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Boykott-Votum der Presbyterianer: US-Kirche macht Druck auf Israel

Israelische Siedlung Har Choma: Made by Caterpillar Zur Großansicht
AFP

Israelische Siedlung Har Choma: Made by Caterpillar

Mit massivem Kapitalentzug will die Presbyterianische Kirche der USA Druck auf Israel ausüben. Sie boykottiert von jetzt an Firmen wie Caterpillar und Motorola, die vom Siedlungsbau der Israelis profitieren.

Detroit - Die presbyterianische Kirche der USA will ihr Kapital von drei Firmen abziehen, weil deren Erzeugnisse Israel darin unterstützten, palästinensische Gebiete zu besetzen. Nach einer heftigen Debatte darüber, wie der Friedensprozess zwischen Israelis und Palästinensern am besten voranzutreiben sei, wurde diese Maßnahme auf einer Generalversammlung der Kirchenobersten mit 303 von 310 Stimmen beschlossen, berichtet die "New York Times" ("NYT").

Die Abstimmung wurde in Washington und Jerusalem und von Palästinensern aufmerksam verfolgt. Der Beschluss der Kirche könnte als Impuls für eine Bewegung gewertet werden, in den USA mehr Druck auf Israel auszuüben. Israel hatte jüngst den Bau von weiteren 1500 Wohnungen in den Palästinensergebieten angekündigt.

Betroffen vom Boykott der Presbyterianer sind der Baumaschinen-Hersteller Caterpillar, Telekommunikationshersteller Motorola Solutions und Technologie-Riese Hewlett-Packard. Insgesamt hat die Kirche 21 Millionen Euro in diese Firmen investiert, berichtet die "NYT".

Profit aus dem Siedlungsbau

Die Kirche sagte, sie habe viele Jahre lang kritisiert, dass diese Firmen aus dem israelischen Siedlungsbau Profit schlügen, indem sie etwa Baumaschinen und Überwachungsgeräte verkauften. Zehn Jahre lang habe die Kirche intern über diesen Schritt verhandelt, vor zwei Jahren war die Abstimmung darüber gescheitert. Zuvor hatten 1500 Rabbis in einem offenen Brief versucht, die Kirche von diesem Schritt abzuhalten.

In dem neuen Beschluss betonten die Kirchenväter außer der Trennung von den Firmen aber auch Israels Existenzrecht und befürworten eine Zwei-Staaten-Lösung. Auch wolle sich die Kirche nicht nach der globalen BDS-Kampagne ausrichten, einem internationalem Aufruf, Israels Siedlungspolitik international durch Boykott, Kapitalabzug und Sanktionen zu bestrafen.

Die Presbyterianische Kirche der USA ist eine protestantische Kirche mit moderater Theologie, sie ist mit 1,8 Millionen Mitgliedern die größte presbyterianische Kirche und Glaubensgemeinde vieler amerikanischer Expräsidenten. "Unser Beschluss soll nicht als fehlende Liebe für unsere jüdischen Schwestern und Brüder interpretiert werden", zitiert die "NYT" den Diskussionsleiter der Kirche kurz nach der Abstimmung.

cpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 5 Beiträge
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1. Erstmalig höre bzw. lese ich von einer Kirche ...
winki 21.06.2014
etwas sehr vernünftiges. Damit soll versucht werden das aggresive Gebaren der Israelis gegenüber den Palästinensern zu stoppen. Etwas ähnliches könnte man sich auch von den Deutschen Kirchen wünschen. Obwohl es lt. Grundgestz keine Staatskirche gibt, mischen sie sich oft genug in die Politik ein. Hier wäre es mal eine Gelegenheit etwas Gutes zu wollen, ganz im Gegenteil von unserem BP Gauck, Pfarrer i.R., der Krieg befürwortet.
2. Frieden
Pegasuska 21.06.2014
Würden deutsche Kirchen derartiges tun, würden sie gleich als antisemitisch gebrandmarkt werden. Ich hoffe nur, dass es etwas nützt, und dass endlich Frieden herrscht. Gegenseitige Provokationen, sei es der Siedlungsbau oder der Beschuss mit Raketen, sind auf Dauer jedenfalls nicht hilfreich.
3. Palästina in den Grenzen von 1967
Bernhard.R 21.06.2014
das ist die völkerrechtlich korrekte Lösung. Das hat auch Obama in seiner Rede am 19.05.2011 gefordert. Um Israel dazu zu bewegen bedarf es mehr, als eines Kirchenboykottes. Aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Internationale Proteste und Isolation haben auch die Apartheit in Südafrika besiegt.
4. Die Antwort Israels kann man erwarten:
vantast64 21.06.2014
es wird mit noch mehr Wohnungen gedroht werden. Völker- und Menschenrechte zählen hier nicht,es herrscht das Gesetz des Stärkeren. Der palästinensische David kann gegen den hochgerüsteten Goliath nichts ausrichten, nichteinmal das Völkerrecht hilft ihm. Oder jetzt doch?
5.
brazzo 21.06.2014
Viel schlimmer finde ich doch, daß diese Kirche bisher in diese Firmen investiert hat. Motorola oder Essensausgabe, das war wohl die Frage. Wobei die Presbyterianer ja eh eher für die wohlhabenden Schäfchen zuständig sind und soweit ich weiß, gibt es für die auch ein Gebot sich nicht woanders in den USA einzumischen. "Du sollst nicht über deinen Teller sehen" oder so.
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