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Biografie eines Strafgefangenen: Flucht aus Kims Gulag

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Shin Dong-hyuk hat die Hölle überlebt: Er wuchs in einem Straflager in Nordkorea auf, sah seine Mutter und seinen Bruder dort sterben - nach 23 Jahren gelang ihm die Flucht. Jetzt schildert ein SPIEGEL-Buch die Geschichte des jungen Mannes, der erst in Freiheit gelernt hat, Mensch zu sein.

Flucht aus Lager 14: Die Geschichte des Shin Dong-hyuk Fotos
SPIEGEL-Buchverlag/DVA/Blaine Harden

Shin Dong-hyuk ist ungefähr genau so alt wie Kim Jong Un. Das genaue Geburtsdatum der beiden ist unbekannt. Kim hat sein bisheriges Leben als Diktatorenprinz verbracht und ist seit Dezember vergangenen Jahres Staatschef von Nordkorea. Shin war die ersten 23 Jahre seines Lebens eingesperrt in einer Strafkolonie. Anfang 2005 gelang ihm die Flucht, bis heute gilt er als einziger Häftling, der aus dem berüchtigten Lager 14 entkommen konnte. Der US-Journalist Blaine Harden hat die Geschichte des jungen Mannes aufgeschrieben. Sein SPIEGEL-Buch "Flucht aus Lager 14" erscheint an diesem Montag.

1982 wird Shin Dong-hyuk im Lager geboren. Er ist das Kind zweier Häftlinge, die wegen guter Arbeitsleistungen in der Gefangenschaft verheiratet wurden. Warum die Mutter inhaftiert wurde, wird Shin nie erfahren. Sein Vater landete hinter Stacheldraht und Elektrozaun, weil zwei seiner Brüder während des Korea-Kriegs in den Süden geflohen waren.

Die Lagerwärter bläuen ihm ein, dass er wegen der Sünden seiner Eltern im Lager leben müsse. Staatsgründer Kim Il Sung hat dazu folgendes Gesetz formuliert:

"Klassenfeinde müssen ohne Ansehung der Person bis ins dritte Glied ausgemerzt werden."

Shin schafft es nie, eine Bindung zu seinen Eltern oder zu seinem acht Jahre älteren Bruder aufzubauen. Er lernt nicht, was Liebe, Mitgefühl und Geborgenheit bedeuten. Seine Mutter sieht er in erster Linie als Konkurrentin um die kargen Lebensmittelrationen. Oft isst er der hart arbeitenden Frau das Mittagessen weg, sie schlägt ihn dafür mit Hacken und Schaufeln. Den Vater sieht Shin kaum, er darf nur wenige Tage im Jahr mit der Familie verbringen. Sein Bruder zog in eine Sammelunterkunft, als Shin vier Jahre alt war, und blieb für ihn immer ein Fremder.

Shin verrät Mutter und Bruder

Auch in der Schule, die ausschließlich Kinder besuchen, die im Lager geboren wurden, herrscht ein Klima des Misstrauens. Denunziationen sind an der Tagesordnung. Um zusätzliche Essensrationen zu erhalten, verraten die Kinder den Lehrern und Wärtern, was ihre Nachbarn essen, wie sie sich kleiden, worüber sie sprechen. Als Shin sechs Jahre alt ist, muss er mit ansehen, wie der Lehrer eine Klassenkameradin zu Tode prügelt, weil er bei einer Leibesvisitation fünf Maiskörner in ihrer Tasche findet.

So zögert er nicht, seine Mutter und seinen Bruder ans Messer zu liefern. Als Shin 13 Jahre alt ist, belauscht er ein Gespräch der beiden, in dem sie ihre Flucht aus dem Lager planen. Er hat Angst, als Mitwisser bestraft zu werden, ist aber zugleich eifersüchtig auf seinen Bruder, der von seiner Mutter bevorzugt behandelt wird. Noch am selben Abend verrät Shin die Pläne an einen Wärter. Der verspricht ihm mehr Essen und die Ernennung zum Klassensprecher.

Doch anstatt die erhofften Belohnungen zu bekommen, landet der Junge in einem unterirdischen Gefängnis. Der Wärter hatte angegeben, allein den Fluchtplan aufgedeckt zu haben, und Shin als Mitwisser angeschwärzt. Mehrere Tage lang wird der Junge gefoltert und lebensgefährlich verletzt. Erst dann glauben ihm seine Peiniger, dass er es war, der Mutter und Bruder verraten hatte.

Shin wird in eine andere Zelle gebracht, die er sich mit einem älteren Häftling teilen muss. Der etwa 50 Jahre alte Mann pflegt die Wunden des Jungen. Er wird der erste Mensch, zu dem Shin Vertrauen fasst. Und er bringt ihm bei, dass es ein Leben jenseits des Lagerzauns gibt.

Die Leiche seines Freundes erleichtert die Flucht

Am Tag seiner Entlassung aus dem unterirdischen Folterknast trifft Shin seinen Vater wieder, der ebenfalls inhaftiert und gefoltert worden war. Die Wärter verbinden beiden die Augen, und sie werden zu einem abgeernteten Weizenfeld gebracht. Dort hat man einen Galgen aufgestellt und daneben einen provisorischen Pfahl in die Erde gerammt. Shin glaubt, dass er und sein Vater nun hingerichtet werden. Doch nicht sie müssen sterben, sondern seine Mutter und der Bruder werden vor den Augen der anderen Lagerinsassen exekutiert. Damals ist Shin davon überzeugt, dass beide den Tod verdient haben.

Der Junge kehrt zurück in die Schule, die kaum mehr ist als eine Unterkunft für Sklaven, die zum Steinesammeln, Unkrautjäten und beim Staudammbau eingesetzt werden. Mit 16 endet die Schulzeit, zunächst wird Shin einige Jahre auf einer Schweinefarm eingesetzt, später in die Textilfabrik das Lagers geschickt. Als er dort eine Nähmaschine kaputtmacht, hackt ihm der Vorarbeiter das erste Glied des Mittelfingers ab.

In der Fabrik lernt Shin auch den Mann kennen, der seinem Leben die entscheidende Wendung geben sollte. Eigentlich hat er den Auftrag, Park Yong Chul zu bespitzeln, einen neuen Häftling, der in der DDR und der Sowjetunion studiert hatte und zur nordkoreanischen Elite gehörte. Doch Shin fasst Vertrauen zu dem älteren Mann und beschließt, ihn nicht zu hintergehen. Ihre Freundschaft beendet ein lebenslanges Muster von Misstrauen und Verrat.

Beide schmieden Fluchtpläne. Shin soll sie aus dem Lager bringen, Park die weitere Flucht nach China organisieren. Ihre Gelegenheit kommt, als sie in einem Wald nahe des Zauns zum Brennholzsammeln eingeteilt sind. Park erreicht den Zaun als Erster, berührt jedoch die Elektrodrähte und erleidet einen tödlichen Stromstoß. Ausgerechnet die Leiche seines Freundes erleichtert ihm jedoch die Flucht, da sie den Abstand zwischen den Drähten vergrößert. So kann Shin über Parks Körper hinweg in Richtung Freiheit robben. Zwar erleidet auch er schwere Verbrennungen durch den Strom, aber er kann fliehen.

In Südkorea landet Shin in der Psychiatrie

Bei Eis und Schnee schlägt sich Shin zur chinesischen Grenze durch. Er wandert, springt auf Lastwagen und Güterzüge auf. Da fast alle Nordkoreaner unterernährt und schlecht gekleidet sind, fällt er nicht auf. Die Flucht über die chinesische Grenze ist dann erstaunlich einfach: Er besticht mehrere Soldaten mit Zigaretten, Tofuwurst und Keksen. Ein Wachtposten zeigt ihm die Stelle, an der er den zugefrorenen Grenzfluss Tumen gefahrlos überqueren kann.

Zunächst zieht er als Wanderarbeiter durch China, bis ihm ein Journalist zur Flucht ins südkoreanische Konsulat in Shanghai verhilft. Ein halbes Jahr später kommt er nach Südkorea. Doch Shin hat psychische Probleme, ihn plagen Alpträume. Erst jetzt wird ihm bewusst, dass er für den Tod seiner Mutter und seines Bruders verantwortlich ist. Shin wird für mehrere Monate in die Psychiatrie eingewiesen.

In Freiheit fühlt sich der junge Mann einsam, es fällt ihm weiterhin schwer, Vertrauen zu fassen und sich in der südkoreanischen Gesellschaft zurechtzufinden. Außerdem muss Shin feststellen, dass sich die Menschen in Seoul nach sechs Jahrzehnten der Teilung kaum noch für das Schicksal ihrer Landsleute im Norden interessieren.

Auch deshalb ist er inzwischen in die USA gezogen. Dort versucht er als Menschenrechtsaktivist auf die verheerenden Zustände und das unmenschliche Lagersystem in Nordkorea aufmerksam zu machen. Doch auch Jahre nach seiner Flucht sagt er über Lager 14: "Physisch bin ich ausgebrochen, aber psychisch bin ich noch dort."

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insgesamt 55 Beiträge
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1.
Hupert 10.09.2012
Ihre Aussage hat mit der Realität ungefähr so viel zu tun wie die unsprüngliche Idee des Kommunismus (die ich nicht vertrete oder gutheise) mit der Staatsstruktur Nordkoreas. Ganz mies und billig...
2.
rainer_daeschler 10.09.2012
Sie haben sich im Jahrhundert verirrt.
3.
SpitzensteuersatzZahler 10.09.2012
Also ich für meinen Teil bin froh, dass ich in einem Land leben darf, wo sowas nicht in Frage kommt. Und jedem, der hier über jede Kleinigkeit meckert, sollte man solche Schilderungen mal zugänglich machen, damit diese Leute mal sehen, wie gut es uns hier geht.
4. Ungeschminkte Wahrheit
Why-not? 10.09.2012
Schön, dass SPON auch ungeschminkte Wahrheiten über Verbrecher- und Terror Regime verbreitet. Hier gibt es ja genug Foristen, denen das nicht n den Kram passt, und die alles Schlechte auf der Erde auf den "bösen Westen" schieben. Wir leben hier im Paradies, verglichen mit den Unterdrücker-Regimen in anderen Teilen der Welt: Nordkorea, Syrien, Iran, China und viele andere.
5. Regieme
hubertrudnick1 10.09.2012
Regieme und da ist es gleich welcher Art sie sind, welche Ideologie, oder Religion sie vorgeben zu verfolgen sind zu ihren Bürgern immer sehr brutal. Menschneverachtung ist ihr oberstes Gebot, nur wird so viel ideologische Arbeit betrieben um in den Köpfen ihrer Bürgern das noch als etwas gutes darzustallen.
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Buchtipp

Karte

Fläche: 122.762 km²

Bevölkerung: 25,027 Mio.

Hauptstadt: Pjöngjang

Staatsoberhaupt:
Kim Il Sung (obwohl bereits 1994 verstorben);
Protokollarisches Staatsoberhaupt: Kim Yong Nam;
"Oberster Führer": Kim Jong Un

Regierungschef: Pak Pong Ju

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Nordkoreas Atomprogramm
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Nordkoreas Atomprogramm
AFP
Nordkoreas Atomprogramm sorgt seit Jahren für Spannungen. Mit Hilfe von weitreichenden Langstreckenraketen ist das kommunistische Land unter dem "lieben Führer" Kim Jong Il offenbar fähig, zumindest seine Nachbarstaaten mit Nuklearwaffen zu erreichen. Das Land behauptet, genug Plutonium für sechs Atombomben zu besitzen.

Nordkorea hatte sich zwar bei Unterzeichnung des Atomwaffensperrvertrags 1985 verpflichtet, nukleare Anlagen nur zivil zu nutzen, im Geheimen aber waffenfähiges Uran angereichert. Als das Ende der neunziger Jahre bekannt wurde, wurde Nordkorea scharf kritisiert. Die USA stoppten die Hilfs- und Energielieferungen an das verarmte Land. Daraufhin kündigte Pjöngjang um die Jahreswende 2002/03 seine Mitgliedschaft im Atomwaffensperrvertrag und seine Zusammenarbeit mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) . Die Uno-Inspektoren mussten das Land verlassen, alle Überwachungskameras wurden abmontiert.

Anfänge
AP
Das Atomprogramm Nordkoreas hat seinen Anfang in den sechziger Jahren, als der "große Bruder" Sowjetunion dem kommunistischen Nordkorea ein Atomforschungszentrum mit dem Forschungsreaktor Yongbyon baute, der 1965 seinen Betrieb aufnahm. Auf Druck der UdSSR verpflichtete sich Nordkorea 1985 als Mitunterzeichner des Atomwaffensperrvertrags , die Kernkraft ausschließlich zivil zu nutzen. 1992 schloss es mit Südkorea ein Abkommen, die koreanische Halbinsel frei von Atomwaffen zu halten.

Doch schon Ende der achtziger Jahre, so sind sich westliche Geheimdienste heute sicher, kam es zu geheimen Deals zwischen Pakistan und Pjöngjang. Der pakistanische Ingenieur Abdul Qadir Khan lieferte demnach wesentliche Bestandteile für den Atombombenbau, während Pjöngjang Pakistan Prototypen ihrer Mittelstreckenraketen stellte, die mit atomaren Sprengköpfen bestückbar sind. Seit dieser Zeit verfügt Nordkorea über Nukleartechnologie.

Genfer Rahmenabkommen 1994
AFP
Nach zähen Verhandlungen schloss der damalige US-Präsident Bill Clinton 1994 mit Pjöngjang das Genfer Rahmenabkommen , das den Atomkonflikt regulieren und die Gefahr einer nordkoreanischen Atombombe verhindern sollte. Darin garantierte Nordkorea die Stilllegung seines grafitmoderierten Reaktors in Yongbyon , aus dem wohl damals schon nuklearwaffenfähiges Material abgezweigt worden war. Im Gegenzug verpflichteten sich die USA zur Lieferung von Erdöl und zum Bau von zwei Leichtwasserreaktoren, womit die Energieversorgung des verarmten Nordkoreas sichergestellt werden sollte. Allerdings regelte die Vereinbarung nur die Plutoniumproduktion , jedoch nicht die Möglichkeit, aus hochangereichertem Uran Kernwaffen herzustellen.
Sechs-Parteien-Gespräche ab 2003
REUTERS
2003 begannen Verhandlungen über ein Ende des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms . An den Gesprächsrunden aus sechs Nationen waren neben Nordkorea China, Russland, Japan, die USA und Südkorea beteiligt. Als Gegenleistung für die nukleare Abrüstung wurde dem vollkommen verarmten Nordkorea Wirtschafts- und Energiehilfe angeboten. Die Gespräche blieben jedoch zunächst ohne Ergebnis.

Im Februar 2005 gab Kim Jong Il offiziell den Besitz von Atomwaffen "zur Selbstverteidigung" bekannt.
Zum Abschluss der vierten Sechs-Länder-Gespräche im September 2005 verpflichtete sich Pjöngjang grundsätzlich zur Aufgabe aller Atomwaffen und Nuklearprogramme, das Atomprogramm lief aber im Geheimen weiter.

2007 zeichnete sich erneut eine Einigung im Atomstreit ab: Die nordkoreanische Seite sagte zu, seine Atomanlagen stillzulegen und die ausländischen Atominspekteure wieder zuzulassen. Im Gegenzug sollte das Land wirtschaftliche, humanitäre und Energiehilfe erhalten und von der US-Liste der den Terror unterstützenden Staaten gestrichen werden. Im Juni 2008 übergab Nordkorea eine seit Monaten überfällige Liste mit Einzelheiten seines Nuklearprogramms an China und sprengte den Kühlturm der abgeschalteten Atomanlage Yongbyon.

Atombomben- und Raketentests
dpa
1998 löste das nordkoreanische Regime mit dem Test einer ballistischen Rakete vom Typ Taepodong-1 weltweit Empörung aus. Im Oktober 2006 schockierte Nordkorea die Weltöffentlichkeit mit unterirdischen Atomwaffentests. Daraufhin beschloss der Uno-Sicherheitsrat einstimmig die Resolution 1718 , in der der Atomtest verurteilt und Handels- und Finanzsanktionen gegen Nordkorea verhängt wurden.

Im April 2009 startete Pjöngjang eine Langstreckenrakete vom Typ Taepodong-2 mit einer Reichweite von Tausenden Kilometern. Angeblich wurde auch ein Kommunikationssatellit ins All gebracht. Als der Weltsicherheitsrat den Raketenstart verurteilte, brach Pjöngjang die Sechs-Parteien-Gespräche erneut ab und kündigte die Wiederinbetriebnahme des stillgelegten Atomzentrums Yongbyon an. Am 25. Mai kam es zum zweiten unterirdischen Atombombentest. Die Sprengkraft der getesteten Atombombe wird seismologischen Messungen zufolge auf zehn bis 20 Kilotonnen geschätzt, das entspricht der Vernichtungskraft der Bombe, die 1945 Hiroshima zerstörte. Nur einen Tag später startete das Regime zwei Kurzstreckenraketen mit einer Reichweite von 130 Kilometern.

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