Russlands Spionagechef Skripal-Vergiftung eine von "US- und britischen Geheimdiensten ausgeheckte Provokation"

Der russische Auslandsgeheimdienst attestiert den USA und ihren Alliierten eine Russland-Phobie: Der Westen sei dabei, einen neuen Eisernen Vorhang zu errichten - und habe den Ex-Agenten Skripal selbst vergiftet.


Russlands Auslandsgeheimdienst SWR hat im Fall des vergifteten Ex-Spions Sergej Skripal westlichen Geheimdiensten die Schuld gegeben. Außerdem gebe es eine übertriebene Furcht vor russischen Angriffen im Westen.

Der Skripal-Fall sei eine "groteske von US-amerikanischen und britischen Geheimdiensten ausgeheckte Provokation", in deren Folge einige europäische Regierungen London und Washington "blind folgen", sagte SWR-Chef Sergej Naryschkin.

Der Westen riskiere mit seinem Vorgehen eine Rückkehr in den Kalten Krieg. "Aus Furcht vor Veränderungen ist der Westen bereit, um sich herum einen neuen Eisernen Vorhang zu errichten", sagte Naryschkin. Eine russische Bedrohung sei eine fixe Idee von Washington geworden. Russland hatte bereits zuvor über eine Mitschuld Großbritanniens an dem Giftanschlag spekuliert.

Großbritannien wirft Russland vor, für den Mordanschlag auf Skripal und dessen Tochter Julija verantwortlich zu sein. Die beiden waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank im britischen Salisbury gefunden. Am Griff der Wohnungstür Skripals war ein hochpotentes Nervengift gefunden worden. Ein chemisches Labor identifizierte das Gift zwar als in einem staatlichen Labor hergestellt, konnte die Herstellung in Russland aber nicht nachweisen.

"Rückkehr der düsteren Zeiten des Kalten Krieges"

Russlands Präsident Wladimir Putin sagte dazu am Dienstag, das Gift könne in "etwa 20 Ländern" hergestellt worden sein, und verlangte eine Entschuldigung. Die britische Regierungschefin Theresa May hatte schon Mitte März Russland die Schuld gegeben. Das Land habe ein Motiv, die Fähigkeit und die Absicht gehabt, den abtrünnigen Spion, der seit Langem im britischen Exil lebte, mit dem in Russland entwickelten Nervengift "Nowitschok" umzubringen.

Die Bundesregierung schließt sich dieser Haltung weiterhin an. "Daran hat sich nichts geändert", sagte Vize-Regierungssprecherin Ulrike Demmer. Man teile die britische Ansicht, dass wahrscheinlich Russland hinter der Vergiftung stecke. Mehr als 20 Nato- und EU-Staaten, darunter auch Deutschland, hatten unter anderem wegen des Skripal-Anschlags in einer gemeinsamen Aktion weit mehr als 100 russische Diplomaten ausgewiesen.

Geheimdienstchef Naryschkin erklärte nun, die Furcht vor Russland und die Reaktionen hätten "so einen Umfang und lächerliche Züge angenommen, dass man zu einem gewissen Maß von einer Rückkehr der düsteren Zeiten des Kalten Krieges sprechen kann". Für das Vorgehen gebe es aber keine objektiven Gründe. "Eigentlich haben wir die ideologische Konfrontation zwischen Ost und West überwunden."

cht/apr/dpa/Reuters/AP

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