Vorwürfe im Fall Skripal Russland fordert Sitzung des Uno-Sicherheitsrats

Russland will den Streit mit Großbritannien über die Vergiftung des Ex-Agenten Sergej Skripal im Uno-Sicherheitsrat thematisieren. Wegen der britischen Vorwürfe hat Moskau eine Sondersitzung beantragt.

Wassili Nebensja
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Wassili Nebensja


Russland will wegen der Affäre um den vergifteten Ex-Agenten Sergej Skripal eine Sondersitzung des Uno-Sicherheitsrates einberufen. Das Gremium solle sich bereits am Donnerstagnachmittag mit den Vorwürfen Großbritanniens befassen, dass die Regierung in Moskau hinter dem Anschlag stecke, sagte der russische Uno-Botschafter Wassili Nebensja in New York.

Grundlage sei ein Schreiben vom 13. März von Premierministerin Theresa May an den Sicherheitsrat. Darin heißt es, Russland sei "sehr wahrscheinlich" für den Giftanschlag verantwortlich. Bei der Sitzung könnte es erneut zu einer direkten Auseinandersetzung beider Länder kommen.

Russland weist Vorwürfe immer entschiedener zurück

Am Mittwoch waren Vertreter Großbritanniens und Russlands bereits in einer Sitzung der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) in Den Haag aneinandergeraten. Großbritannien lehnte eine gemeinsame Untersuchung mit Russland ab - und unterstellte ein Ablenkungsmanöver.

Russland weist derweil jede Verantwortung für den Anschlag im südenglischen Salisbury immer entschiedener von sich. Der Spionagechef des Landes sprach von einer von "US- und britischen Geheimdiensten ausgeheckten Provokation". Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow forderte eine Entschuldigung Großbritanniens.

Die 15 Mitglieder des Sicherheitsrates waren bereits am 14. März zusammengekommen, um über den Fall zu beraten. Damals hatte Großbritannien demonstrativ Rückhalt von den USA erhalten. Die Uno-Botschafterin der Vereinigten Staaten, Nikki Haley, rief das Uno-Gremium auf, "umgehend konkrete Maßnahmen" zu ergreifen. Nebensja sprach von einer "hysterischen Atmosphäre" und wies bereits damals jede Verwicklung seines Landes zurück.

CDU-Vize Laschet zweifelt am Vorgehen des Westens

Skripal und seine Tochter Julija waren am 4. März in Salisbury vergiftet worden. Der 66-Jährige befindet sich in einem kritischen Zustand, seiner 33 Jahre alten Tochter geht es besser. Die britische Regierung macht Russland für den Anschlag mit einem Nervengift aus der sowjetischen Nowitschok-Serie verantwortlich.

Ein britisches Labor, das den Fall untersucht, konnte bislang aber keine präzisen Hinweise dafür liefern, dass das Gift aus Russland gekommen sei. Russland hatte dagegen bereits zuvor über eine Mitschuld Großbritanniens an dem Giftanschlag spekuliert.

Weil die russischen Behörden auf eine Reihe von Fragen nicht reagierten, haben Großbritannien, die USA, Deutschland und weitere westliche Staaten zahlreiche russische Diplomaten ausgewiesen, worauf Moskau wiederum mit der Ausweisung westlicher Diplomaten reagierte.

Inzwischen äußerte jedoch ein prominenter CDU-Politiker Zweifel am Vorgehen des Westens. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet schrieb: "Wenn man fast alle Nato-Staaten zur Solidarität zwingt, sollte man dann nicht sichere Belege haben?" Die Bundesregierung dagegen hält offiziell weiter zu Großbritannien. Man teile die britische Ansicht, dass wahrscheinlich Russland hinter der Vergiftung stecke, sagte Vize-Regierungssprecherin Ulrike Demmer.

apr/Reuters/dpa

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tempus fugit 04.04.2018
1. Heia,...
...wird noch lustig!
KaroXXL 04.04.2018
2. Richtig so
Es ist wirklich ein absolutes Unding was da passiert ist. Das ist selbst für diese wirren Zeiten extrem geschmacklos und vernichtet jeglichen Glauben an (angeblich) unabhänge Institutionen und den Rechtsstaat dem wir uns ja hier so rühmen. Hier wurden alle Konventionen gebrochen, das Recht ignoriert. Menschlich und charakterlich ist das auch tiefstes Niveau.
trex#1 04.04.2018
3.
Wenn jemand seinen Nachbarn beschuldigt, ein Kinderschänder zu sein und seine Oma umgebracht zu haben, dafür aber nicht den geringsten Beweis vorlegt, sondern nur sagt, dass der Nachbar seine Unschuld beweisen soll, würde er strafrechtlich und zivilrechtlich so vor Gericht abgewatscht werden, dass ihm Hören und Sehen vergeht. Aber im internationalen Recht gelten solche Grundlagen des Rechtsstaates wohl nicht.
mr.zoui 04.04.2018
4.
Nach einem Monat, in dem bereits beschuldigt, gerichtet und bestraft wurde, wird es nun also konkret. Es ist schön, wenn sich endlich an völkerrechtliche Regularien gehalten wird, aber der bisherige Ablauf lassen Großbritannien, Auftraggeber und Lakaien, ziemlich armselig aussehen. Wenn sich jetzt sogar ein CDU-Grande kritisch äußert, dürfte der allgemeine Schwenk bald folgen. Es sieht so aus, als hätten die Regierenden, so wie die Sockenpuppen des Forums, aufs falsche Pferd gesetzt.
willibaldus 04.04.2018
5.
Vertrauen kann man nicht gerichtlich einklagen. Wenn so viele Staaten dem Kreml nicht vertrauen aber alles zutrauen, dann sollte der Kreml sich vielleicht mal fragen, woran das wohl liegen könnte.
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