Giftattacke auf Ex-Agent Deutschland stützt britische Ermittlungsergebnisse im Fall Skripal

Großbritannien macht den Kreml für den Giftanschlag auf den Ex-Doppelagenten Skripal verantwortlich. Russland streitet das ab. Deutschland, Frankreich, die USA und Kanada pflichten den Briten nun bei.

Verdächtige im Fall Skripal
LONDON METROPOLITAN POLICE/EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Verdächtige im Fall Skripal


Deutschland, Frankreich, Kanada und die USA haben sich hinter die jüngsten Erkenntnisse der britischen Ermittler zum Giftanschlag auf den russischen Ex-Agenten Sergej Skripal gestellt. In einer gemeinsamen Erklärung der Staats- und Regierungschefs der vier Staaten sowie Großbritanniens hieß es, sie hätten "volles Vertrauen in die britische Einschätzung", dass die beiden Tatverdächtigen Mitarbeiter des russischen Militärgeheimdienstes waren und "dass diese Operation mit allergrößter Wahrscheinlichkeit auf hoher Regierungsebene gebilligt wurde".

London hatte kurz zuvor dem Kreml die Verantwortung für den Anschlag zugewiesen. Skripal und seine Tochter Julia waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der südenglischen Kleinstadt Salisbury entdeckt worden. Sie waren mit dem Kampfstoff Nowitschok vergiftet worden. Beide entkamen nur knapp dem Tod. Sie leben inzwischen an einem geheimen Ort.

Britische Behörden hatten Fahndungsfotos und Namen von zwei Russen veröffentlicht, die den Giftanschlag auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter Julia in Salisbury verübt haben sollen. Die britische Polizei geht jedoch davon aus, dass es sich dabei nicht um die echten Namen der beiden Männer handelt.

Der britischen Premierministerin Theresa May zufolge sollen sie Mitglieder des russischen Militärgeheimdienstes GRU sein, für den auch Skripal einst tätig war. Sie machte erneut den Kreml für den Anschlag verantwortlich. "Das war keine nicht autorisierte Operation. Sie war so gut wie sicher außerhalb des GRU von höherer Stelle im russischen Staat abgesegnet", sagte die Regierungschefin im Parlament in London. Moskau warf sie "Verschleierung und Lügen" vor.

Die russische Regierung wies die Vorwürfe als "inakzeptabel" zurück. Die russische Führung habe nichts mit dem Fall zu tun. Der Anschlag im März hatte eine internationale diplomatische Krise ausgelöst.

Die jüngste Erklärung könnte die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen weiter belasten. Eine ähnliche Erklärung zu vorläufigen britischen Ermittlungsergebnissen hatte im März zur Ausweisung von russischen Diplomaten aus zahlreichen westlichen Ländern geführt. Russland hatte mit der Ausweisung etwa genauso vieler Botschaftsangehöriger dieser Länder reagiert.

asa/AFP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.