzic gesucht, der frühere Präsident der selbst ernannten serbischen Krajina-Republik in Kroatien. Auch ihnen werden Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen.

hen/AFP/dpa



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