Sieg im Westküstenstaat Washington Romney läuft seinen Rivalen davon

Und noch ein Erfolg: Kurz vor dem Super Tuesday hat der republikanische Präsidentschaftsbewerber Mitt Romney auch im US-Staat Washington gewonnen. Jetzt geht er mit Schwung in den Kampf gegen seinen erzkonservativen Rivalen Santorum.

REUTERS

Aus Columbus, Ohio, berichtet


Es läuft für Mitt Romney. Kurz vor dem Super Tuesday, an dem in zehn US-Staaten zugleich republikanische Vorwahlen stattfinden, hat der Präsidentschaftsbewerber einen Symbolsieg errungen: Beim Caucus im Westküstenstaat Washington kam er nach Auszählung von rund 80 Prozent der Stimmen auf 36 Prozent.

Seine Rivalen folgten mit deutlichem Abstand: Der radikalliberale Ron Paul brachte es zu diesem Zeitpunkt auf 25 Prozent, der erzkonservative Rick Santorum auf 24,5 Prozent - allerdings trennten die beiden lediglich 250 Stimmen. Newt Gingrich, der frühere Sprecher des Repräsentantenhauses, konnte nur elf Prozent für sich verbuchen.

Allerdings: Die Abstimmung ist nicht bindend. Denn jene 43 Delegierten, die Washingtons Republikaner auf den Krönungsparteitag für den Präsidentschaftskandidaten entsenden dürfen, werden erst von einem Landesparteitag im Juni bestimmt.

Dennoch könnte Romney der Erfolg in Washington Schubkraft für den Super Tuesday bringen, nachdem er vergangene Woche bereits in Wyoming, Arizona und vor allem in seinem Geburtsstaat Michigan - wenn auch mit nur drei Prozentpunkten Vorsprung auf Santorum - siegen konnte. Romney sagte, der Washington-Caucus habe ihn ermutigt. Es habe sich gezeigt, dass die Wähler einen "konservativen Geschäftsmann" im Weißen Haus sehen wollten, der wisse, wie Wirtschaft funktioniert.

Multimillionär Romney hofft nun auf weitere Erfolge am Dienstag - und seinen Durchbruch im Rennen um die Kandidatur. Niemand in seinem Wahlkampfteam hatte damit gerechnet, dass Santorum, der Rivale ohne Organisations- und Finanzkraft, Romney derartig Paroli bieten könnte. Der Kampf der beiden konzentriert sich nun auf Ohio. Der Industriestaat im Mittleren Westen mit seinen 66 Parteitagsdelegierten gilt als der Kampfplatz schlechthin am Super Tuesday.

Der Ausgang ist völlig offen. Santorum führte zuletzt leicht in den Umfragen. Aber kann er diesen Vorsprung halten? Jetzt, wo Romney plötzlich einen kleinen Lauf hat?

Wahl in Washington, Wahlkampf in Ohio

Ohio ist ein sogenannter Swing State mit traditionell wechselnden Mehrheiten für Demokraten und Republikaner bei den Präsidentschaftswahlen. Wer die republikanischen Anhänger hier am Dienstag nicht mobilisieren kann, dürfte gegen Barack Obama bei der Wahl im Herbst große Probleme haben. Schon am Tag der Vorwahl im Staat Washington waren alle Kandidaten in Ohio unterwegs - außer Ron Paul.

Der 76-Jährige umwarb bis zuletzt massiv die Republikaner im Sechs-Millionen-Einwohner-Staat Washington - doch wieder reichte es nicht für seinen ersten Vorwahlsieg. Weil er auf den Staat im Nordwesten Amerikas gehofft hatte, fehlte Paul bei einem vom TV-Sender Fox News in Ohio organisierten "Kandidatenforum". Moderator Mike Huckabee - jener Ex-Prediger, der 2008 selbst erfolglos um die republikanische Präsidentschaftskandidatur gekämpft hatte - bat Romney, Santorum und Gingrich in ein verlassenes DHL-Logistikzentrum in der Stadt Wilmington. Rund 7000 Arbeiter verloren hier vor drei Jahren ihre Jobs.

Das sollte denn auch das Thema der Sendung sein - allerdings ohne gegenseitige Attacken wie bei all den TV-Debatten der vergangenen Monate. Deshalb mussten die Kandidaten jeweils einzeln vortreten und sich in der Industriehalle den Fragen besorgter Bürger und C-Prominenter, wie George W. Bushs früherer Arbeitsministerin Elaine Chao, stellen. Es drohte, eine völlig belanglose Sendung zu bleiben - das Bemerkenswerteste schien lange Zeit der Versuch Huckabees, eine rote Krawatte mit rosafarbenem Hemd zu kombinieren.

"Romneys Antwort war sehr emotional"

Doch dann bekam ausgerechnet der als steif und roboterhaft geltende Mitt Romney eine Vorlage. Mit Tränen in den Augen fragte ihn David McArthur, ein Bäckereibesitzer, was denn Romney im Fall seines Einzugs ins Weiße Haus für jene Veteranen zu tun gedenke, die wie sein Sohn seit ihrem Kriegseinsatz an Folgeschäden wie dem posttraumatischen Belastungssyndrom leiden - und kaum mehr einen Job finden.

Da senkte Romney seine Stimme: "Als Präsident würde ich alles in meiner Macht Stehende tun, um deinem Sohn zu helfen." Jenen, die alles riskiert hätten für ihr Land, "denen schulden wir alles", sagte Romney ohne konkret zu werden. Diese persönliche Geschichte bewege ihn sehr: "David, lass' uns in Kontakt bleiben." Dann ging es prompt gegen Obama: "Der Präsident spart beim Militär. Was hat er nur gegen Militärfamilien?"

Gingrich und Santorum dagegen durften sich mit Energiepolitik, Handelsdefizit und Schuldenstand auseinandersetzen.

Am Ende lobte sich Huckabee dafür, dass die Kandidaten bei ihm nicht aufeinander losgehen konnten. Und Elaine Chao, die frühere Arbeitsministerin, sagte zu Bäcker David McArthur: "Romneys Antwort war sehr kraftvoll, sehr emotional." McArthur nickte. Er dürfte seine Entscheidung für den Super Tuesday getroffen haben.

Mit Material von AFP, dpa, AP

insgesamt 7 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Meskiagkasher 04.03.2012
1. Ich freu mich!
Zitat von sysopREUTERSUnd noch ein Erfolg: Kurz vor dem "Super Tuesday" hat der republikanische Präsidentschaftsbewerber Mitt Romney auch im US-Staat Washington gewonnen. Jetzt geht er mit Schwung in den Kampf gegen seinen erzkonservativen Rivalen Santorum. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,819137,00.html
Mitt Romney ist genau der richtige für die republikanische Präsidentschaftskandidatur. Weiter so! Mit Mitt ist Obama die zweite Amtszeit sicher...
pepito_sbazzeguti 04.03.2012
2. Stellvertreter
Zitat von MeskiagkasherMitt Romney ist genau der richtige für die republikanische Präsidentschaftskandidatur. Weiter so! Mit Mitt ist Obama die zweite Amtszeit sicher...
Ich denke, Obama wäre die zweite Amtszeit auch sicher, wenn dieser seltsam verwirrte Stellvertreter des Papstes in den USA Präsidentschaftsandidat würde.
TheZioWolf 04.03.2012
3.
Zitat von pepito_sbazzegutiIch denke, Obama wäre die zweite Amtszeit auch sicher, wenn dieser seltsam verwirrte Stellvertreter des Papstes in den USA Präsidentschaftsandidat würde.
Dann wäre sie sogar sicherer. Für Obama wäre Santorum als Gegner viel einfacher. Romney hat zwar den Habitus eines außerirdischen Androiden, der krampfhaft versucht in der Menschheit nicht aufzufallen, vertritt aber doch moderate Positionen mit denen er für viele eine echte Alternative darstellt.
suryasuryata 04.03.2012
4. Das Geld entscheided, nicht der Kandidat
Zitat von pepito_sbazzegutiIch denke, Obama wäre die zweite Amtszeit auch sicher, wenn dieser seltsam verwirrte Stellvertreter des Papstes in den USA Präsidentschaftsandidat würde.
Klar! Schauen Sie nur die Betraege an, die Goldman Sachs (FED) investiert, a) in Obama und b) in Romney. Allein daran sehen Sie wer gewuenscht wird. Obama ist bereits geprueft....und fuer die berechenbar, also!
homersimpson75 04.03.2012
5. Schau'n mer mal
Zitat von sysopREUTERSUnd noch ein Erfolg: Kurz vor dem "Super Tuesday" hat der republikanische Präsidentschaftsbewerber Mitt Romney auch im US-Staat Washington gewonnen. Jetzt geht er mit Schwung in den Kampf gegen seinen erzkonservativen Rivalen Santorum. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,819137,00.html
Mag sein, daß Romney nach Stimmen im Caucus vorne liegt. Aber ob er auch die Delegierten des Staates gewinnt, bleibt abzuwarten. Siehe hier: Rachel Maddow Explains Why Ron Paul Could Win Republican Nomination!!!! - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=fBgZ49s2E4E)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.