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Kritik an Moskau-Reise: US-Delegation boykottiert Dinner bei Seehofer

Horst Seehofers Reise nach Moskau wirkt bis zur Sicherheitskonferenz in München nach. Bei einem Dinner in der Münchner Residenz fehlten die US-Senatoren - aus Protest.

Dinner in der Münchner Residenz: US-Senatoren blieben fern Zur Großansicht
DPA

Dinner in der Münchner Residenz: US-Senatoren blieben fern

Der Besuch des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer bei Russlands Präsident Wladimir Putin Anfang Februar hat bei der Münchner Sicherheitskonferenz für einen kleinen Eklat gesorgt. Aus der angereisten US-Delegation hieß es am Abend, man habe aus Protest gegen die Visite Seehofers in Moskau ein festliches Dinner des Ministerpräsidenten boykottiert.

Nach Angaben von Teilnehmern erschien bei dem Abendessen nur einer der aus den USA eingeflogenen Senatoren. Der für seine harsche Haltung gegenüber Russland bekannte Republikaner John McCain und mehrere andere Politiker hingegen blieben dem Event Seehofers absichtlich fern.

Aus der Delegation hieß es, der Besuch Seehofers in Moskau habe das völlig falsche Signal gesendet. Der spontane Boykott zeigt dabei erneut, wie angespannt die Lage zwischen den USA und Russland ist, und wie sensibel man jenseits des Ozeans auf alle europäischen Schritte gegenüber Moskau reagiert.

Auch in Deutschland war der Besuch Seehofers umstritten, der CSU-Politiker hingegen verteidigte seine Gespräche in Moskau.

Die Sicherheitskonferenz in München hat noch einmal deutlich gezeigt, wie schlecht es derzeit um die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen steht. Am Samstagnachmittag hatte Russlands Premier Dmitrij Medwedew mit einer aggressiven Rede für Aufregung gesorgt. Er gab dem Westen indirekt die Schuld am Syrienkrieg und sprach von einem verdorbenen Verhältnis zur Europäischen Union. "Wir sind in die Zeiten eines neuen Kalten Krieges abgerutscht", sagte er.

Der Sonntag wird voraussichtlich nicht versöhnlicher: McCain wird seine Rede halten und wohl nicht zurückhaltend in der Kritik an Russland sein.

Mit der Absage des festlichen Dinners am Samstagabend haben die US-Senatoren bereits zuvor ein Zeichen gesetzt. Das Abendessen findet jedes Jahr in der prunkvollen Residenz in der Münchner Innenstadt, geladen sind die wichtigsten Teilnehmer der Sicherheitskonferenz einschließlich der Minister und Staatschefs. Meistens sind insgesamt rund hundert Gäste geladen.

Während des Dinners wird der Ewald-von-Kleist-Preis verliehen, dieses Jahr an den früheren französischen Außenminister Laurent Fabius, die Laudatio hielt der stellvertretende UNO-Generalsekretär. Das Dinner stellt den gesellschaftlichen Höhepunkt der Konferenz dar.

mgb

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