Münchner Sicherheitskonferenz Iran verführt den Westen 

Der Auftritt von Außenminister Sarif bei der Münchner Sicherheitskonferenz zeigt: Die neue iranische Regierung hat es fürs Erste geschafft, den Westen zu verführen. Doch wie in jeder Beziehung ist die Entzauberung des Partners programmiert.

Irans Außenminister Sarif: Süßes Lächeln, sonorer Bass
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Irans Außenminister Sarif: Süßes Lächeln, sonorer Bass

Von , München


Wer ermessen will, was sich im Verhältnis Irans zur internationalen Gemeinschaft in den vergangenen zwölf Monaten geändert hat, der muss sich an die Sicherheitskonferenz vor einem Jahr erinnern. Da wurde der damalige iranische Außenminister Ali Akbar Salehi vom gesamten Podium scharf angegangen, der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz, nannte ihn gar einen "nuklearpolitischen Geisterfahrer".

Ganz anders in diesem Jahr. So freundlich wie der neue iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif wurde seit langem kein Vertreter Teherans mehr in München empfangen. Moderator Wolfgang Ischinger verzichtete vorsorglich auf harte Fragen, der schwedischer Außenminister Carl Bildt schwärmte von einer "neuen Gelegenheit, zu einer Lösung zu kommen", und US-Senator Chris Murphy versicherte, der Senat werde vorerst keine weiteren Sanktionen beschließen.

Besser hätte es für den iranischen Außenminister nicht laufen können. Sarif sagte, er freue sich über die "vielen neuen Freunde im Saal", und zeigte sich dann von seiner besten Seite. Er gab den Intellektuellen, sprach vom nachvollziehbaren Misstrauen auf beiden Seiten, von unterschiedlichen Sichtweisen ("Narrativen"), für die es jeweils gute Gründe gebe. "Wir müssen unsere Narrative beiseitelegen", forderte Sarif.

Sein süßes Lächeln, sein sonorer Bass, seine Witze, all das hinterließ bei den Teilnehmern der Konferenz einen starken Eindruck. Selbst Iran-Skeptiker und "Zeit"-Herausgeber Josef Joffe sparte nicht mit Komplimenten. Er wünsche sich, so Joffe zu Sarif, dass es in den diplomatischen Diensten westlicher Länder mehr von den rhetorischen Fähigkeiten des iranischen Außenministers gebe.

In Wahrheit nur einige wenige Zugeständnisse

Wie verliebt der Westen ins Gelingen der Verhandlungen über das iranische Atomprogramm ist, zeigte schon die Ankündigung im Programmheft der Konferenz. Darin hieß es, die in Genf ausgehandelte Interimsvereinbarung habe "das Nuklearprogramm Irans gestoppt". Woher Konferenzchef Ischinger diese Information hat, blieb auch in der Diskussion sein Geheimnis. In Wahrheit nämlich hat Iran nur einige wenige Zugeständnisse gemacht, so verzichtet er in der sechsmonatigen Testphase auf die weitere Anreicherung von Uran, viel mehr aber auch nicht.

Äußerst heilsam waren da die nüchternen Anmerkungen des Generaldirektors der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Yukiya Amano. Ja, es gebe positive Schritte. Aber noch immer habe die IAEA keinen Zugang zu jenen Nuklearanlagen, die der Iran nicht offiziell gemeldet habe. "Wir können den nichtfriedlichen Charakter mancher iranischer Aktivitäten nicht ausschließen." Diese Anlagen bleiben der IAEA auch in der Interimsvereinbarung verschlossen.

Das wäre ein guter Ausgangspunkt gewesen für einen Versuch, Sarif um Aufklärung zu bitten über die Bedeutung der vielen geheimen Anlagen. Aber keiner auf dem Podium hakte nach. Stattdessen kam Sarif mit der Behauptung durch, Iran habe gar nicht anders gekonnt, als sein Atomprogramm geheim zu halten. Schließlich sei der Westen nicht bereit gewesen, das für friedliche Zwecke notwendige angereicherte Uran zu liefern. In Wahrheit war es andersherum: Iran hatte sein Atomprogramm von Anfang an geheim gehalten, und nur seine Entdeckung führte dazu, dass der Westen misstrauisch wurde.

Am 18. Februar beginnen in Genf die Verhandlungen über eine endgültige Beilegung des Atomstreits. Dann werden die Mächtigen in Teheran beweisen müssen, dass sie wirklich bereit sind, alle verdächtigen Anlagen inspizieren zu lassen. Sechs Monate sollen die Verhandlungen dauern, aber mit großer Wahrscheinlichkeit wird die Entzauberung der neuen iranischen Regierung sehr viel früher beginnen. Das ahnte immerhin auch Schwedens Außenminister Bildt: Er sei sich "ziemlich sicher, dass wir auf vorhersehbare und unvorhersehbare Probleme stoßen werden".

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 39 Beiträge
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stacheldraht10 02.02.2014
1. Fakten, keine Show
Herr Schult, Sie fordern von dem iranischen Aussenminister Fakten, keine Show. Genau solche harte Fakten fordern wir von Angela Merkel und den USA bzgl dem Abhoerskandal unbescholtener Buerger schon lange! Und Vertreter der USA sassen da auch mit am Tisch, so dass man sie haette fragen koennen. Um welche Sicherheit geht es bei dieser Konferenz eigentlich?
WhereIsMyMoney 02.02.2014
2. Ich sehe das ganz anders
Hier wurde und wird weiterhin ein Land verurteilt und mit allerlei Sanktionen belegt, obwohl es absolut nichts verbrochen hat. Naja, sie haben die falsche Religion. Das ist anscheinend Grund genug für uns sie zu verdammen.
alfredoneuman 02.02.2014
3.
Zitat von sysopDPADer Auftritt von Außenminister Sarif bei der Münchner Sicherheitskonferenz zeigt: Die neue iranische Regierung hat es für's erste geschafft, den Westen zu verführen. Doch wie in jeder Beziehung ist die Entzauberung des Partners programmiert. Sicherheitskonferenz: Westen umwirbt Irans Außenminister Sarif - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/sicherheitskonferenz-westen-umwirbt-irans-aussenminister-sarif-a-950664.html)
Gutes Photo! Es war schon sehr irritierend, wie Sarif mit penetratem Dauergrinsen im Gesicht, sich eloquent aus der vertrackten Situation herauszuparlieren versuchte, bei der es um die Verstrickung seines Landes in dem in Syrien stattfindenden Massenmorden, Menschenrechtsverletzungen im Iran, und anderen heiklen Themen ging. Man kann nur hoffen, dass die provokant unkritischen Haltung der Anwesenden gegenüber Sarifs teils dreisten Ausreden und Beschönigungsversuchen, nur der Tatsache geschuldet war, die Atomosphäre nicht zu belasten. Amano war in der Tat der einzige Lichtblick bei der ganzen Diskussion. Vielleicht auch deshalb, weil er kein Politiker ist, und sich daher an die nüchternen Fakten hält, die nun mal eine ganze andere Geschichte erzählen, als die iranischen Grinsbären
herbfischer 02.02.2014
4. Iran ist keine Gefahr.
Ich kann im iranischen Verhalten keine Gefahr für die Welt erkennen. Selbst eine iranische Atombombe, die fleißig und immerwährend herbeigeredet wird, wäre keine größere Gefahr als eine vorhandene, illegale israelische oder gar pakistanische. Sie wäre ohnehin nur als Eigenschutz zu verstehen. Es wird von interessierter Seite immer wieder der Versuch der Diffamierung Irans gemacht, dabei wissen wir alle, wer wirklich Schurkenstaat ist und wer nicht. Schurken fangen Kriege an, die nicht nötig wären. Sie belügen die Welt und überwachen sie, ganz in Diktatorenart. Sie tarnen sich als freiheitsliebend und demokratisch, sind aber das genaue Gegenteil dessen, was sie vorgeben zu sein. Kurzum, man erkennt den Schurken an seinem Verhalten. Iran zählt nach meiner Beobachtung nicht zu dieser Riege....
atech 02.02.2014
5.
Zitat von alfredoneumanGutes Photo! Es war schon sehr irritierend, wie Sarif mit penetratem Dauergrinsen im Gesicht, sich eloquent aus der vertrackten Situation herauszuparlieren versuchte, bei der es um die Verstrickung seines Landes in dem in Syrien stattfindenden Massenmorden, Menschenrechtsverletzungen im Iran, und anderen heiklen Themen ging. Man kann nur hoffen, dass die provokant unkritischen Haltung der Anwesenden gegenüber Sarifs teils dreisten Ausreden und Beschönigungsversuchen, nur der Tatsache geschuldet war, die Atomosphäre nicht zu belasten. Amano war in der Tat der einzige Lichtblick bei der ganzen Diskussion. Vielleicht auch deshalb, weil er kein Politiker ist, und sich daher an die nüchternen Fakten hält, die nun mal eine ganze andere Geschichte erzählen, als die iranischen Grinsbären
in Syrien findet ein Stellvertreterkrieg zwischen dem Iran und unseren "Freunden", den Saudis, statt. Das saudi-arabische Königshaus wird von Deutschland mit Waffen beliefert. Menschenrechtsverletzungen - finden nicht nur im Iran, sondern auch in Saudi Arabien, Afghanistan, Irak, Pakistan...und den USA statt. Immer wieder ein dankbares Thema. Aber solange der Westen selbst die Menschenrechte nicht achtet, kann er sie nicht glaubwürdig von anderen Nationen einfordern. Jetzt zum Thema, dem Atomprogramm des Iran. Der Iran hat ein RECHT auf ein ziviles Atomprogramm. Und von einem militärischen Atombrogramm, sprich der Atombombe, ist der Iran noch Jahrzehnte entfernt. Wer sich Sorgen darum macht, was das iranische Regime mit einer Atombombe anstellen könnte, der sollte sich lieber mal zuerst um Pakistan kümmern. Das islamistische Regime dort hat die Atombombe schon. Diejenigen, die den Iran wirtschaftlich klein halten wollen indem sie eine Fortsetzung der Sanktionen fordern, tun dies aus ganz anderen als den offiziell angegebenen Gründen.
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