Massaker von Srebrenica Serbische Regierungszeitung leugnet Völkermord

Rund 8000 Muslime wurden in Srebrenica von serbischen Soldaten ermordet. Doch kurz vor dem Jahrestag des Massakers behauptet Serbiens Regierungszeitung: "In Srebrenica gab es keinen Völkermord".

Schädel eines Opfers von Srebrenica
AP

Schädel eines Opfers von Srebrenica


Die serbische Regierungszeitung "Novosti" bestreitet den Genozid im ostbosnischen Srebrenica. "In Srebrenica gab es keinen Völkermord", heißt es in einem Leitartikel des Chefredakteurs Ratko Dimitrovic, der wenige Tage vor dem 21. Jahrestag des Massakers erschien.

Die Ermordung von 8000 bosnischen Zivilisten im Bürgerkrieg von 1992 bis 1995 sei lediglich "eine Form von Vergeltung" für die vorangegangene Tötung von Serben durch Muslime gewesen, behauptet der Journalist. Die Ermordung serbischer Bewohner in der Region Srebrenica weise mehr Elemente eines Genozids auf als das Massaker in Srebrenica am 11. Juli 1995.

Auch das Urteil des Uno-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag, das Srebrenica wiederholt als Völkermord charakterisiert hatte, ändere nichts an den Tatsachen, heißt es in dem Leitartikel weiter. Das internationale Gericht sei parteiisch und einseitig gegen die Serben eingestellt.

In Srebrenica hatten serbische Soldaten unter den Augen von Uno-Soldaten innerhalb weniger Tage etwa 8000 muslimische Jungen und Männer ermordet und in Massengräbern verscharrt. Die Überreste von 127 Opfern, die im letzten Jahr geborgen worden waren, wurden am Samstag vom Friedhof Visoko vor den Toren von Sarajevo in die Gedenkstätte Potocari bei Srebrenica transportiert. Dort waren bisher 6377 Opfer des Massenmordes beigesetzt worden.

dab/dpa

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