Fall Skripal Britische Medienaufseher ermitteln gegen russischen Sender RT

Der russische Sender RT soll im Fall Skripal mehrfach Neutralitätsregeln verletzt haben. Die britische Medienaufsichtsbehörde hat deshalb nun sieben Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Feuerwehrleute nach dem Anschlag in Salisbury
AFP

Feuerwehrleute nach dem Anschlag in Salisbury


Die britische Medienaufsichtsbehörde Office of Communications (Ofcom) hat sieben Ermittlungsverfahren gegen den Sender RT (früher Russia Today) eingeleitet. Die Behörde will prüfen, ob der Sender in Großbritannien geltende Neutralitätsregeln gebrochen hat. Der RT-Produzent TV Novosti könnte seine Ausstrahlungsrechte in Großbritannien verlieren, sollte der Sender eine entsprechende Prüfung nicht bestehen, warnte die Behörde.

Bis vor Kurzem sei der Sender nicht negativ aufgefallen. Seit den Vorkommnissen in Salisbury sei die Zahl der Programme, die Regelbrüche beinhalten könnten, aber signifikant gestiegen, teilte Ofcom mit.

Russlands Außenministerium drohte bereits damit, britische Medien des Landes zu verweisen, falls Großbritannien RT die Sendelizenz entzieht. RT selbst hat alle Vorwürfe zurückgewiesen. Ihre Berichterstattung hätte sich seit den Vorkommnissen in Salisbury nicht verändert, teilte eine Sprecherin des Unternehmens mit.

Im Fall der Nervengiftattacke im südenglischen Salisbury auf den früheren russischen Doppelspion Sergej Skripal und seine Tochter Julija hat Großbritannien derweil seine Anschuldigungen gegen Russland auch vor dem Exekutivrat der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen bekräftigt. "Wir glauben, dass nur Russland die technischen Mittel, Erfahrungen und ein Motiv hat, die Skripals anzugreifen", teilte der britische Botschafter Peter Wilson in Den Haag mit.

Skripal und seine Tochter Julija waren am 4. März bewusstlos aufgefunden worden. OPCW-Experten hatten nach einer Untersuchung von Blutproben von Skripal und seiner Tochter festgestellt, dass ein in der früheren Sowjetunion fabriziertes Nervengift aus der Nowitschok-Gruppe eingesetzt worden war. Der Bericht nennt aber keine möglichen Täter.

Russland weist jede Verantwortung für den Angriff zurück. Die Staatsführung zweifelt die Erkenntnisse der OPCW-Experten an - die Untersuchungsergebnisse sollen manipuliert worden sein. Der Fall führte zu einer schweren diplomatischen Krise zwischen den führenden westlichen Staaten und Russland.

apr/höh/dpa/AFP

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