Sicherheitsfirmen im Irak Söldnertruppe startet verbale Gegenoffensive

Blackwater-Chef Prince schlägt zurück: Vor dem US-Repräsentantenhaus wehrt er sich gegen Vorwürfe, seine Sicherheitsleute im Irak seien schießwütig. Es gebe einen Beleg für die Qualität seiner Männer: 30 tote Mitarbeiter, aber kein einziger toter Diplomat.


Washington - Blackwater im Kreuzverhör: Nachdem sein Sicherheitsunternehmen wegen der tödlichen Schüsse auf irakische Zivilisten zuletzt massive Kritik auf sich gezogen hatte, muss Firmengründer Erik Prince, 38, heute im Repräsentantenhaus Rede und Antwort stehen. In einer Anhörung des Kontrollausschusses wies Prince unter Eid die schweren Vorwürfe zurück, Blackwater-Mitarbeiter gingen im Irak mit unangemessener Brutalität vor.

Blackwater-Mitarbeiter in Bagdad (Archivbild): Feuer nur erwidert
AFP

Blackwater-Mitarbeiter in Bagdad (Archivbild): Feuer nur erwidert

Schon 30 Angestellte des Unternehmens seien bei ihrem Einsatz zum Schutz amerikanischer Diplomaten am Golf getötet worden, rechnete Prince den Abgeordneten vor. Aber nicht ein einziger Schützling der Blackwater-Männer sei ums Leben gekommen. "Es gibt keinen besseren Beweis für die Fähigkeiten und die Hingabe dieser Männer", betonte das ehemalige Mitglied der US-Sondereinheit Navy Seals dem Manuskript seines vorbereiteten Statements zufolge. Die Vorwürfe gegen sein Unternehmen seien voreilig und basierten auf "fehlerhaften Informationen".

Prince blieb bei seiner Darstellung, dass Blackwater-Mitarbeiter beim jüngsten Zwischenfall am 16. September das Feuer nur zur Verteidigung eröffnet hätten. An jenem Tag waren Söldner, die einen Konvoi der US-Botschaft begleiteten, nach einer Autobombenexplosion in eine Schießerei verwickelt worden, die elf Iraker das Leben kostete. Nach Princes Darstellung gerieten die Leibwächter im Anschluss an die Detonation in der Nähe des Konvois zunächst selbst unter Beschuss, fünf der 20 Bodyguards hätten daraufhin das Feuer auf "bedrohliche Ziele" erwidert. Die irakische Regierung hatte dagegen betont, dass die Amerikaner unschuldige Zivilisten getötet hätten. Der Irak setzte anschließend die Lizenz für Blackwater aus.

"Sollten Unschuldige ihr Leben gelassen haben, lassen Sie mich deutlich sagen, dass ich dies ausdrücklich bedauere", betonte Prince. "Jedes Leben, ob Amerikaner oder Iraker, ist wertvoll." Nach allem, was man bisher über die Ereignisse des 16. September wisse, habe die Blackwater-Garde "in einem sehr komplexen Kriegsgebiet" jedoch angemessen reagiert. Mit Verweis auf die laufende Untersuchung fügte Prince hinzu: "Der Kongress sollte die Anschuldigungen nicht als Wahrheit akzeptieren, bevor er nicht die Fakten kennt." FBI-Ermittler hatten sich gestern auf den Weg in den Irak gemacht, um die Blackwater-Aktivitäten zu prüfen.

"Privatisierung zahlt sich aus"

Zu Beginn der Anhörung heute in Washington hatte der demokratische Ausschussvorsitzende Henry Waxman Blackwater als aggressive Söldnertruppe gebrandmarkt, die die US-Regierung möglicherweise regelrecht ausbeute. "Die Privatisierung (des Krieges/Anm. d. Red.) zahlt sich für Blackwater außerordentlich aus", sagte Waxman. "Die Frage, die wir uns in dieser Anhörung stellen müssen, ist, ob das Outsourcing an Blackwater sich auch für den amerikanischen Steuerzahler auszahlt."

Einem gestern veröffentlichten Bericht des Ausschusses zufolge erhielt Blackwater seit 2001 für seine Dienste mehr als eine Milliarde Dollar von der US-Regierung. Pro Einsatzkraft und Tag habe Blackwater 1222 Dollar in Rechnung gestellt - fast 450.000 Dollar pro Jahr. Ein Einsatz von US-Soldaten sei für ein Neuntel bis zu einem Sechstel dieser Kosten zu haben, heißt es in dem Bericht weiter.

Der Report, für den die Demokraten im Ausschuss mehr als 400 interne Blackwater-Berichte sowie interne Korrespondenzen des Außenministeriums ausgewertet haben, hält den Blackwater-Mitarbeitern zudem aggressives und gewalttätiges Verhalten gegenüber Einheimischen sowie die Vertuschung von Straftaten vor. Die privaten Sicherheitskräfte hätten weitgehend unkontrolliert agieren können.

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Seit 2005 seien sie im Irak in annähernd 200 Schießereien verwickelt gewesen. In 80 Prozent der Fälle sei der erste Schuss von einem Blackwater-Mitarbeiter abgefeuert worden. Mindestens 16 Iraker sollen bei den Zwischenfällen ums Leben gekommen sein, die wirkliche Zahl liege aber vermutlich höher, hieß es in dem Bericht.

In dem Dokument werden US-Armeevertreter zitiert, denen zufolge die Mitarbeiter von Blackwater im Irak "wie die Cowboys" aufgetreten seien. Sie hätten "ihre Finger sehr schnell am Abzug", hieß es weiter. Für Blackwater sind im Irak derzeit fast tausend Männer im Einsatz.

Dem Außenministerium in Washington wirft der Bericht schwere Versäumnisse vor: Bei dem Einsatz habe es an Aufsicht gefehlt. "Selbst in Fällen, bei denen es um den Tod von Irakern ging, war die erste Reaktion des State Department offensichtlich immer, Blackwater zu Bußzahlungen (an die Opfer) aufzufordern, um die Sache hinter sich zu bringen, anstatt auf deren Verantwortung zu bestehen und wegen möglicher Strafbarkeit gegen Blackwater-Mitarbeiter zu ermitteln", heißt es in dem Kongressdokument.

Prince erklärte heute in seiner Stellungnahme, dass die geltenden Gesetze und Regeln ein angemessenes Maß an Kontrolle und Rechenschaftspflicht für private Sicherheitsfirmen in Kriegsgebieten gewährleisteten. Dennoch, betonte der Blackwater-Gründer, glaube sein Unternehmen, dass noch mehr getan werden könnte und sollte. Blackwater unterstütze daher ein Gesetz aus der Feder des demokratischen Abgeordneten David Price, nach dem jedes Sicherheitsunternehmen vor einem US-Gericht zur Verantwortung gezogen werden könne.

phw/AP/AFP/Reuters

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