Fall Skripal London lässt Tausende Soldaten gegen Milzbrand impfen

Großbritannien will seine Soldaten gegen mögliche Angriffe mit Biowaffen schützen. Tausende von ihnen wurden nun gegen Anthrax geimpft. Außerdem soll ein Zentrum zur Abwehr von Chemiewaffen entstehen.

Forschungsgelände in Porton Down
REUTERS

Forschungsgelände in Porton Down


In Folge des Falls um den vergifteten russischen Ex-Spion Sergej Skripal lässt Großbritannien Tausende Soldaten gegen Milzbrand, auch Anthrax genannt, impfen. Die Erreger dieser Infektionskrankheit gelten als potenzielle Biowaffen.

Am 4. März waren Skripal und dessen Tochter in Salisbury, südwestlich von London, bewusstlos aufgefunden worden. Wissenschaftler fanden anschließend nach britischen Angaben heraus, dass es sich in dem Fall um einen Angriff mit dem Nervengift Nowitschok handelte. Dieses wurde in der früheren Sowjetunion entwickelt. Die Untersuchung des Kampfstoffs erfolgte im britischen Forschungslabor Porton Down, wenige Kilometer von Salisbury entfernt.

In Porton Down soll nun auch ein hochmodernes Zentrum zur Abwehr von Chemiewaffen errichtet werden. Das hat das britische Verteidigungsministerium angekündigt. Für den Aufbau werden 48 Millionen Pfund (etwa 54 Millionen Euro) bereitgestellt. Was in dem Zentrum genau passieren wird und wie die Verteidigung gegen Chemiewaffen aussehen soll, ist noch nicht klar.

"Wenn wir an der Bedrohung für unsere Bevölkerung durch Russland zweifeln, dann müssen wir nur auf das schockierende Beispiel der rücksichtslosen Attacke in Salisbury schauen", sagte Verteidigungsminister Gavin Williamson einem Redetext zufolge.

Aufgrund des verwendeten Gifts vermutet die britische Regierung Moskau hinter dem Anschlag. Russland weist jegliche Vorwürfe zurück. Der Fall Skripal sorgt derzeit für große Spannungen zwischen Großbritannien und Russland. Am Mittwoch hatte London als Strafmaßnahme russische Diplomaten ausgewiesen. Moskau reagierte schnell: Außenminister Sergej Lawrow kündigte laut der Nachrichtenagentur Ria an, seinerseits britische Diplomaten auszuweisen.

aev/dpa/Reuters

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