Deutscher Schriftsteller Bundesregierung erleichtert über Akhanlis Haftentlassung

Der deutsche Autor Akhanli sitzt in Spanien nicht mehr in Haft, das Auslieferungsverfahren läuft aber weiter. Außenminister Gabriel zeigt sich "voller Vertrauen in die spanische Justiz". Es wäre "schlimm" gewesen, hätte die Türkei ihr Ziel erreicht.

Sigmar Gabriel (SPD)
DPA

Sigmar Gabriel (SPD)


Mehr als 24 Stunden nach seiner Verhaftung im spanischen Granada ist der deutsche Schriftsteller Dogan Akhanli wieder aus der Haft entlassen worden. Außenminister Sigmar Gabriel, der sich am Samstag persönlich in den Fall einschaltete, begrüßte die Freilassung. "Es wäre schlimm, wenn die Türkei auch am anderen Ende Europas erreichen könnte, dass Menschen, die ihre Stimme gegen Präsident Erdogan erheben, in Haft geraten würden", erklärte Gabriel.

Die Türkei hatte Akhanli, der in Istanbul aufwuchs, aber alleinig die deutsche Staatsbürgerschaft hat, mit einer sogenannten Red Notice bei Interpol suchen lassen. Er gilt aus Sicht der türkischen Regierung als Oppositioneller. In seinen Werken setze er sich unter anderem für das Gedenken und die Aufarbeitung des Völkermords an den Armeniern ein. Akhanli muss nun trotz der Haftentlassung weiter Auflagen erfüllen. So darf er Spanien vorerst nicht verlassen und muss sich wöchentlich bei der Polizei melden.

Autor Dogan Akhanli
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Autor Dogan Akhanli

Das Auslieferungsverfahren läuft einstweilen weiter und liegt zunächst in den Händen der spanischen Justiz. Nur für den Fall, dass diese eine Auslieferung an die Türkei für zulässig hält, entscheidet die spanische Regierung über eine Auslieferung Akhanlis an die Türkei. Das Verfahren kann viele Wochen dauern.

"Ich habe vollstes Vertrauen in die spanische Justiz und weiß, dass unsere Freunde und Partner in der spanischen Regierung wissen, um was es geht", sagte Gabriel. Er hatte am Samstagabend in dieser Sache mit seinem spanischen Amtskollegen telefoniert. Aus dem Auswärtigen Amt war zu hören, der Geschäftsträger der Botschaft in Madrid habe an der Anhörung Akhanlis vor der Audiencia Nacional teilgenommen.

vks/dpa



insgesamt 125 Beiträge
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rilepho 20.08.2017
1. Ist das nicht ein Thema für eine Bundeskanzlerin?
Toll, dass sich der Außenminister - von Amts wegen - so einsetzt. Das Thema ist jedoch so brisant, dass es für eine Kanzlerin Verpflichtung wäre, sich öffentlichkeitswirksam einzusetzen! Ist ihr der Wahlkampf mit schwurbeligen Reden und schönen Fotos wichtiger?
i.dietz 20.08.2017
2. Wo ist eigentlich wieder
Frau Merkel und ihren Einsatz für diesen deutschen Bürger ? Aber ich freue mich, dass zumindest Gabriel Vertrauen zur spanischen Justiz hat ! Ich denke, ich stehe nicht allein da wenn ich behaupte: Vertrauen in die deutsche Justiz ist bei vielen Bürgern schon lange abhanden gekommen !
gammoncrack 20.08.2017
3. Die spanische Justiz wird überhaupt nicht interessieren,
wie Sigmar Gabriel über den Fall denkt. Die werden, genau wie es hier in Deutschland wäre, die "Beweise" der Türkei prüfen und dann über eine Aslieferung entscheiden. Falls Dogan Akhanli NACHWEISLICH an einem Verbrechen in der Türkei beteiligt war, werden die Spanier ausliefern. Defintiv! Falls sie es nicht machen würden, sollte jeder Straftäter in die Türkei flüchten. Die werden dann ganz sicher keinem Auslieferungsersuchen mehr nachkommen, selbst wenn die Schuld zweifelsfrei feststeht. Ich verlasse mich deswegen ganz auf die spanische Justiz. Sigmar Gabriel täte gut daran, dass genau so zu machen.
ntfl 20.08.2017
4. Das Rechtsempfinden von Erdogan
ist so tief "demokratisch" geprägt, dass er bald die Leute einfach entführen lässt, damit sie in seinen Gefängnissen verrotten können. Unsere Politiker werden - wie immer - überrascht und entsetzt sein und Frau Merkel wieder ihr gefürchtetes "das geht gar nicht" in die Mikros hauchen. Dabei ist das alles doch längst so vorhersehbar!
brille000 20.08.2017
5. Olé!
Ja und? Vertrauen in die spanische Justiz? Da lässt der Verrückte in Ankara einen seiner politischen Widersacher wegen gerade dieses Umstandes von der Justiz eines "befreundeten" Landes festsetzen und der Gabriel ist da optimistisch? Die Tatsache alleine und das ernsthafte Herangehen der spanischen Justiz ist doch schon eine Posse sondersgleichen. Müssen wir jetzt alle Angst haben, dass wir, wenn wir uns öffentlich gegen diesen Neu-Sultan oder dessen Politik äussern, in unseren "Freundesstaaten" weggefangen werden?
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