Sieg der First Lady Argentinien bleibt in der Familie

Auf Herrn Kirchner folgt Frau Kirchner: Nach Auszählung von achtzig Prozent aller abgegebenen Stimmen liegt Cristina Fernández de Kirchner weit vor ihren Rivalen. Vor jubelnden Anhängern erklärte sie sich bereits zur Siegerin der Präsidentschaftswahl in Argentinien.


Buenos Aires - Bei der Präsidentenwahl in Argentinien liegt die bisherige First Lady Cristina Fernández de Kirchner deutlich in Führung: Kirchner lag nach Auszählung von 80 Prozent der Stimmen so deutlich in Führung, dass eine Stichwahl ausgeschlossen war. Sie kam sie auf 44 Prozent. Die 54-jährige Kirchner wäre die erste Frau, die in Argentinien ins Präsidentenamt gewählt wird.

Kirchners Konkurrenten liegen nach den bisherigen Auszählungen weit hinter ihr: Die Mitte-links-Kandidatin Elisa Carrió erreichte demnach 23 Prozent, der frühere Wirtschaftsminister Roberto Lavagna 17 Prozent.

Die Peronistin Fernández de Kirchner hat sich vor jubelnden Anhängern zur Siegerin der Präsidentenwahl erklärt."Wir haben deutlich gewonnen", erklärte sie bei einem Auftritt am Wahlabend an der Seite ihres Mannes, dem amtierenden Präsidenten Néstor Kirchner. "Aber das bringt uns nicht in eine privilegierte Position, sondern vielmehr in eine Position mit größeren Verantwortungen und Verpflichtungen", sagte sie weiter. Fernández rief die Argentinier zur Einigkeit auf.

In versöhnlichem Ton lud sie die Opposition ein, gemeinsam für eine besser Zukunft zu arbeiten. Unter Verzicht auf Triumphalismus betonte sie, der Wahlsieg verleihe keine Privilegien, sondern große Pflichten. Zudem strich sie die "besondere Rolle" der Frauen heraus, die sich oft durch die Erfüllung doppelter Pflichten zu Hause und zugleich in der Öffentlichkeit auszeichneten.

Von anderen Parteien gab es nach der Wahl allerdings Beschwerden wegen fehlender oder gestohlener Stimmzettel. Fernández' Rivalin Carrió weigerte sich zunächst, ihre Niederlage einzugestehen. Sie wolle weitere offizielle Ergebnisse abwarten, sagte sie kurz vor Mitternacht und betonte, es gebe immer noch Hoffnung auf eine Stichwahl. Dafür hätte jedoch Fernández auf unter 40 Prozent fallen oder Carriós Stimmenanteil auf weit über 30 Prozent steigen müssen. Beides hielten politische Beobachter für unwahrscheinlich.

Cristina Fernández de Kirchner war als klare Favoritin in die Wahl gegangen. Sie profitierte zwar von den wirtschaftspolitischen Erfolgen ihres Mannes und dem Einsatz des Staatsapparates für ihren Wahlkampf. Jedoch gilt sie als erfahrene Politikerin, und ihr wird ein unbedingter Wille zur Macht nachgesagt. Bei ihren politischen Gegnern und auch bei Mitarbeitern ist sie wegen ihrer Scharfzüngigkeit und manchmal aufbrausenden Art gefürchtet. Als ihre Hauptaufgaben bezeichnete sie die Festigung der Demokratie, weiteres Wirtschaftswachstum und die Überwindung der krassen sozialen Unterschiede.

Die zersplitterte Opposition betonte im Wahlkampf, die wirtschaftliche Erholung Argentiniens sei vor allem mit einer günstigen Konjunktur der Weltwirtschaft zu erklären. Die alten Leiden der Abhängigkeit des Landes von Rohstoffexporten, der Vetternwirtschaft und Korruption, der schwerfälligen Verwaltung und der Rechtsunsicherheit hätten sich unter Néstor Kirchner nur noch verschärft.

Die ehemalige französische Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal, die sich in Buenos Aires aufhielt, gratulierte Kirchner. Sie sei "froh, den Sieg von Cristina Fernández de Kirchner gleich im ersten Wahlgang mitzuerleben und zu feiern", sagte Royal. Die Sozialistin sprach von einem "historischen Datum".

Die rund 27 Millionen stimmberechtigten Argentinier waren gestern auch aufgerufen, die Hälfte der Parlamentsabgeordneten und ein Drittel der Senatoren zu wählen. In beiden Häusern verfügen die in verschiedene Lager gespaltenen regierenden Peronisten bislang über eine deutliche Mehrheit.

Kirchner wurde als erste Frau zur argentinischen Präsidentin gewählt, die erste Frau in diesem Amt ist sie allerdings nicht. Die Ehefrau von Juan Person, Isabel Peron, war Vizepräsidentin, als ihr Mann 1974 starb. Sie war 20 Monate im Amt, bevor sie bei einem Militärputsch gestürzt wurde.

anr/AP/dpa



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