Nach Berichten betroffener Frauen Beschwerden über Belästigung beschäftigen EU-Parlament

Mehrere EU-Abgeordnete sollen Mitarbeiterinnen begrapscht und bedrängt haben. Über diese Vorwürfe berichten mehrere Medien. Nun will sich das Parlament in einer Dringlichkeitssitzung mit dem Thema befassen.

Antonio Tajani
AFP

Antonio Tajani


Der Präsident des Europaparlaments, Antonio Tajani, zeigt sich "schockiert und entrüstet" über Beschwerden zu sexuellen Belästigungen in der EU-Volksvertretung. Das Präsidium werde sich unverzüglich mit der Frage befassen, kündigte der italienische Christdemokrat an.

Zugleich erinnerte Tajani daran, dass das Parlament bereits im vergangenen Jahr eine Anlaufstelle geschaffen habe, die Beschwerden dieser Art prüfen und mögliche Opfer beraten solle. Dort seien bislang noch keine Vorwürfe angezeigt worden, sagte ein Sprecher.

Das EU-Parlament beschloss am Montagnachmittag in Straßburg eine Dringlichkeitsdebatte zu den Belästigungsvorwürfen. Sie soll am Mittwochmorgen stattfinden.

Im Zuge der Affäre um Belästigungs- und Vergewaltigungsvorwürfe gegen den US-Filmproduzenten Harvey Weinstein haben sich auch Mitarbeiterinnen des Europaparlaments zu Wort gemeldet. So veröffentlichte das Onlineportal "Politico" eine Reihe von Aussagen von Frauen, die von Belästigung im EU-Parlament berichten.

Zwei deutsche Abgeordnete unter den Beschuldigten

Auch die britische Zeitung "The Sunday Times" (Artikel ist kostenpflichtig) berichtete über schwere Vorwürfe von Parlamentsmitarbeiterinnen. So sollen männliche Abgeordnete Frauen auf verschiedenste Weise sexuell bedrängt oder begrapscht haben. In einem Fall habe ein Parlamentarier vor einer jungen Assistentin masturbiert, schreibt die "Sunday Times".

Der Zeitung zufolge sind unter den Beschuldigten mindestens zwei deutsche Abgeordnete. Einer von ihnen wird sogar als "führend" bezeichnet.

Namentlich genannt wird in dem Bericht allerdings lediglich ein 71 Jahre alter französischer Grünen-Politiker, der der Mitarbeiterin eines anderen Abgeordneten eine unsittliche Textnachricht geschrieben haben soll. Die Identitäten der anderen Beschuldigten enthüllte die Zeitung nicht - nach eigenen Angaben auf Wunsch der Parlamentsmitarbeiterinnen. Die Frauen hätten Angst um ihre Karrieren und fürchteten eine mögliche juristische Auseinandersetzung, heißt es in der "Sunday Times".

cte/dpa/AFP

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