Vergifteter Ex-Spion Sergej Skripal geht es deutlich besser

Nachdem Julija Skripal verkündete, es gehe ihr jeden Tag besser, gibt es nun auch gute Neuigkeiten von ihrem Vater: Sergej Skripal ist laut seiner Ärzten nicht mehr in kritischem Zustand.

Sergey Skripal (Archivbild)
imago/ Russian Look

Sergey Skripal (Archivbild)


Mehr als einen Monat nach dem folgenschweren Giftanschlag auf den russischen Ex-Spion Sergej Skripal geht es ihm wieder besser. Das berichteten seine Ärzte am Freitag in der südenglischen Kleinstadt Salisbury. "Er spricht gut auf die Behandlung an, seine Gesundheit verbessert sich schnell, und er ist nicht mehr in kritischem Zustand", teilten die Mediziner mit.

Am Donnerstag erst hatte seine Tochter Julija, die ebenfalls vergiftet worden war, mitgeteilt, dass sie sich gesundheitlich auf dem Weg der Besserung befinde. "Ich bin vor einer Woche aufgewacht und bin sehr froh mitteilen zu können, dass ich jeden Tag stärker werde", schrieb sie in einer Erklärung, die die Londoner Polizei veröffentlichte.

Ihr Vater, der für den russischen Militärgeheimdienst GRU arbeitete und dem britischen Auslandsgeheimdienst MI6 Informationen weiterleitete, flog 2004 auf. Er wurde in Russland zu 13 Jahren Lagerhaft verurteilt. Im Rahmen eines Gefangenenaustauschs kam er 2010 nach Großbritannien, wo er seitdem in Salisbury lebte.

Skripal und seine Tochter waren am 4. März dort bewusstlos auf einer Parkbank aufgefunden worden. London bezichtigt Moskau als Drahtzieher des Attentats. (Details zu den Hintergründen finden Sie hier.)

Nach Geheimdienstangaben aus Großbritannien wurden die beiden mit dem Kampfstoff Nowitschok vergiftet. Das Nervengift wurde einst in der früheren Sowjetunion produziert. Die Bundesregierung schließt sich der Einschätzung in London an.

Geheimes Nervengift-Programm in Russland?

Der Fall hatte enorme Spannungen zwischen den Regierungen in London und Moskau ausgelöst. Der russische Uno-Botschafter Wassili Nebensia warf London bei einer Sitzung des Uno-Sicherheitsrats mit Blick auf den Propagandaminister im nationalsozialistischen Deutschland "Goebbels-Methoden" vor. Der britische Botschafter in Deutschland, Sebastian Wood, hielt Moskau wiederum im Deutschlandfunk vor, mit Nowitschok-Nervengiften experimentiert zu haben.

Es sei bekannt, dass der Typ des Nervengiftes ursprünglich in Russland entwickelt worden sei, sagte Botschafter Wood dem Deutschlandfunk am Freitag. Der britische Nachrichtendienst habe Belege dafür, dass der Kreml ein geheimes Programm des Nowitschok-Nervengiftes beibehalten habe. Russland habe sogar Experimente durchgeführt, wie kleine Mengen verabreicht werden könnten, um Menschen zu töten, sagte der Botschafter weiter.

Moskau wies unterdessen einen Medienbericht zurück, wonach das beim Anschlag verwendete Nervengift aus einer Forschungseinrichtung in Zentralrussland stammen soll. "Dieses Labor war nie Teil unserer Arbeit", erklärte ein Kremlvertreter. Die britische Zeitung "The Times" hatte unter Verweis auf Sicherheitskreise berichtet, dass das Nervengift aus der Nowitschok-Reihe in der Ortschaft Schichani hergestellt worden sei.

vks/dpa/AFP

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.