Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Sicherheitspanne: Wirrwarr um "Air Force One"-Daten im Internet

Die US-Luftwaffe hat versehentlich als geheim eingestufte Sicherheitsdaten über die Präsidentenmaschine "Air Force One" im Internet veröffentlicht. Erst nach einer Woche wurden sie von der Seite der Luftwaffe gelöscht. Die Daten kursieren dennoch weiter im Netz.

Hamburg - Die detaillierten Informationen über die beiden "Air Force One" genannten Flugzeuge, mit denen US-Präsident George W. Bush auf Reisen geht, wurden auf der Internetseite der Andrews Airforce Base veröffentlicht, berichtet der "San Francisco Chronicle". Auf dem Luftwaffenstützpunkt sind die beiden Maschinen stationiert.

Air Force One: Die Maschine des US-Präsidenten
AP

Air Force One: Die Maschine des US-Präsidenten

Obwohl Geheimdienst, Regierung und Luftwaffe vom "Chronicle" informiert worden seien, habe es dennoch eine Woche dauerte, bis die sensiblen Informationen gelöscht wurden, berichtet die Zeitung heute auf ihrer Webseite. Selbst nachdem die Story am Samstag veröffentlicht wurde, habe es bis gestern gedauert, bis die Seite nicht mehr zugänglich war.

Zu den veröffentlichten Daten gehörten nach Angaben der Zeitung zum Beispiel detaillierte Informationen über das Raketenabwehrsystem. Auch Baupläne inklusive der genauen Sitzpositionen der Sicherheitsagenten im Flieger waren einsehbar. Dazu gab es eine genaue Anleitung, wie die Maschinen von Terroristen mit einer großkalibrigen Schusswaffe vom Himmel geholt werden können.

Eine Sprecherin der Luftwaffe bedauerte den Vorfall. "Wir können nicht rechtfertigen, warum die Daten für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. Sie hätten eigentlich mit einem Passwort geschützt werden müssen", räumte Catherine Reardon ein.

Nach Angaben eines Pentagon-Mitarbeiters, der nicht genannt werden möchte, beruht die peinliche Panne auf Sparsamkeit im Verteidigungsministerium: Die Daten seien für Rettungskräfte im Fall eines Unglücks bestimmt gewesen. "Die Informationen ins Internet zu stellen, hat wohl jemand als kostengünstige Methode betrachtet, diese den Rettungskräften zukommen zu lassen", sagte er dem "San Francisco Chronicle".

So geheim sind die Daten aber möglicherweise gar nicht. Auf der Internetseite cryptome.org werden sie nicht als "besonders interessant und einzigartig" bewertet. Das Material könne auch aus anderen Quellen hergeleitet werden. Als Beispiel wird das Raketenabwehrsystem genannt. Dieses sei genau so in Maschinen der Fluggesellschaft "El Al" installiert und könne auch an anderer Stelle im Internet eingesehen werden.

Bei cryptome.org sind weiter auch die Standorte der Sauerstoffbehälter in den Präsidentenmaschinen dargestellt. Darauf bezieht sich die Warnung des "Chronicle", mit dieser Information könnten Terroristen einen Anschlag auf die Präsidentenmaschine mittels eines großkalibrigen Gewehrs ausgeübt werden. Die Ausstattung mit Sauerstofftanks sei aber identisch mit jeder beliebigen Boeing 747 und daher nicht wirklich geheim. Bei den Präsidentenmaschinen handelt es sich um Langstreckenversionen der Boeing 747- 200B.

doe/dpa

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: