Giftanschlag auf Ex-Spion Skripal Auch Deutschland, Frankreich und USA sehen Verantwortung bei Russland

Keine Zweifel mehr: Frankreich, Deutschland und die USA schließen sich im Fall Skripal Großbritannien an - und sehen Russland als verantwortlich für die Giftattacke. Die Länder gaben eine gemeinsame Erklärung ab.

Kreml in Russland
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Kreml in Russland


Die Regierungen in Deutschland, Frankreich und den USA haben sich in einer gemeinsamen Erklärung zum Fall Sergej Skripal geschlossen hinter die britische Regierung gestellt. Die Staaten verdammten in dem Papier den Angriff auf den Ex-Spion, der weiterhin in Lebensgefahr schwebt. Moskau sei dafür verantwortlich, lautet die gemeinsame Schlussfolgerung. Auch Skripals Tochter befindet sich nach der Attacke mit Nervengift noch im kritischen Zustand.

"Wir, die Vertreter von Frankreich, Deutschland, den Vereinigten Staaten und Großbritannien, verdammen die Attacke gegen Sergej und Julia Skripal in Salisbury, Vereinigtes Königreich, am 4. März 2018", heißt es darin. "Es ist das erste Mal seit dem Zweiten Weltkrieg, dass chemische Waffen in Europa eingesetzt werden." Damit werde die Souveränität Großbritanniens angegriffen, "und es ist ein klarer Verstoß gegen internationales Recht". Der Vorfall bedrohe "die Sicherheit von uns allen."

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Der russische Ex-Spion Skripal war im südenglischen Salisbury zusammen mit seiner Tochter bewusstlos aufgefunden worden. Beide Opfer schweben noch in Lebensgefahr.

Nach Angaben der britischen Regierung wurde ein Gift verwendet, das zu Sowjetzeiten entwickelt wurde. Premierministerin Theresa May hatte die russische Regierung ultimativ zur Aufklärung aufgefordert. Die Frist verstrich in der Nacht zu Mittwoch. Die Regierung in Moskau streitet jede Verwicklung in den Fall ab.

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Am Mittwoch hatte die britische Premierministerin Theresa May verkündet, dass 23 russische Beamte das Land binnen einer Woche verlassen sollten. Außerdem wolle sie diplomatische Kontakte zwischen London und Moskau bis auf Weiteres stoppen. Es handle sich um die "größte Ausweisung seit mehr als 30 Jahren", sagte May.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte Russland dringend aufgefordert, zur Aufklärung dieses Verbrechens beizutragen. "Wir nehmen das sehr, sehr ernst", sagte sie im ZDF-"Morgenmagazin".

Sie erinnerte an das Attentat auf den Ex-Agenten Alexander Litwinenko: Russland habe 2006 einen Spion in Großbritannien mit radioaktivem Material getötet. "Russland muss seinen Teil zur Aufklärung beitragen", verlangte sie.

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vks/Reuters



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adal_ 15.03.2018
1. Das System Putin braucht die Konfrontation mit dem Westen
Die Konfrontation mit dem Westen ist schon lange Putins wichtigstes "Standbein" zur Sicherung seiner Macht im Innern. Viel mehr als überhebliches Weltmachtgetue und notorisch beleidigte Wagenburgmentalität hat das mafiöse System Putin den Russen nun mal nicht zu bieten. Der Westen sollte daher beherzigen, was die russische Präsidentschaftsbewerberin Xenija Sobtschak empfiehlt: Strafmaßnahmen, die sich gezielt gegen Freunde von Staatschef Wladimir Putin und korrupte Eliten richten. Auch Konzerne wie die Energieriesen Rosneft oder Gazprom müssten ins Visier genommen werden. „Die Sanktionen, die nur wieder das einfache russische Volk treffen, darf es nicht geben. Diese müssten im Gegenzug zur Verschärfung des Vorgehens gegen die Putin-Eliten gelockert werden“, forderte Sobtschak. (http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/russland-praesidentschafts-kandidatin-sobtschak-will-sanktionen-15495098.html) Wo sie Recht hat, hat sie Recht. Man sollte den russischen Bürgern klipp und klar signalisieren, dass man nicht sie, sondern die korrupte Elite meint.
Valis 15.03.2018
2. Unbegreiflich
Für mich unbegreiflich wie schnell und wie parteiisch hier agiert wird. In Rechtssystemen gilt doch eigentlich bis zur Klärung die Unschuldsvermutung? GB,USA oder Deustschland haben nix an Beweisen und beschuldigungen auf Verdacht und machen so Stimmung gegen ein Land was garantiert nicht so beschränkt ist und bei einem Mord auf fremden Boden seine Visitenkarte hinterlässt. Die russische Anfrage eine Probe von dem Gift zu bekommeb um Ermittlungen anzustellen wurde abgewiesen. Für mich klingt das sehr nach einer Kampagne in der die Aufklärung des Anschlages eher Zweitrangig ist! Ich hoffe sehr das alle sich langsam mal besinnen und aufhören voreilig zu urteilen! Auch Sanktionen sind zum jetzigen Zeitpunkt völlig unverhältnismäßig! Wenn man sich ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzt dann muss man sich schon fragen warum Russland das getan haben soll. Zudem mit einem Gift welches sofort zur russichen Regierung führt. Zu einem Zeitpunkt an dem Russland überhaupt keine negative Presse gebrauchen kann! Für mich unglaubwürdig!
einwerfer 15.03.2018
3. Ich kann nur hoffen,
dass unsere Politiker das nicht zum Anlaß nehmen, um einen Bündnisfall zu konstruieren. So 'beliebt' wie die beteiligten Politiker bei ihrem Volk sind, käme ihnen ein äußerer Feind wohl gelegen.
Caty25 15.03.2018
4. Die Bürger Russlands werden es anders sehen
Und wir sind auch nicht mehr so naiv alles zu glauben,was uns die unkontrolierten Geheimdienste auftischen.
mullertomas989 15.03.2018
5. @2. Valis. Keine Beschuldigungen
Lesen Sie doch einmal die Erklärung im Original durch, dann stellen sie fest dass Russland hier nicht endgültig beschuldigt wird. Sondern es wird festgehalten das (im Moment) kein anderes Szenario als Russlands Verantwortlichkeit plausibel scheint. Da der russische Staat in der Vergangenheit bereits mehrfach Staatsbürger im Ausland liquidiert hat, ist diese Formulierung in Ordnung.
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