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Srebrenica-Resolution: Serbien bittet Queen um Hilfe

Queen Elizabeth II.: Repräsentative Aufgaben Zur Großansicht
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Queen Elizabeth II.: Repräsentative Aufgaben

Tausende Muslime sind beim Massaker von Srebrenica gestorben. Pünktlich zum 20. Jahrestag soll nun eine Uno-Resolution den Völkermord scharf verurteilen. Serbien wehrt sich dagegen - und will nun sogar die Queen einschalten.

Der serbische Staatspräsident Tomislav Nikolic hat die britische Königin Elizabeth II. gebeten, eine Uno-Resolution zum Völkermord in Srebrenica zu stoppen. Großbritannien wirbt für einen Entwurf, der die Anerkennung des Kriegsverbrechens gegen rund 8000 muslimische Bosnier im Juli 1995 als "eine Voraussetzung für die Versöhnung" der ehemaligen Kriegsparteien bezeichnet.

"Mit dieser Resolution wird nur das serbische Volk verurteilt", zitierten serbische Zeitungen in Belgrad übereinstimmend aus dem Brief. Durch diese "große Ungerechtigkeit" würden "alte Wunden wieder aufgerissen".

Nikolic forderte die Queen auf, sich dafür einzusetzen, dass die Resolution zurückgenommen wird. Eigentlich soll der Uno-Sicherheitsrat einen entsprechenden Beschluss in dieser Woche verabschieden. Es liegt jedoch ein Gegenentwurf Russlands vor. Serbien hofft, dass Russland als ständiges Mitglied des Weltsicherheitsrates ein Veto gegen den britischen Entwurf einlegt.

Am 11. Juli jährt sich der Genozid im ostbosnischen Srebrenica zum 20. Mal. Serbisches Militär und Paramilitär ermordeten rund 8000 muslimische Jungen und Männer. Internationale Gerichte stuften die Vorwürfe als Völkermord ein. Das offizielle Serbien bestreitet das und spricht nur von einem schweren Verbrechen. Die Führung des Landes behauptet, auch auf serbischer Seite seien bei den Kämpfen im Bürgerkrieg (1992-1995) um Srebrenica 5000 Menschen "kaltblütig ermordet" worden.

kev/AFP/dpa

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Völkermord im einstigen Jugoslawien
Massaker von Srebrenica
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Das Massaker von Srebrenica, bei dem im Juli 1995 rund 8000 muslimische Jungen und Männer ermordet wurden, wird von internationalen Strafrechtlern als Völkermord eingestuft. Der ehemalige bosnische Serbenführer Radovan Karadzic gilt zusammen mit dem einstigen Militärchef Ratko Mladic als Hauptverantwortlicher für das Massaker.
Was bedeutet Völkermord?
Völkermord ist der Rechtsbegriff für das schlimmste denkbare Verbrechen - Handlungen mit dem Ziel, ein Volk, eine Ethnie oder auch eine Glaubensgemeinschaft zu vernichten.

Der Begriff ist auch unter der Bezeichnung Genozid geläufig. Genozid ist aus dem griechischen genos (Herkunft) und dem lateinischen caedere (töten) zusammengesetzt. Der jüdische Anwalt Raphael Lemkin, der aus Polen in die USA geflüchtet war, prägte das Wort 1944, um eine Grundlage für die Bestrafung der Verbrechen zu legen, die von den Nationalsozialisten begangen wurden.

Völkermord umfasst nach Artikel zwei der Uno-Konvention 260 von 1948 Handlungen gegen Mitglieder einer nationalen, ethnischen, rassischen oder religiösen Gruppe, die in der Absicht begangen werden, die Gruppe ganz oder zum Teil auszulöschen. Mit der Konvention 260 wurde der Völkermord international geächtet.
Die Anklage gegen Karadzic
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Radovan Karadzic ist vor dem Internationalen Tribunal für das ehemalige Jugoslawien wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Das von der Uno eingerichtete Tribunal in Den Haag wirft ihm vor, während des Kriegs in Bosnien zwischen 1992 und 1995 zusammen mit dem bosnisch-serbischen Armeechef Ratko Mladic einen Plan zur "ethnischen Säuberung" bestimmter Gebiete Bosnien-Herzegowinas erarbeitet zu haben.

Zur Verwirklichung ihres Ziels eines großserbischen Staats hätten die bosnisch-serbischen Führer einen Aktionsplan in Gang gesetzt, der mit "Verfolgungen und Terrortaktiken" sowie Vertreibung und Vernichtung verbunden gewesen sei.
Die Anklage gegen Mladic
REUTERS
Der bosnisch-serbische Ex-General Ratko Mladic war hinter Karadzic die Nummer zwei auf der Fahndungsliste des Uno-Tribunals. Wie Karadzic ist auch der ehemalige Militärchef der bosnischen Serben wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Bosnien-Krieg angeklagt.

Seit das Haager Tribunal 1995 seine Anklage veröffentlichte, war Mladic auf der Flucht. Er wurde per internationalem Haftbefehl gesucht - und im Mai 2011 gefasst.
Die Anklage gegen Hadzic
Der ehemalige Präsident der selbsternannten serbischen Republik Krajina in Kroatien ist wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Er soll für den Tod Hunderter kroatischer Zivilisten und die Deportation von Zehntausenden Kroaten durch die serbischen Truppen während des Kroatien-Krieges verantwortlich sein.

Hadzic tauchte unter, kurz nachdem die Anklage gegen ihn im Juli 2004 bekanntgegeben wurde. Sieben Jahre später, am 20. Juli 2011, wurde er gefasst.

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