Fall Skripal Johnson macht Putin für Nervengiftattacke verantwortlich

Großbritanniens Außenminister Boris Johnson macht Wladimir Putin direkt verantwortlich für die Vergiftung des Ex-Agenten Skripal. Der Kreml reagierte empört: Die Beschuldigung sei "schockierend" und "unverzeihlich".

Boris Johnson
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Großbritannien legt im Streit mit Russland über den Fall Skripal nach: Der britische Außenminister Boris Johnson erklärte, es sei "höchst wahrscheinlich", dass Russlands Präsident Wladimir Putin die Nervengiftattacke auf den ehemaligen Doppelagenten Sergej Skripal angeordnet habe.

Bereits zuvor hatte Premierministerin Theresa May den Kremlchef indirekt für den Anschlag verantwortlich gemacht. "Viele von uns haben mit Hoffnung auf das postsowjetische Russland geblickt", sagte sie. "Wir hatten uns bessere Beziehungen gewünscht, und es ist tragisch, dass Präsident Putin nun diesen Weg gewählt hat."

Der Kreml reagierte auf Johnsons Äußerungen scharf. Dessen Vorwurf sei "schockierend" und "unverzeihlich". Am Freitagmorgen hatte Russlands Außenminister Sergej Lawrow bereits ultimativ angekündigt, dass sein Land britische Diplomaten ausweisen werde. Es handelt sich dabei um eine Reaktion auf die Maßnahmen Londons.

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Die britische Regierung hatte am Mittwoch unter anderem die Ausweisung von 23 russischen Diplomaten angeordnet. (Lesen Sie hier eine Analyse.)

"Russland soll weggehen und die Klappe halten"

Die diplomatische Krise zwischen Russland und Großbritannien spiegelt sich gegenwärtig in einem Krieg der Worte und Zynismus wider. Russland setzt Außenminister Sergej Lawrow zufolge nun auch auf eine Aussage des Opfers, das noch immer in Lebensgefahr schwebt.

Reaktionen auf den Fall Skripal: "Des versuchten Mordes schuldig"

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"Warum fragen wir nicht einfach den Betroffenen selbst, wenn es ihm hoffentlich besser geht?", sagte er. "Wahrscheinlich kann er am ehesten Aufschluss über vieles geben, was an jenem Tag passiert ist, als die Tragödie geschah."

Skripal und seine Tochter Julia waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der südenglischen Stadt Salisbury entdeckt worden.

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Giftattacke auf Sergej Skripal: Das Drama von Salisbury

Moskau hatte zuvor die Rhetorik des britischen Verteidigungsministers Gavin Williamson als rüpelhaft kritisiert. Der hatte am Donnerstag in Großbritannien gesagt: "Russland soll weggehen und die Klappe halten." Der russische Botschafter in London, Alexander Jakowenko, sprach am Freitag von einer "Anti-Russen-Kampagne".

dop/AP/Reuters/dpa



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