Fall Skripal Russland will Vorschlag machen, um Ermittlungen voranzubringen

Russland wittert im Fall des vergifteten Ex-Spions Sergej Skripal eine Verschwörung des Westens. Nun will das Land aktiv an der Aufklärung des Falls mitwirken und kündigt entsprechende Schritte an.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow
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Russlands Außenminister Sergej Lawrow


Im Fall des vergifteten Ex-Agenten Sergej Skripal will Russland bei der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) einen Vorschlag für die weiteren Ermittlungen machen. Dieser solle bei einer Sondersitzung der Organisation am Mittwoch vorgestellt werden, sagte der russische OPCW-Vertreter, Alexander Schulgin. "Das wird ein einfacher, klarer Vorschlag, der dazu bestimmt ist, zu den Untersuchungen des Vorfalls in Salisbury beizutragen", sagte er.

Russland hat die Sondersitzung des Exekutivrates der OPCW beantragt, um über den Fall Skripal zu beraten. Außenminister Sergej Lawrow sagte, dabei sollten sämtliche Fakten geklärt werden, die zur Wahrheitsfindung beitragen. Die Sitzung findet Berichten zufolge unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Die OPCW mit Sitz im niederländischen Den Haag ist verantwortlich für die Umsetzung der Chemiewaffenkonvention aus dem Jahre 1997. Sie ist eine unabhängige internationale Organisation, arbeitet aber eng mit den Vereinten Nationen zusammen.

Liste mit 13 Fragen

Der frühere Doppelagent Skripal war am 4. März zusammen mit seiner Tochter Julia im südenglischen Salisbury bewusstlos auf einer Parkbank gefunden worden. Großbritannien geht davon aus, dass beide mit dem in der früheren Sowjetunion entwickelten Kampfstoff Nowitschok vergiftet wurden und verdächtigt daher Russland, an dem Vorfall beteiligt gewesen zu sein. Moskau bestreitet dies vehement.

An die OPCW richtete Russland eine Liste mit 13 Fragen. Unter anderem will Moskau wissen, welche Informationen London weitergegeben hat und welche Experten an der Ermittlung beteiligt sind.

Vor der Sondersitzung des Chemiewaffengremiums am Mittwoch dämpfte der OPCW-Gesandte Schulgin aber die Erwartungen. Die OPCW werde nicht die Verantwortlichen benennen. Das sei nicht ihre Aufgabe. "Niemand erwartet, dass die Experten auf irgendwen mit dem Finger zeigen", sagte der Diplomat. Auch klare Ergebnisse werde es kaum geben. Die Analyse von Proben könne Wochen dauern. "Wir gehen davon aus, dass bis zur Sondersitzung nichts bereit sein wird", sagte er.

Russland hat im Zusammenhang mit dem Giftanschlag auf Skripal den Briten sowie den USA jeden Anstand abgesprochen. In Zeiten des Kalten Krieges habe es wenigstens einige Regeln gegeben, sagte Außenminister Sergej Lawrow am Montag in Moskau. Jetzt aber hätten die USA und Großbritannien allen Anstand fahren lassen und machten "Kinderspielchen". Lawrow stellte in den Raum, dass der Anschlag auch durchaus im Interesse von Großbritannien selbst gewesen sein könnte. Eine Begründung dafür lieferte er nicht.

Im Video: Todesgrüße aus Russland - Das Nervengift Nowitschok

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hej/dpa



insgesamt 37 Beiträge
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tommix68 02.04.2018
1. Ja klar...
Russland will wissen worauf sich Großbritanniens Ermittlungen stützen... mit anderen Worten: Sie wollen Geheimdiensterkentisse? Klar doch, Lawrow...
andreas.f 02.04.2018
2. Lügen...
...ist deutlich schwerer, wenn man nicht weiß welche Beweise vorliegen. Die Engländer machen es genau richtig. Die Nebelkerzen-Strategie des Kreml geht endlich einmal nicht auf.
hugahuga 02.04.2018
3.
Nichts weiß man - und wenn man etwas wissen wird, dann ist es fraglich, ob man es sagen wird. Der Unschuldige hat mit Sicherheit ein Interesse alles völlig aufzuklären - der Schuldige eher nicht. Es könnte noch dunkler über GB und May werden.
Atheist_Crusader 02.04.2018
4.
Russische Aufklärungshilfe kann man sich gepflegt sparen. Wenn es um Dinge geht die man persönlich verbockt haben könnten, dann ist Moskau nämlich leider faktenresistenter als eine Klimakonferenz der US-Republikaner. Der Abschuss von Malaysia Airlines Flug 17 im Jahr 2010 über der Ostukraine geht ja laut Kreml immer noch auf das Konto der Ukrainer - obwohl sämtliche Untersuchungsstellen die pro-russischen Rebellen als wahrscheinlichste Täter benennen. Und das nachdem Russland versucht hatte den Bericht nach Kräften zu verdrehen, zu verfälschen und so vaage wie möglich umzuformulieren. Aber wen juckt das schon? Was Putin sagt, das gilt. Nicht nur in Russland, sondern auch bei seinen vielen Fans im SpOn-Forum, die die Amerikaner als das pure Böse sehen und damit in einem geistigen Kurzschluss ihn als deren Gegner zum Guten erklären.
leo.dom 02.04.2018
5. Gut, dass Russland
nun aktiv an den Ermittlungen teilnehmen will, nachdem immer merkwürdigere Vermutungen zu Tage treten. Vor wenigen Stunden kam die Meldung, das die Skripals auch mit Buchweizen vergiftet sein konnten https://www.stern.de/politik/ausland/sergej-skripal--wurde-er-mit-buchweizen-vergiftet--7924086.html . Die britische Polizei hat entweder noch keine Spur oder zu viele... Nur die Politik weiß offenbar schon, wie und warum es diesen Anschlag gegeben hat.
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