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18. Februar 2013, 23:16 Uhr

Sersch Sarkissjan

Armenischer Präsident offenbar wiedergewählt

Der armenische Präsident bleibt wohl im Amt: Laut Hochrechnungen erhielt er 58 Prozent der Stimmen. Wahlbeobachter kritisieren, die Opposition habe keinen ernstzunehmenden Kandidaten aufgestellt. Der Polizei wurden 70 Fälle von Wahlfälschung gemeldet.

Eriwan - Der armenische Präsident Sersch Sarkissjan ist ersten Ergebnissen zufolge wiedergewählt worden. Einer Hochrechnung des armenischen Fernsehens zufolge kann Sarkissjan mit 58 Prozent der Stimmen rechnen. Auf seinen schärfsten Konkurrenten Raffi Howannisian entfallen demnach 32 Prozent.

Die Wahlbeteiligung habe bei 60 Prozent gelegen. Endgültige Ergebnisse werden am späten Dienstag erwartet. Nach Auszählung von 82 der insgesamt 1988 Wahllokale kam Sarkissjan auf 68 Prozent der Stimmen, wie aus Daten des zentralen Wahlkomitees am Montagabend hervorging.

Allgemein war damit gerechnet worden, dass Sarkissjan für eine weitere Amtszeit von fünf Jahren gewählt werden würde. Beobachter erwarteten keine faire Abstimmung in der früheren Sowjetrepublik im Kaukasus. Der Polizei wurde 70 Fälle von Wahlfälschung gemeldet. Wahlbeobachter hatten kritisch angemerkt, dass die Opposition keinen ernstzunehmenden Kandidaten aufgestellt hatte. Insgesamt hatten mehr als 600 internationale Wahlbeobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) den Urnengang vom Montag überwacht. Vom Hauptquartier Howanissjans hieß es, Hunderte Beschwerden wegen Einschüchterungen und Stimmenkaufs seien dort eingegangen.

Zudem ließ ein Anschlag auf den Kandidaten Parujr Hajrikjan Angst vor Gewalt aufkommen. Hajrikjan, ein Außenseiter bei der Wahl, wurde bei einer Schießerei am 31. Januar an der Schulter verletzt. Sarkissjans Anhänger hatten auf einen friedlichen Verlauf der Wahl gehofft, um der Welt zu zeigen, dass sich die frühere Sowjet-Republik nach unruhigen Jahren und Krieg auf dem Weg der Erholung befindet.

Paruir Hairikjan und der frühere Regierungschef Hrant Bagrazjan, landeten weit abgeschlagen bei jeweils rund drei Prozent der Stimmen. Die drei wichtigsten Oppositionsparteien hatten ihre Teilnahme an der Wahl verweigert.

Bei der Abstimmung vor fünf Jahren wurden zehn Menschen bei Zusammenstößen getötet. Die ehemalige sowjetische Kaukasusrepublik kommt auch mehr als 20 Jahre nach ihrer Unabhängigkeit 1991 wirtschaftlich nicht auf die Beine. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze, rund eine Million Bürger wanderten seit der Unabhängigkeit aus. Mit Aserbaidschan gibt es einen langanhaltenden Territorialstreit um die Region Nagorny-Karabach, die von Armenien kontrolliert wird und von aserbaidschanischem Territorium umgeben ist. Die Spannungen in der Bergregion stellen immer noch eine Gefahr für den Frieden in der Region dar, durch die Öl- und Gas-Pipelines vom Kaspischen Meer nach Europa führen.

mia/afp/Reuters/dpa

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