Diplomatischer Affront Bagdad verhindert Gabriel-Trip nach Kurdistan

Mit einem Besuch in Bagdad und der Kurden-Metropole Arbil wollte Außenminister Gabriel zwischen den Kontrahenten vermitteln. Bagdad aber fand die Idee nach SPIEGEL-Informationen gar nicht gut.

Kurden demonstrieren in Arbil für das Referendum
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Kurden demonstrieren in Arbil für das Referendum

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Der irakische Regierungschef Haider al-Abadi hat eine Reise des geschäftsführenden Außenministers Sigmar Gabriel auf ziemlich undiplomatische Weise blockiert. Nach SPIEGEL-Informationen sperrte sich Abadi vehement gegen den Plan des SPD-Politikers, nach einer Visite in Bagdad auch die Kurdenregion im Norden des Lands zu besuchen. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

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Heft 48/2017
Land ohne ...Richtung, ...Einigkeit, ...Kanzlerin?

Gabriels eigentlicher Plan war eine diplomatische Pendelreise. Zunächst wollte er Anfang November in Bagdad mit der Zentralregierung reden und danach in Arbil, der Hauptstadt der autonomen Kurdenregion, ausloten, ob man beide Seiten nicht für neue Gespräche gewinnen kann.

Die irakische Regierung aber signalisierte dem Auswärtigen Amt, Gabriel könne gern nach Bagdad kommen. Ein Besuch in der nach Unabhängigkeit strebenden Kurdenregion sei jedoch unerwünscht.

Selbst Kanzlerin Angela Merkel konnte Abadi bei einem Telefonat mitten in der heißen Phase der Sondierungsgespräche nicht umstimmen. Gabriel sagte die Reise daraufhin komplett ab.

Die Kurden hatten kürzlich in einem Referendum mit großer Mehrheit für die Unabhängigkeit vom Irak votiert, daraufhin hatte Bagdad die Region durch eine Blockade aller internationalen Flugverbindungen und Schließung mehrerer Grenzpunkte weitgehend isoliert. Zeitweise drohte der Konflikt sogar militärisch zu eskalieren.

Für die Bundesregierung ist der diplomatische Affront ein Zeichen, wie verhärtet die Fronten zwischen Bagdad und den Kurden weiterhin sind.

Problematisch ist das auch für die Bundeswehr-Mission im Irak. Bisher bilden dort deutsche Soldaten kurdische Peschmerga aus, die Bundeswehr hat die Kurden zudem mit großzügigen Waffenlieferungen aufgerüstet. Bagdad ist auch darüber wenig begeistert.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - erhältlich ab Samstagmorgen und schon heute ab 18 Uhr im digitalen SPIEGEL.

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insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
anonym187 23.11.2017
1. kurz gesagt,
unsere Regierung hat es verbockt! Jetzt werden deutsche Waffen im nächsten irakischen Konflikt eingesetzt. Die Aufrüstung der Kurden war fatal und kurzfristig betrachtet ! Der Konflikt zwischen Kurden Region und Irak wird sich weiter zuspitzen, den der Irak wird auf lange Sicht keinen Autonomen kurdischen Staat dulden. und sein Vorhaben wird auch von seinen Nachbarländern unterstützt. Deutschland sollte sich lieber nicht mehr weiter anrichten, denn sie haben mit ihrer Waffen Lieferung an den Kurden das Land nicht weiter stabilisiert
touri 23.11.2017
2.
Zitat von anonym187unsere Regierung hat es verbockt! Jetzt werden deutsche Waffen im nächsten irakischen Konflikt eingesetzt. Die Aufrüstung der Kurden war fatal und kurzfristig betrachtet ! Der Konflikt zwischen Kurden Region und Irak wird sich weiter zuspitzen, den der Irak wird auf lange Sicht keinen Autonomen kurdischen Staat dulden. und sein Vorhaben wird auch von seinen Nachbarländern unterstützt. Deutschland sollte sich lieber nicht mehr weiter anrichten, denn sie haben mit ihrer Waffen Lieferung an den Kurden das Land nicht weiter stabilisiert
Aber was war die Alternative? Man wollte keine eigenen Bodentruppen schicken und der IS musste aufgehalten werden (sowohl für die Sicherheit der Menschen vor Ort als auch bei uns). Die Kurden waren nunmal die beste Lösung für das Problem (weil relativ westlich eingestellt) und jetzt werden sie fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel. Gut eigentlich hätten sie es besser wissen müssen, Gruppen und Regierungen wurden vom Westen immer gerne hofiert, bis diese nicht mehr nützlich waren und dann fallen gelassen.
werto 23.11.2017
3.
Es war eigentlich schon die ganze Zeit klar , dass sich dieser Konflikt abzeichnet , je mehr ISIS an Einfluss verloren hat . Die Kurdenproblematik war ohnehin eine tickende Zeitbombe Isis war lediglich der Anlass , der zu weiteren Autonomie/Unabhängigkeitsbestrebungen führte .Ich bin der Meinung die Waffen Lieferung war sinnvoll und könnte ihre Bestrebungen unterstützen . Nationalismus ist vielleicht anachronistisch , aber Unterdrückung ebenso , daher würde ich ein freies Kurdistan begrüßen , denn jedes Volk sollte seine. Selbstbestimmungsrechtes wahrnehmen können
kkllaauussii 23.11.2017
4. Eigentlich wie immer ...
Es werden bestimmte Gruppen für eine Aufgabe ausgewählt, ausgerüstet und ausgebildet und wenn das erledigt ist, verschwindet die Gruppe nicht einfach. Osama Bin Laden samt Al quaida wurde von den Amerikanern im Kampf gegen die Russen eingesetzt und was danach kam weiß ja jeder. Die Kurden im Kampf gegen IS, diverse "gemäßigte Islamisten" in Syrien etc etc. Im Ergebnis ist man das eine Problem, hier den IS los, und bastelt sich 2-3 neue. Die Alternative wäre weggucken und ignorieren, aber auch dass müsste man aushalten können.
1966logan 23.11.2017
5. Was ich immer noch nicht verstehe...
Warum meint die Bundesregierung sich immer und immer wieder in die Konflikte dieser Regionen einmischen zu müssen? Mal sind es Truppen, mal sind es Waffen, jetzt ist es ein "Vermittlungsversuch". Wäre es nicht besser, diese Völker in Ruhe zu lassen, damit sie ihre Konflikte intern und regional lösen? Man kann es als Einmischung in die inneren Angelegenheiten sehen, auch wenn es noch so gut gemeint ist, kein Land und keine Regierung wünscht sich sowas, genau so wie es sich keine fremde Truppen auf dem Staatsgebiet wünscht. Ist das so schwer zu verstehen...?
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