Agentenaffäre Lawrow nennt US-Vorwürfe gegen Russen "Geschwätz"

Die US-Justiz klagt 13 Russen wegen Wahleinmischung an. Politiker in Moskau weisen das zurück - und auch Außenminister Lawrow zeigt sich auf der Münchner Sicherheitskonferenz unbeeindruckt.

Sergej Lawrow
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Sergej Lawrow


US-Sonderermittler Robert Mueller hat im Rahmen seiner Ermittlungen zur Russlandaffäre eine Anklageschrift gegen 13 russische Staatsbürger vorgelegt. Darin zeigt er zum ersten Mal genau auf, wie der Kreml versuchte, die US-Präsidentenwahl zugunsten von Donald Trump zu beeinflussen. Doch in Russland will man davon nichts wissen.

"Solange wir die Fakten nicht haben, ist alles andere Geschwätz", sagte Außenminister Sergej Lawrow am Samstag bei der Münchner Sicherheitskonferenz. (Hier lesen Sie die aktuellen Entwicklungen.) Er habe die Anklageschrift gelesen. Darin werde bestritten, dass es irgendeine Einflussnahme auf die Wahlergebnisse gegeben habe.

Die US-Justiz wirft den angeklagten Russen vor, ein Komplott betrieben zu haben, um Zwietracht im politischen System der USA zu sähen. Die Beschuldigten hätten unter falschen Namen im Internet hetzerische Botschaften verbreitet und seien in die USA gereist, um geheimdienstliche Informationen zu sammeln und politische Proteste zu organisieren. Dabei hätten sie sich als Amerikaner ausgegeben. Die Anklage liefert neue Details, gleicht aber in vielen Punkten den Einschätzungen der US-Geheimdienste von Anfang 2017.

Russischer Politiker spricht von Hollywoodkomödie

Neben Lawrow äußerten sich auch weitere russische Politiker. "Das alles kommt dem Wahnsinn sehr nahe", sagte der Vorsitzende des Außenausschusses des russischen Parlaments, Leonid Sluzki. Das Vorgehen der USA erinnere ihn eher an eine Hollywoodkomödie und sei Teil einer russenfeindlichen Kampagne, sagte er der Agentur Interfax zufolge in Moskau.

Der Außenpolitiker Konstantin Kossatschow betonte, dass die USA sich mit dem Vorgehen nur selbst schadeten. Einzelpersonen könnten nie einen derartigen Einfluss auf das amerikanische System haben, sagte er. "Wenn das alles der Realität entsprechen würde, wären die USA ein Koloss auf tönernen Füßen."

dop/Reuters/dpa



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