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Sieg im Vorwahlmarathon: Obama wird erster schwarzer Präsidentschaftskandidat der USA

Ein historischer Augenblick: Nach einer monatelangen, erbitterten Vorwahlschlacht steht nun fest - Barack Obama wird der erste schwarze Präsidentschaftskandidat der USA. Hillary Clinton gratulierte Obama zu dessen Erfolg, ihre Niederlage hat die Demokratin jedoch offiziell noch nicht eingestanden.

Washington - Auf diesen Satz hat er lange hingearbeitet: "Heute Abend kann ich vor euch treten und euch sagen, dass ich der Kandidat der Demokraten bei der Präsidentschaftswahl sein werde." Nach 16 Monaten innerparteilichem Wahlkampf erklärte sich Barack Obama zum Sieger des innerparteilichen Vorwahlmarathons. "Eine historische Reise geht zu Ende, eine neue beginnt." Stolz, entspannt, triumphierend steht er in diesem Moment auf der Bühne der mächtigen Sportarena von St. Paul in Minnesota, umbrandet vom Jubel von 20.000 Anhängern, aus den Lautsprechern dröhnt "It's a beautiful day" (Es ist ein schöner Tag) der Rockband U2.

Nach seinem Vorwahlsieg hat Obama zur Einheit der Partei aufgerufen. "Lasst uns beginnen, zusammen zu arbeiten und uns zu einen, um gemeinsam die Zukunft Amerikas zu verändern." Zugleich lobte er seine Konkurrentin Hillary Clinton. Er gratulierte ihr zu der "Art und Weise, wie sie diese Wahlkampagne geführt hat". Sie sei eine "politische Führerin, die Millionen von Amerikaner inspiriert".

Obama konnte laut Berechnungen des TV-Senders CNN nach den letzten beiden Vorwahlen in South Dakota und Montana bereits 2156 Delegiertenstimmen hinter sich bringen - die notwendige Schwelle liegt bei 2118. Obama ist damit auf dem Parteitag der Demokraten im August die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten sicher. "Es fühlt sich toll an", sagte Obamas Wahlkampf-Chef David Axelrod. "Dies ist ein Meilenstein."

Bei der Vorwahl in South Dakota konnte sich jedoch Hillary Clinton überraschend noch einmal durchsetzen - die Umfragen hatten Obama vorn gesehen. Nach Auszählung von 94 Prozent der Wahlbezirke liegt sie dort mit 56 Prozent zu 44 Prozent vorn. In Montana schlossen die Wahllokale um 4 Uhr MESZ. Den Hochrechnungen zufolge konnte sich dort, wie erwartet, Obama mit 59 zu 39 Prozent durchsetzen. In beiden Staaten sind insgesamt 31 Delegierte zu holen.

Schon kurz nach Bekanntwerden der Ergebnisse aus South Dakota war Hillary Clinton in New York vor ihre Anhänger getreten. Sie gratulierte Obama und seinen Unterstützern zu allem, "was sie erreicht haben" - allerdings nicht direkt zu seinem Sieg. Sie vermied es auch, ihre eigene Niederlage einzugestehen. In ihrer Rede bezeichnete sie Obama als "ihren Freund". Sie sei verpflichtet, die Demokratische Partei für die Präsidentschaftswahl im November zu einen. Über ihren weiteren Weg wollte sie nichts sagen. "Ich werden heute Nacht keine Entscheidungen treffen", erklärte sie gewohnt kämpferisch. In den kommenden Tagen wolle sie sich mit Unterstützern und Parteiführern beraten. An ihre Anhänger appellierte sie, auf ihrer Web-Seite Vorschläge zu äußern. "Die fast 18 Millionen Menschen, die für mich gestimmt haben, müssen gehört und gesehen werden", sagte die frühere First Lady.

Clinton hatte am Dienstag vor Abgeordneten in New York gesagt, sie sei offen dafür, an der Seite Obamas als Kandidatin für die Vizepräsidentschaft anzutreten. Wenn dieser Schritt der Demokratischen Partei im Kampf um das Weiße Haus helfe, wolle sie darüber nachdenken, versprach die Senatorin in einer Telefonkonferenz.

Beobachter gehen davon aus, dass sich nun zahlreiche der bislang unentschiedenen Superdelegierten für Obama aussprechen. Bei Superdelegierten handelt es sich um Amts- und Mandatsträger der Partei, die von Amts wegen aber Stimmrecht auf dem Nominierungsparteitag haben. In ihrem Stimmverhalten sind sie ungebunden.

Obama wird der erste schwarze Kandidat, den die Demokraten ins Rennen ums Weiße Haus schicken. Lange Zeit galt er gegenüber seiner politisch viel erfahreneren Konkurrentin als Außenseiter - trotz seiner Erfolge bei den ersten Vorwahlen.

Der Republikaner John McCain steht bereits seit Wochen als Kandidat seiner Partei fest. Er hat seinen Rivalen im Rennen um das Weiße Haus als "beachtlichen Gegner" bezeichnet. "Ich bin aber bereit für diese Herausforderung", sagte McCain am Dienstag (Ortszeit) vor Anhängern im US-Staat Louisiana. Der Senator aus Arizona wies Angriffe Obamas zurück, McCain werde die Politik von George W. Bush fortsetzen. "Es ist schwer, Amerikaner von etwas zu überzeugen, von dem sie wissen, dass es falsch ist."

Das Duell beginnt: Alt gegen jung, schwarz gegen weiß, Kriegsheld gegen Ex-Sozialarbeiter.

ler/Reuters/dpa/AP

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