Anschlag auf Ex-Spion Skripal Deutschland weist vier russische Diplomaten aus

Als Reaktion auf den Giftangriff gegen den russischen Ex-Spion Skripal weist Deutschland vier russische Diplomaten aus. Es handelt sich um eine abgestimmte Aktion, 13 weitere EU-Staaten und die USA beteiligen sich.

Russische Botschaft in Berlin
FELIPE TRUEBA/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Russische Botschaft in Berlin


Nach Großbritannien weist auch Deutschland russische Diplomaten wegen der Skripal-Affäre aus. Es handelt sich um vier Botschaftsangehörige, wie das Auswärtige Amt mitteilt. Zuerst hatte darüber die "Süddeutsche Zeitung" berichtet.

Die Ausweisung ist eine Strafaktion gegen Russland. Die Briten, Deutschland und weitere EU-Länder geben dem Land die Schuld am Giftanschlag auf den Ex-Spion Sergej Skripal und dessen Tochter Julia.

Die Aktion ist unter den EU-Mitgliedern abgestimmt. Das Auswärtige Amt teilte weiter mit, man habe "in enger Abstimmung" innerhalb der EU und der Nato entschieden, "vier russische Diplomaten aufzufordern, die Bundesrepublik innerhalb von sieben Tagen zu verlassen". Die Aufforderung wurde am Montag der russischen Botschaft übermittelt.

Großbritannien hatte in der Skripal-Affäre am Mittwoch 23 russische Diplomaten und ihre Familien des Landes verwiesen. Laut Premierministerin Theresa May soll es sich um Geheimdienstmitarbeiter gehandelt haben.

USA schließt russisches Konsulat in Seattle

Sergej Skripal und seine Tochter ringen in einem britischen Krankenhaus um ihr Leben. Die britischen Behörden sind überzeugt, dass sie mit einem hoch wirksamen Nervengift in Berührung gekommen waren. Beide waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der britischen Kleinstadt Salisbury gefunden worden.

Frankreich weist ebenfalls vier russische Diplomaten aus, die USA sogar 60 Geheimdienstmitarbeiter. Zudem werde das russische Konsulat in Seattle geschlossen. Außerdem weisen auch Polen und Litauen russische Diplomaten aus.

Die ukrainische Regierung erklärte, auch sie werde sich an den Maßnahmen beteiligen und 13 russische Diplomaten ausweisen. Ebenso äußerte sich Tschechien, das drei russische Diplomaten des Landes verweist. Auch die Niederlande (zwei Diplomaten) und Estland (drei Diplomaten) beteiligen sich an der konzertierten Aktion. Ebenso schicken Kanada vier, Italien zwei und Rumänien einen Diplomaten zurück in die russische Heimat.

Auswärtiges Amt: Auch Hacker-Angriff ist Grund für Ausweisung

Für das Auswärtige Amt erklärte eine Sprecherin, Russland habe es "bislang versäumt, auf die britische Aufforderung, zur Aufklärung des Falls beizutragen, angemessen zu reagieren". Die Ausweisung der vier Diplomaten sei ein "Signal der Solidarität mit Großbritannien" und signalisiere "die Entschlossenheit, Angriffe auf unsere engsten Partner und Alliierten nicht unbeantwortet zu lassen". Außenminister Heiko Maas (SPD) sagte, die Entscheidung sei "nicht leichtfertig" getroffen worden. "Aber die Fakten und Indizien weisen nach Russland."

Zudem sei der deutsche Schritt auch eine Reaktion auf die kürzlich erfolgte Cyber-Operation gegen das geschützte IT-System der Bundesregierung. Auch diese Attacke lasse sich "mit hoher Wahrscheinlichkeit russischen Quellen" zurechnen.

Für die EU erklärte deren Ratspräsident Donald Tusk bislang hätten 14 EU-Mitgliedstaaten entschieden, russische Diplomaten auszuweisen. "Zusätzliche Maßnahmen, darunter weitere Ausweisungen, sind in den kommenden Tagen und Wochen nicht ausgeschlossen."

cht/dop/Reuters/dpa



insgesamt 142 Beiträge
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BoMbY 26.03.2018
1. Lächerlich.
Die Briten haben bisher keinen stichhaltigen Beweis geliefert. Was soll diese unnötige und unwürdige Provokation bringen, außer eine entsprechende Reaktion von russischer Seite zu erzwingen, und den Konflikt nochmals zu verschärfen? Warum wollen wir einen neuen Kalten Krieg?
lilioceris 26.03.2018
2. Manchmal
weiss man nicht mehr, was man sagen soll. Die ganze Regierung ist derart abgehoben. Sprachlos!
Mierz 26.03.2018
3. Immer eine Frage des Standpunktes
Wieviele US-Diplomaten wurden ausgewiesen, als Bush mit selbstgebastelten "Beweisen" einen Angriffskrieg gegen den Irak rechtfertigte? Oder wegen Obamas Drohnenkrieg? Ich bin mit Sicherheit kein Putin-Versteher. Der Mordanschlag auf einen ehemaligen Agenten ist völlig indiskutabel. Lediglich der Umgang damit hängt doch immer sehr vom persönlichen Standpunkt ab.
Fürstengruft 26.03.2018
4. Willkommen im Kalten Krieg
Dann warten wir mal, welche deutschen Diplomaten Russland verlassen müssen.
herbertmf 26.03.2018
5. Dazu fällt mir nur ein Wort ein:
Albern.
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