Fall Skripal Zweiter Verdächtiger wurde offenbar von Putin ausgezeichnet

Der zweite Verdächtige im Fall des Giftanschlags auf Ex-Doppelagent Sergej Skripal hat offenbar einen Ehrentitel von Wladimir Putin erhalten. Das berichtet die Recherchegruppe "Bellingcat".

DPA/ AP/ Metropolitan Police

Auch der zweite Verdächtige im Fall des Giftanschlags auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal hat nach Angaben von Investigativ-Journalisten eine Auszeichnung von Russlands Präsident Wladimir Putin erhalten.

Wie das in Großbritannien ansässige Recherchenetzwerk "Bellingcat" mitteilte, wurde der Mann bereits 2014 von Putin als "Held Russland" geehrt - es ist die höchste Auszeichnung des Landes, die in der Regel von Putin selbst verliehen wird.

Am Montag hatte "Bellingcat" den Verdächtigen als den Militärarzt Alexander Jewgeniewitsch Mischkin identifiziert, der demnach unter dem Decknamen Alexander Petrow für den russischen Militärgeheimdienst GRU arbeitet.

Eine Quelle aus dem Heimatdorf des Verdächtigen soll den Reportern erzählt haben, dass dessen Großmutter ein Bild besitze, auf dem Mischkin von Putin persönlich eine Medaille entgegennimmt, die zu der "Held Russlands"-Auszeichnung gehört. Demnach ist auf dem Foto zu sehen, wie Mischkin die Hand des Präsidenten schüttelt. Einen eigenen Kontakt haben die Reporter zur Großmutter des Verdächtigen aber nicht aufbauen können.

Sergej und Julija Skripal waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der südenglischen Kleinstadt Salisbury entdeckt worden. Sie mussten wochenlang intensiv behandelt werden und entkamen nur knapp dem Tod. London macht den Kreml für das Attentat verantwortlich. Moskau bestreitet die Vorwürfe. Der Fall löste eine schwere diplomatische Krise aus.

Mischkins mutmaßlichen Komplizen hatte "Bellingcat" bereits Ende September als den GRU-Agenten Anatoli Tschepiga identifiziert. Er gab sich gegenüber den Briten als "Ruslan Boschirow" aus. Der 39-Jährige ist laut den Recherchen nicht nur ein einfacher Agent des GRU, sondern ein hoher Offizier - er soll ebenfalls den Ehrentitel "Held Russlands" tragen (mehr zu den beiden Personen lesen Sie hier).

mho/heb/AFP



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