Sexskandal beim Secret Service: "Die meisten Leibwächter werden abdanken"

Die Sexaffäre beim Secret Service wird vermutlich alle beteiligten Sicherheitsleute den Job kosten. So lautet die Prognose eines hohen US-Abgeordneten: "Sie werden abdanken - oder gezwungen werden zu gehen." Derweil kommen weitere Details des Geheimdienstskandals ans Licht.

US-Präsident Barack Obama (l.) mit Leibwächtern: "Ungeheuerliches" Fehlverhalten Zur Großansicht
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US-Präsident Barack Obama (l.) mit Leibwächtern: "Ungeheuerliches" Fehlverhalten

Hamburg/Washington - Präsident Barack Obama räumt beim Secret Service auf. Bislang mussten sechs der elf Mitarbeiter des US-Geheimdienstes gehen, die in den Sexskandal im Vorfeld des Amerika-Gipfels in Kolumbien verwickelt waren. Jetzt wird gemutmaßt, dass wohl auch die restlichen fünf betroffenen Leibwächter nicht länger ihren Job behalten werden.

"Die meisten der elf werden entweder abdanken oder zurücktreten. Oder man wird sie zwingen zu gehen", sagte Peter King, der republikanische Vorsitzende des Ausschusses für innere Sicherheit im Repräsentantenhaus. "Ich zweifele stark daran, dass auch nur einer dieser elf Männer jemals wieder mit einer ähnlichen Aufgabe betraut wird", sagte King in einem Interview mit dem Sender Fox News am Samstag. Falls sie ihren Job behielten, müssten die betroffenen Sicherheitsleute von der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit ferngehalten werden, forderte er. Der New Yorker Republikaner gab an, es seien vier Ermittler auf den Fall angesetzt.

Die beschuldigten Secret-Service-Sicherheitsleute und mehrere Angehörige der US-Armee hatten sich in der kolumbianischen Küstenstadt Cartagena Prostituierte in ein Hotel bringen lassen. An dem dortigen Amerika-Gipfel nahm am vergangenen Samstag auch Obama teil.

Eine Prostituierte randalierte, weil ein Agent sie angeblich nicht bezahlt hat

Es kommen immer mehr pikante Details der Affäre ans Licht. Laut "Washington Post" erreichte Paula Reid, US-Geheimdienstchefin für Südamerika, während ihrer Vorbereitungen für die Ankunft des Präsidenten in Cartagena folgender dringender Bericht: Eine verärgerte Prostituierte randaliere in einem nahen Hotel und gebe an, ein Mitglied des Secret Service habe sich geweigert, sie zu bezahlen. Sie klopfte an Türen, brüllte in den Fluren herum und sorgte so bei Tagesanbruch für einiges Aufsehen, schreibt die Zeitung - nur 24 Stunden, bevor Obama in Cartagena landete.

Reid habe anschließend die elf Leibwächter außer Landes beordert, heißt es, ihrem Vorgesetzten von dem "ungeheuerlichen" Fehlverhalten der Mitarbeiter berichtet und so den größten Skandal des US-Geheimdienstes der vergangenen Jahre in Gang gesetzt.

Der "Washington Post" zufolge seien diese Schritte auch für Reid nicht ohne Risiko gewesen. Sie habe sich damit einer möglichen heftigen Gegenreaktion innerhalb des Secret Service ausgesetzt, schließlich habe sie die Karrieren dieser Männer ruiniert.

Neue Anschuldigungen gegen ein zwölftes Geheimdienstmitglied

Laut einer Mitteilung des Secret Service werde inzwischen untersucht, ob ein zwölfter Mitarbeiter des Geheimdienstes in die Affäre verwickelt sei. King, dessen Ausschuss den Vorfall untersucht, sagte hingegen, den Anschuldigungen gegen den zwölften Mann liege ein anderer Vorfall zugrunde, der sich "fünf oder sechs Tage vor der Ankunft des Präsidenten" ereignet habe.

King forderte eine umfassende Aufklärung des Skandals. Zwei der in die Affäre in Cartagena verwickelten elf Secret-Service-Mitglieder seien Aufseher gewesen, sagte er. "Sie hätten alles unter Kontrolle haben müssen. Statt dessen nahmen sie daran teil," fügte er hinzu.

Zuletzt mussten drei weitere Mitarbeiter des Secret Service ihren Abschied nehmen. Die Erklärung des Secret Service zu den Entlassungen am Freitag fiel betont knapp aus: "Drei weitere Mitarbeiter haben sich entschieden zurückzutreten", hieß es in einer offiziellen Stellungnahme.

bos/Reuters

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