Vergifteter Spion Regierung schickt Militärexperten nach London

Die britische Regierung setzt im Fall des vergifteten Ex-Spions Skripal auf Militärhilfe: Dutzende Chemie-Experten werden für Ermittlungen in die Hauptstadt geschickt.

Britische Innenministerin Amber Rudd
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Britische Innenministerin Amber Rudd


Mit einem Nervengas wurden der russische Ex-Agent Sergej Skripal und seine Tochter Julia vergiftet: Sie liegen seit Tagen bewusstlos im Krankenhaus. Wer hinter dem Angriff steckt und mit welcher Substanz sie genau attackiert wurden, ist unklar.

Nun erhalten die Ermittler offenbar Verstärkung: Chemie-Experten aus den Reihen der Armee sollen laut Agenturberichten vor Ort helfen - und werden in die Hauptstadt geschickt. Laut Nachrichtenagentur Reuters handelt es sich um 100 Militärangehörige. Das teilten demnach Polizei und Verteidigungsministerium mit.

Wie Scotland Yard erklärte, soll das Militär mehrere Fahrzeuge und andere Gegenstände von dort entfernen. Das Militär habe die Expertise und Ausrüstung, um mit Unvorhersehbarkeiten umzugehen, hieß es in der Mitteilung. Von einer Gesundheitsgefahr für die Öffentlichkeit werde aber weiterhin nicht ausgegangen.

Der 66-jährige Skripal und seine 33-jährige Tochter waren am Sonntag mit Vergiftungserscheinungen in der südenglischen Kleinstadt Salisbury bewusstlos aufgefunden worden. Später erklärte die Polizei, es werde nun wegen versuchten Mordes ermittelt. Über die mutmaßlichen Täter und wie das Gift verabreicht wurde, ist bisher nichts bekannt.

Nach Angaben der britischen Polizei nahmen insgesamt "etwa 21 Menschen" im Zusammenhang mit dem Fall medizinische Hilfe in Anspruch, darunter seien Skripal, seine Tochter und der Polizist.

Polizei untersucht Haus des Ex-Agenten

Medienberichten zufolge nahmen Ermittler am Freitag das Haus Skripals im südenglischen Salisbury in den Fokus. Es wird spekuliert, das dies ein Hinweis darauf sein könnte, dass er bereits in seinem Haus in Kontakt mit dem Nervengift gekommen sein könnte.

Bislang hatten sich die Ermittlungen auf mehrere Lokale und einen Park im Stadtzentrum konzentriert.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow wies unterdessen Spekulationen, Moskau habe eine Rolle in dem Fall, als "Propaganda" zurück. Es gebe bislang keine Beweise oder Fakten, sagte Lawrow am Freitag in Äthiopien. Die Spekulationen zielten darauf ab, "Spannungen zu erhöhen".

mho/Reuters/AP/dpa



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