Belgrad - In Serbien wird schon bald ein neuer Präsident gewählt. Staatschef Boris Tadic hat am Mittwoch seinen Rücktritt erklärt und damit den Weg für vorgezogene Neuwahlen frei gemacht. Die Abstimmung soll am 6. Mai stattfinden, am selben Tag werden auch ein neues Parlament sowie die Regional- und Kommunalvertretungen neu gewählt.
Am Donnerstag will der Politiker seinen Rücktritt formell bei der Parlamentspräsidentin einreichen. Die Amtszeit des seit 2004 amtierenden Tadic hätte planmäßig erst Anfang kommenden Jahres geendet. Der Staatschef will sich bei den Neuwahlen wieder zur Kandidatur stellen.
Mit den gleichzeitigen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen will die sozialdemokratische Tadic-Partei DS nach Einschätzung von Beobachtern von der Popularität des Staatsoberhaupts profitieren. Wie schon bei seinen vorherigen Wahlerfolgen 2004 und 2008 dürfte der Nationalist Tomislav Nikolic von der Serbischen Fortschrittspartei aussichtsreichster Herausforderer des Präsidenten werden. In Umfragen für die Parlamentswahl liegt die DS derzeit hinter den Nationalisten. Auch Serbien leidet an einer wachsenden Arbeitslosigkeit infolge der europäischen Finanzkrise.
"Kosovo niemals anerkennen"
Tadic macht sich seit seinem Amtsantritt für eine engere Anbindung Serbiens an die Europäische Union stark. Nach der Verhaftung und Auslieferung des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Ratko Mladic wurde das Land im März offizieller Beitrittskandidat der EU. Streitpunkt mit Brüssel bleibt jedoch der Status Kosovos. Belgrad lehnt die Anerkennung der Unabhängigkeit seiner ehemaligen Provinz weiter kategorisch ab.
Die Neuwahlen erklärte Tadic zu einer Richtungsentscheidung für sein Land: "Ich biete den Weg der europäischen Integration an", sagte er am Mittwoch. Er gehe mit großem Optimismus in die Auseinandersetzung mit den serbischen Nationalisten. "Ich bin sicher, dass Serbien sich der EU weiter annähern wird, aber wir werden Kosovo niemals anerkennen."
syd/AP/AFP/Reuters
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