Verdächtige im Fall Skripal Wir waren nur Touristen

London macht zwei Russen für den Anschlag auf Ex-Agent Skripal in Salisbury verantwortlich. Im russischen Staatsfernsehen kamen die beiden jetzt zu Wort - sie behaupten, nur als Touristen eingereist zu sein.

Das Standbild einer Überwachungskamera zeigt die beiden Verdächtigen im Fall Skripal in Salisbury
DPA

Das Standbild einer Überwachungskamera zeigt die beiden Verdächtigen im Fall Skripal in Salisbury


Das russische Staatsfernsehen hat zwei Männer mit den Namen Alexander Petrow und Ruslan Boschirow im Falle des Giftanschlags von Salisbury interviewt. Die beiden geben an, nichts mit der Vergiftung des Doppelagenten Skripal zu tun zu haben und erklären ihren Aufenthalt in Salisbury.

Petrow und Boschirow sagten, sie seien in der südenglischen Stadt gewesen, um weiter zum berühmten Stonehenge zu fahren. Wo Skripals Haus sei, wüssten sie gar nicht. Sie hätten außerdem die Kathedrale besichtigen wollen: "Unsere Freunde hatten uns schon lange gedrängt, dass wir diese tolle Stadt besichtigen sollten", sagte einer der Männer im Interview.

Die beiden geben an, keine Agenten zu sein

In der vergangenen Woche hatte die britische Polizei einen Fahndungsaufruf nach den beiden Verdächtigen veröffentlicht. Laut Ermittlungen reisten die Männer zwei Tage vor dem Anschlag nach Großbritannien ein und flogen wenige Stunden nach dem Anschlag zurück nach Moskau. Die beiden nun vom russischen Staatsfernsehen präsentierten Männer ähneln jenen, die die englischen Behörden auf Videobildern zeigten.

Die britische Premierministerin Theresa May sagte, sie gehe davon aus, dass es sich bei den Verdächtigen um russische Agenten des Geheimdienstes GRU handele. Das verneinten die beiden im Interview. Zuvor hatte bereits der russische Präsident Wladimir Putin erklärt, bei den Männern handele es sich um Zivilisten.

Skripal und seine Tochter Julia waren im März in Salisbury mit dem Nervengift Nowitschok vergiftet worden und fast gestorben. Vier Monate später wurde im benachbarten Amesbury ein Pärchen vergiftet, die Frau starb, der Mann überlebte.

Die britische Regierung geht davon aus, dass Russland für den Anschlag verantwortlich ist und wird von ihren wichtigsten westlichen Verbündeten in dieser Haltung unterstützt. Moskau weist jegliche Verantwortung für den Anschlag zurück. Der Fall führte zu einer schweren Krise zwischen Russland und dem Westen, beide Seiten ordneten die Ausweisung Dutzender Diplomaten an.

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heb/höh/dpa

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