Sex-Affäre Skandal um New Yorks Gouverneur - Kontakte zu Prostituiertenring

Früher sagte er Zuhältern den Kampf an - jetzt droht ihm das Geschäft mit dem Sex zum Verhängnis zu werden. Gegen New Yorks demokratischen Gouverneur Eliot Spitzer wird wegen Kontakten zu einem Prostituiertenring ermittelt: "Ich habe unehrenhaft gehandelt."


Albany - Gouverneur Eliot Spitzer ließ an diesem Montag plötzlich alle anstehenden Termine absagen - dann setzte er seine wichtigsten Mitarbeiter in Kenntnis. Der höchste Politiker des US-Bundesstaates New York informierte sie darüber, dass er in Verbindung zu einem Prostituiertenring stehe, berichtete die "New York Times" eilig. Danach trat Spitzer vor die Kameras.

Spitzer (mit Ehefrau Silda): "Zeit investieren, um das Vertrauen meiner Familie zurückzugewinnen"
AFP

Spitzer (mit Ehefrau Silda): "Zeit investieren, um das Vertrauen meiner Familie zurückzugewinnen"

Er äußerte sich am Abend in dürren Worten: "Ich habe unehrenhaft gehandelt und ich entschuldige mich." Er bat um Zeit, damit er das Vertrauen seiner Familie zurückgewinnen könne: "Ich bin an jenen Standards gescheitert, die ich mir selbst setze. Ich muss nun einige Zeit investieren, um das Vertrauen meiner Familie zurückzugewinnen." Zu der Pressekonferenz erschien er mit seiner Frau Silda, die während der Erklärung neben ihm stand.

Ob er tatsächlich Kunde eines Prostituiertenrings war, blieb offen - den Bericht der "New York Times" dementierte er allerdings nicht. Der 48-Jährige ist seit 20 Jahren verheiratet und hat drei Töchter. Von Rücktritt sprach er nicht: "Wir wollten New York einen richtigen Wandel bringen, und das wird weitergehen." Die Vereinigung der republikanischen Gouverneure forderte ihn trotzdem umgehend dazu auf.

Die Vorlieben von "Client 9"

In der vergangenen Woche war im New Yorker Stadtteil Manhattan der Escort-Ring "Emperor's Club VIP" aufgeflogen. Den vier Eignern wird Prostitution in großem Umfang vorgeworfen. Sie sollen Kunden in den USA und in Europa mit Huren versorgt haben. Für die teuerste käufliche Frau wurden demnach 5500 Dollar gefordert. Spitzer soll US-Medien zufolge Kontakte zu diesem Prostituiertenring gehabt haben.

Der Zeitung zufolge soll Spitzer kein anderer Ausweg geblieben sein, als sich zu outen, denn er sei Ermittlern in die Falle getappt. Den Justizbehörden liege die Aufzeichnung eines Anrufs von Spitzer vor, mit der er im vergangenen Monat ein Treffen mit einer Prostituierten in einem Washingtoner Hotelzimmer arrangiert habe. Am vergangenen Freitag sei er von der Justiz darüber informiert worden.

US-Medien veröffentlichten die Anklageschrift, in der es sich bei Spitzer um "Client 9" ("Kunde 9") handeln soll. Ab Seite 26 (siehe PDF) wird beschrieben, was genau Spitzer vorgeworfen wird - von der schwierigen Klärung der Bezahlungsformalitäten - laut Protokoll 4300 Dollar bei gut 1000 Dollar Stundenlohn - bis hin zum Gespräch zwischen der Prostituierten und den Zuhältern über die Vorlieben von "Client 9". Die Dame hieß "Kristen" und wird auf Seite 30 so beschrieben: "eine Amerikanerin, zierlich, sehr schön, brünett, fünf Fuß fünf Zoll groß, 105 Pfund".

Spitzer gehört zu den wichtigsten Politikern der Demokraten. Bevor er Gouverneur von New York wurde, hatte er sich als unerbittlicher Generalstaatsanwalt in dem Bundesstaat einen Namen gemacht - und ließ als Chef einer eigens eingerichteten Task Force gegen das Organisierte Verbrechen zwei Prostitutionsringe vor Gericht bringen.

Als neuer Gouverneur hatte Spitzer 2006 großspurig einen Kurs mit neuen ethischen Standards in dem Bundesstaat mit der Hauptstadt Albany angekündigt - woraufhin ihn das "Time Magazine" zum "Kreuzritter des Jahres" ernannte.

Mit Abscheu und Wut soll sich Spitzer auch im Jahre 2004 über die Festnahme von 16 Verdächtigen geäußert haben, die auf Staten Island einen Prostituiertenring im großen Stil geführt haben sollen, berichtet die "New York Times". Er machte auch dadurch Schlagzeilen, dass er als "Sheriff der Wall Street" unerbittlich Betrügereien an der Börse bekämpfte. Seine bisherige Amtszeit war begleitet von erbitterten Kontroversen mit den gegnerischen Republikanern.

als/dpa/AFP



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