Serbischer Ex-General Mladic soll sich in Frauenkloster versteckt haben

Zuflucht bei der Heiligen Melanie: Nach seinem Herzinfarkt versteckte sich der mutmaßliche Kriegsverbrecher Ratko Mladic laut einem Zeitungsbericht in einem serbischen Frauenkloster. Sogar ein Grab in der Kirchenkrypta sollen die Nonnen schon für den Ex-General vorgesehen haben.

Ex-General Mladic: Abgeschirmt in einer Klosterzelle
REUTERS

Ex-General Mladic: Abgeschirmt in einer Klosterzelle


Belgrad/Hamburg - Die Nonnen im serbischen Kloster der Heiligen Melanie müssen sich auf unangenehme Fragen gefasst machen: In ihrer Mitte soll sich der mutmaßliche serbische Kriegsverbrecher Ratko Mladic nach einem Herzinfarkt versteckt haben. Anfang Oktober 2006 sei Mladic nach einem Infarkt in das Frauenkloster nahe der nordserbischen Stadt Zrenjanin gebracht worden, berichtete die gewöhnlich gut informierte Zeitung "Blic" am Sonntag in Belgrad. In der Nähe von Zrenjanin war der 69-Jährige auch am Donnerstag entdeckt und verhaftet worden.

Die Schwestern des Klosters hätten den mit dem Tod ringenden Mladic in einer Zelle abgeschirmt und mit ärztlicher Hilfe versorgt, berichtete die größte Zeitung im Land weiter unter Berufung auf Quellen aus dem für das Kloster zuständigen Bistum. Da man mit dem Ableben des Ex-Generals gerechnet habe, sei die Kirchenkrypta als Grab hergerichtet worden. Nach einem Monat habe sich Mladic allerdings weitgehend erholt und sei mit unbekanntem Ziel abgereist.

Der serbische Staatsanwalt für Kriegsverbrechen, Vladimir Vukcevic, will Mladics Festnahme auf spezielle Weise feiern: Er kündigte an, mit der früheren Chefanklägerin des Uno-Tribunals für das ehemalige Jugoslawien, Carla Del Ponte, zwei Flaschen Wein zu öffnen. Die Flaschen Cabernet Sauvignon des Jahrgangs 2005 habe Del Ponte ihm einst geschenkt. Auf einem Etikett sei Mladic zu sehen, auf dem anderen der frühere Serben-Führer Radovan Karadzic. Dieser war bereits vor drei Jahren festgenommen worden, nachdem er sich in Belgrad eine neue Identität als Alternativmediziner aufgebaut hatte.

Nachdem nun auch Mladic festgenommen wurde, wolle er die Flaschen wie vereinbart gemeinsam trinken, sagte Vukcevic. "Es ist nun Zeit, auf unsere Arbeit zu trinken, wir stoßen auf die Gerechtigkeit an." Auf die Frage, ob auch Del Pontes Nachfolger in Den Haag, Serge Brammertz, mitfeiern dürfe, sagte Vukcevic, dieser habe "seine Arbeit gerade erst begonnen".

Mladic sitzt seit seiner Festnahme in einem serbischen Gefängnis. Der 69-Jährige könnte schon am Montag an das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag ausgeliefert werden, wo ein Verfahren unter Leitung des deutschen Richters Christoph Flügge geplant ist. Mladic hat jedoch Berufung gegen diese Entscheidung eingelegt. Sein Verteidiger deutete am Sonntag an, Mladic sei psychisch krank. "Ich kann Ihnen sagen, dass sein Gesundheitszustand viel schlechter ist als gestern. Er ist psychologisch schlechter."

dab/dpa/AFP/dpad/AP

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zack34, 29.05.2011
1. Der soll
sich ja zwischendurch auf dem Mond versteckt haben, anschließend sollen... ihn die serbischen Helfershelfer von dort aus mit einer geheimen Rakete wieder auf die Erde geholt haben, was zuerst nicht so richtig gelungen sein soll... Aber da er ohnehin die ganze Zeit "völlig frei und unbehelligt durch Belgrad herumspaziert" haben soll... so sollte er ... sollen. Irgendwie alles nur noch Banane. Der Mann ist endlich verhaftet und ihm so schnell wie möglich ordentlicher Prozess gemacht werden. Er hat nämlich eine dicke Strafe verdient. Und nicht dass ihm jetzt die Vorladung wichtiger Staatschefs als Zeugen verweigert wird oder auch er jetzt trotz 24Std.-Überwachung und bester ärztlicher Hilfe... plötzlich und nach dem erzwungenen Medikamentenwechsel in seiner Zelle überraschend tot aufgefunden wird.
Anay2 29.05.2011
2. Unangenehme Fragen
Ich zitiere den Spiegel: "Die Nonnen im serbischen Kloster der Heiligen Melanie müssen sich auf unangenehme Fragen gefasst machen". Was wird damit insinuiert? Dass christliches Leben und Nächstenliebe, selbst wenn es sich um Verräter, Verbrecher, Schlächter oder gar Feinde handelt, falsch oder verwerflich etc. ist. Typisch Spiegel. Hätten sich die Nonnen etwa in säkulare Politik einmischen sollen, ihn verraten oder gar sterben lassen sollen? Was würde die Presse schreiben, wenn es eine kleine Dorfklinik gewesen wäre, die ihn behandelt hätte? Würden sie dann die Ärzte und Schwestern (insinuierend) anklagen, nur weil sie ihren Job gemacht hätten, nämlich Menschenleben zu retten, egal wer da im Krankenbett liegt?
rgom 29.05.2011
3. Nächstenliebe
Zitat von Anay2Ich zitiere den Spiegel: "Die Nonnen im serbischen Kloster der Heiligen Melanie müssen sich auf unangenehme Fragen gefasst machen". Was wird damit insinuiert? Dass christliches Leben und Nächstenliebe, selbst wenn es sich um Verräter, Verbrecher, Schlächter oder gar Feinde handelt, falsch oder verwerflich etc. ist. Typisch Spiegel. Hätten sich die Nonnen etwa in säkulare Politik einmischen sollen, ihn verraten oder gar sterben lassen sollen? Was würde die Presse schreiben, wenn es eine kleine Dorfklinik gewesen wäre, die ihn behandelt hätte? Würden sie dann die Ärzte und Schwestern (insinuierend) anklagen, nur weil sie ihren Job gemacht hätten, nämlich Menschenleben zu retten, egal wer da im Krankenbett liegt?
Nächstenliebe hat nichts mit Verrat oder Nicht-Verrat zu tun. Sie können ihn lieben wie ihren Nächsten und trotzdem an die Polizei ausliefern. Sie haben ein etwas schlichtes Bild vom christlichen Glauben.
vhe 29.05.2011
4. ...
Zitat von Anay2Ich zitiere den Spiegel: "Die Nonnen im serbischen Kloster der Heiligen Melanie müssen sich auf unangenehme Fragen gefasst machen". Was wird damit insinuiert? Dass christliches Leben und Nächstenliebe, selbst wenn es sich um Verräter, Verbrecher, Schlächter oder gar Feinde handelt, falsch oder verwerflich etc. ist. Typisch Spiegel. Hätten sich die Nonnen etwa in säkulare Politik einmischen sollen, ihn verraten oder gar sterben lassen sollen? Was würde die Presse schreiben, wenn es eine kleine Dorfklinik gewesen wäre, die ihn behandelt hätte? Würden sie dann die Ärzte und Schwestern (insinuierend) anklagen, nur weil sie ihren Job gemacht hätten, nämlich Menschenleben zu retten, egal wer da im Krankenbett liegt?
Wär ich vor einem Nonnenkloster zusammengebrochen, meinen Sie, die hätten mich als Mann auch wochenlang dringelassen und mir schonmal einen schnuckeligen Platz in der Krypta reserviert? Anstelle mich postwendend ins nächste Krankenhaus zu verfrachten? Sie haben also eindeutig Partei bezogen. Und sich damit sehr wohl eingemischt. Auf der Seite der Kriegsverbrecher. Die Behandlung ist schnurz. Dass sie nicht der Polizei Bescheid gesagt haben, ist das Problem.
Student5 29.05.2011
5. Geschmacklosigkeit.
---Zitat--- Er kündigte an, mit der früheren Chefanklägerin des Uno-Tribunals für das ehemalige Jugoslawien, Carla Del Ponte, zwei Flaschen Wein zu öffnen. Die Flaschen Cabernet Sauvignon des Jahrgangs 2005 habe Del Ponte ihm einst geschenkt. Auf einem Etikett sei Mladic zu sehen, auf dem anderen der frühere Serben-Führer Radovan Karadzic. ---Zitatende--- Auch wenn's schmeckt, so ist das eine Geschmacklosigkeit sondergleichen. Ich zweifle nicht, daß der Angeklagte die Verbrechen begangen hat, die ihm vorgeworfen wurden. Aber die Ankläger begehen eine Obszönität, wenn sie sich derart pubertäre Vergnügungen erlauben. Fehlt nur noch, daß sie zusammen mit dem Richter ihre Weinflaschen trinken. Übrigens, die Nonnen haben völlig richtig gehandelt. Es gehört nicht zu ihen Aufgaben, Verbrecher zu jagen, wohl aber, Sterbende ins Jenseits zu begleiten.
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