DEA Chefin von US-Drogenfahndung tritt nach Sexparty-Skandal zurück

US-Drogenfahnder ließen sich Sexpartys bezahlen - ausgerechnet von kolumbianischen Rauschgiftkartellen. Nun zieht die Chefin die Konsequenzen: Michele Leonhart hat ihren Rücktritt eingereicht.

DEA-Chefin Leonhart: "Wegbereiterin für Gleichberechtigung"
AP/dpa

DEA-Chefin Leonhart: "Wegbereiterin für Gleichberechtigung"


Zum Abschied würdigt US-Justizminister Eric Holder die Chefin der US-Drogenbekämpfungsbehörde DEA noch einmal. Als erste Frau auf dem Posten sei Michele Leonhart "eine Wegbereiterin für Gleichberechtigung und eine Inspiration für unzählige andere", sagte Holder.

Doch nun stolpert Leonhart über das Fehlverhalten ihrer männlichen Untergebenen. Ende März enthüllte ein Bericht des Justizministeriums, dass US-Drogenfahnder sich von Rauschgiftkartellen Sexpartys in Kolumbien hatten bezahlen lassen. Deshalb tritt Leonhart Mitte Mai nach acht Jahren von ihrem Amt zurück.

Über Jahre hatten kolumbianische Drogenfahnder für ihre US-Kollegen Partys mit Prostituierten organisiert. Die DEA-Agenten hätten laut Justizministerium in Washington wissen müssen, dass die Prostituierten von den örtlichen Kartellen bezahlt würden. Kolumbianische Polizisten sagten außerdem aus, dass mindestens drei DEA-Agenten in Führungspositionen Geld, Geschenke und Waffen von Kartellmitgliedern erhalten hätten.

In einer Anhörung vor dem Kongress konnte Leonhart in der vergangenen Woche nicht ausschließen, dass im Gegenzug geheime Informationen an die Drogenmafia weitergegeben wurden. Die Orgien fanden zwischen 2001 und 2005 statt - also vor Leonharts Amtszeit. Ihr wurde jedoch vorgeworfen, dass ihre Behörde auf entsprechende Hinweise jahrelang nicht reagiert habe und eine umfassende Aufarbeitung gescheut habe.

Sieben DEA-Beamte gaben ihre Teilnahme an den Partys zu. Sie wurden mit Disziplinarstrafen belegt. Justizminister Holder schickte diesen Monat ein Memo an die 113.000 Mitarbeiter seines Ministeriums. Er appellierte an sie, nicht mit Prostituierten zu verkehren.

syd/AFP

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