"Trostfrauen" im Zweiten Weltkrieg Japan weist Obamas Kritik an Zwangsprostitution zurück

Rund 200.000 Mädchen und Frauen entführte die Besatzungsmacht Japan bis 1945 in Soldatenbordelle. US-Präsident Barack Obama bezeichnete diese Praxis jetzt als "ungeheuerliche Verletzung der Menschenrechte" - und sorgt damit für Unmut in Tokio.

Überlebende "Trostfrauen" bei einer Kundgebung (2007): "Ungeheuerliche Verletzung der Menschenrechte"
AP

Überlebende "Trostfrauen" bei einer Kundgebung (2007): "Ungeheuerliche Verletzung der Menschenrechte"


Tokio/Seoul - Die japanische Regierung hat die Kritik von US-Präsident Barack Obama an Japans Sexsklavinnen-System während des Zweiten Weltkriegs zurückgewiesen. Japan sei sich des Leides der Opfer bewusst, lehne aber eine Politisierung der Frage ab, sagte der stellvertretende Kabinetts-Staatsminister Katsunobu Kato in einem Fernsehinterview. "Diese Frage sollte nicht zu einem Thema der Politik oder Diplomatie gemacht werden."

Die Zwangsrekrutierung sogenannter Trostfrauen für Soldatenbordelle in den von Japan besetzten Gebieten belastet bis heute das Verhältnis zu Nachbarn wie Südkorea. Rund 200.000 Frauen und Mädchen hatten japanische Truppen damals entführt und zum Teil über Jahre vergewaltigt. Die meisten von ihnen stammten aus Korea.

Obama hatte die Praxis am Freitag bei einem Besuch in Südkorea verurteilt. "Dies war eine schreckliche, ungeheuerliche Verletzung der Menschenrechte. Diese Frauen wurden auf eine Weise missbraucht, die selbst inmitten des Krieges schockierend war", sagte Obama in Seoul. Die Frauen verdienten es, "gehört und respektiert" zu werden, und die Ereignisse sollten genau und klar aufgearbeitet werden. Die Vergangenheit müsse "ehrlich und fair anerkannt werden", fügte Obama hinzu.

Südkorea und andere ehemals von Japan besetzte Staaten werfen Tokio seit langem vor, die Geschichte des vor und während dem Zweiten Weltkrieg etablierten "Trostfrauen"-Systems nicht konsequent genug aufzuarbeiten. Noch im Mai 2013 hatte der Bürgermeister der Metropole Osaka die Bordelle verteidigt: Es sei nötig gewesen, um die "Disziplin aufrechtzuerhalten" und den Soldaten, die ihr Leben riskierten, eine Pause zu ermöglichen.

Bei seinem Besuch hatte US-Präsident Obama Japan und Südkorea aufgefordert, gemeinsam ihre Geschichte aufzuarbeiten. Es sei im Interesse beider Nationen, Wege zu finden, den Schmerz der Vergangenheit zu überwinden. Das Verhältnis beider Länder gilt als eisig; auch wegen der historischen Rolle Japans als Besatzungsmacht.

rls/AFP

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